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Trump bringt Kulturaustausch mit den USA ins Stocken

„Langfristig sehe ich eine Neujustierung – mit einem klar europäischen Selbstbewusstsein in der kulturellen Zusammenarbeit“, sagt Andreas Bareiß, Direktor der Filmakademie Baden-Württemberg.
Filmakademie Baden-Württemberg)Stuttgart. Unlängst hat das Markgräfler Gymnasium in Müllheim (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) die USA-Reise der schuleigenen Bigband mit Chor abgesagt. Gemeinsames Musizieren mit US-amerikanischen Jugendlichen ist nach 25 Jahren vorerst nicht mehr. Grund für die Absage war die drohende Verschärfung der Einreiseregeln. Die Trump-Regierung will etwa die Social-Media-Aktivitäten und andere Daten erheben. Das ging den Verantwortlichen zu weit.
Zuletzt konnte die Konzertreise, die alle drei Jahre organisiert wird, wegen Corona nicht stattfinden. „Derzeit ist unser Austausch kulturell eine Einbahnstraße von den USA nach Europa“, sagt Marcel Fischer, Leiter der Big-Band, dem SWR. Die stellvertretende Schulleiterin Marion Neugebauer ergänzt: „Wir haben die Pandemie überwunden und werden auch diese Zeit überwinden.“ Bis dahin will sich die Schule nach Europa orientieren, ein Kontakt nach Ungarn bestehe bereits.
Die Partnerhochschule hat abgesagt
Auch die Studierenden der Filmakademie Baden-Württemberg müssen 2026 auf den Hollywood-Workshop verzichten. Noch 2024 konnten zwölf von ihnen drei Wochen Branchenriesen wie die Paramount Studios besuchen und mit Hollywood-Größen in Kontakt kommen. Das ist nun Geschichte. Die langjährige Partner-Hochschule in Los Angeles kündigte die Kooperation 2025 – ohne Gründe anzugeben.
„Ein belastbares Gespräch auf institutioneller Ebene ist bislang nicht zustande gekommen, da die damals zuständigen Ansprechpartner die Hochschule inzwischen verlassen haben“, sagt Andreas Bareiß, seit 1. Mai 2025 Direktor der Filmakademie Baden-Württemberg. „Für uns erschwert das eine Aufarbeitung der Situation. Aber wichtiger als in die Vergangenheit zu schauen ist mir ohnehin, den Blick nach vorne zu richten. Und der geht ganz klar in Richtung Europa!“
Die einst enge Verbindung zu den USA soll bestehen bleiben
Die restriktivere Einreisesituation in die USA und die Verantwortung gegenüber den Studierenden habe dazu geführt, dass die Filmakademie derzeit ein europäisches Alternativprogramm auf die Beine stellt und Bareiß ist zuversichtlich, dass bereits in diesem Sommer das Nachfolge-Format des Hollywood-Workshops in London startet.
Trotzdem soll die einst enge Verbindung zu den USA möglichst bestehen bleiben. Die Zusammenarbeit im Bereich Werbefilm mit der University of Texas laufe weiter, so Bareiß. Gleichzeitig spüre man die veränderte geopolitische Lage ganz praktisch: „Visa-Verfahren, auch für internationale Studierende, die nach Ludwigsburg kommen wollen, dauern deutlich länger, administrative Prozesse sind komplizierter geworden.“ Deshalb spielten sich neue Initiativen verstärkt innerhalb Europas ab, etwa mit der National Film and Television School in Großbritannien und La Fémis in Paris. Zudem gibt es eine neue Kooperation mit der Polish National Film, Television and Theatre School in Łódz. „Langfristig sehe ich eine Neujustierung – mit einem klar europäischen Selbstbewusstsein in der kulturellen Zusammenarbeit“, so Bareiß.
Für die US-amerikanische Kultur sieht es indes derzeit wenig rosig aus. Das Kennedy Center in Washington etwa, das Trump unlängst in Trump Kennedy Center umbenannt hatte, wird nun für zwei Jahre geschlossen – wegen Sanierungsmaßnahmen. Doch tatsächlich gab es seit der Umbenennung des renommierten Veranstaltungshauses zahlreiche Abonnement-Kündigungen und viele Künstlerinnen und Künstler sagten ihre Auftritte ab. Zuletzt hatte der 89-jährige Komponist Philipp Glass eine Auftragskomposition zurückgezogen.