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Comedy

Vom Buchhalter zum Comedian: Nebi Tuncer wagt den Neustart

Er hat einen Master in Betriebswirtschaft und einen Job als Buchhalter. Dann kommt Corona und er wendet diesem Leben den Rücken zu. Heute verdient er seinen Lebensunterhalt damit, fremden Menschen Freude zu schenken.
Ein Mann mit Bart und schwarzem Kapuzenpulli lächelt.

Nebi Tuncer kommt ursprünglich aus Tübingen und lebt heute in Berlin.

Alexander Kivrakidis)

Tübingen. Nebi Tuncer war Gast auf einer Hochzeit, als sich ihm ein alter Schulfreund anvertraute. Ihm ging es nicht gut – und Tuncer war „nicht reif genug, um erwachsen mit solchen Situationen umzugehen“. Also hat er Geschichten aus der gemeinsamen Jugend erzählt, bis sein Schulfreund vor Lachen prustete und auch andere Hochzeitsgäste lachend seinen Geschichten lauschen. Zu diesem Zeitpunkt ist dem heute 36-Jährigen noch nicht bewusst, dass er gerade Stand-Up-Comedy performt – er denkt, er erzähle nur witzige Geschichten. Aber als er in die lachenden Gesichter blickt, weiß er: „Wenn Comedy das kann, dann will ich das den Rest meines Lebens machen“.

Also lässt er seinen Job als Buchhalter hinter sich, obwohl er sich den über lange Zeit erarbeitet hat: Von der Hauptschule bis zu einem Masterabschluss in der Betriebswirtschaft hat er alles für einen sicheren Beruf getan. All das hinter sich zu lassen, sorgte bei seinen Eltern für Sorge: „Sie haben gehofft, ich würde diesen typischen Werdegang gehen, den türkische Eltern sich für ihre Kinder wünschen: dass sie jung heiraten, Sicherheit haben und ein geregeltes Einkommen.“ Trotzdem entschied sich Tuncer für den unsicheren Weg – als Videograf und Comedian.

Tuncer ist in Tübingen aufgewachsen

Während der Corona-Pandemie brachte er sich alles über Kameras, Licht und Ton bei. Später investierte er seine Zeit in den Aufbau verschiedener Open-Mics in Stuttgart. Open-Mics – Veranstaltungen, bei denen jeder auf der Bühne Comedy ausprobieren kann – sind bis heute auch der Ort, an dem Tuncer seine Sketches für die große Bühne erprobt. Denn er wollte nicht nur hinter der Bühne arbeiten, sondern sich auch seinen Platz darauf verdienen.

Schon bald wurden Comedians mit größerer Reichweite auf ihn aufmerksam – Künstler, die bereits ganze Hallen füllen und Tuncer sowohl als Videografen als auch für ihr Vorprogramm engagieren: „Bevor sie auf die Bühne kommen, gehe ich hoch und mache das Publikum 15 Minuten lang heiß.“ Danach tritt er aus dem Scheinwerferlicht und nimmt die Vorstellung auf.

Ein Comedian glaubt besonders an Tuncer: Andi Mohr. Gemeinsam bauen sie eine „Late-Night-Show“ auf, die bald auch auf Deutschlandtour gehen soll. Tuncer moderiert die Show, Mohr ist Co-Autor. In einem an klassische TV-Shows angelehnten Setting führt Tuncer Interviews mit geladenen Gästen – meist anderen Comedians – oder zeigt Einspieler von Straßeninterviews. Bei einer seiner Shows in Stuttgart gab es sogar ein kostenloses Tattoo für eine Zuschauerin, das live vor Publikum gestochen wurde.

Doch so wie Tuncer einst selbst versuchte, in der Comedy-Szene Fuß zu fassen, geht es heute vielen anderen Newcomern. Deshalb gibt er ihnen die Möglichkeit, in seinem Vorprogramm ebenfalls im Scheinwerferlicht zu stehen: „Andi Mohr hat an mich geglaubt und in mich investiert. Und wenn ich eine Plattform habe, möchte ich gerne auch in andere investieren.“

Seit einem Jahr lebt er in Berlin

Nun plant Tuncer seine erste Solo-Show. An Ideen mangelt es ihm nicht: „Ich habe 36 Jahre meines Lebens, die ich auf den Bühnen erzählen kann.“ Darunter sei vieles, das es wert sei, erzählt zu werden. Statt über Obszönitäten möchte er vor allem über Themen sprechen, in denen sich die Menschen wiederfinden können.

Wer genau diese Menschen sein werden, darauf ist auch Tuncer gespannt. Bei seinen Branchenkollegen hat er eine Beobachtung gemacht: „Das Publikum sieht genauso aus wie der Comedian“, lacht er. Für seine eigene Show wünscht er sich ein Publikum aus Menschen, die über sich selbst lachen können, den Moment genießen und sich ganz auf den Abend einlassen.

Für das Publikum, das eher Content mag, der eine Gratwanderung zwischen Ernst und Humor macht, hat Tuncer seinen Podcast „Hustle“ im Angebot: „Das Wort „Hustle“ wird oft verwendet, wenn man in einer Phase im Leben ist, in der man mehr arbeitet als jemals zuvor“, erklärt Tuncer. Im Podcast spricht er mit verschiedenen Gästen über Herausforderungen im Leben und auch über dunkle Momente. Verbunden wird das Ganze mit Comic Relief, andere Generationen würden vielleicht von Galgenhumor sprechen.

Das Beste an seinem Job aber seien doch die Momente auf der Bühne: „Wenn die Welle an Lachern kommt und du merkst: Ein Schwachsinn hat gezündet.“ Oder wenn auf seinem Handy ein Anruf von Andi Mohr eingeht und er anfängt zu grinsen und fragt: „Okay, was hast du jetzt wieder für eine schwachsinnige Idee?“

Welcher Comedian aus dem Schwarzwald auf der Bühne steht, lesen Sie hier.

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