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Kultureinrichtungen

Wenn Museen schließen, geht oft Kulturgut verloren

Im Juli schlug der Museumsverband Alarm. Durch den Sparkurs von Kommunen sei das Weiterbestehen vieler Museen in Gefahr. Die Landesstelle für Museen Baden-Württemberg verzeichnet für 2025 bereits über 40 Schließungen.
Historisches Gebäude mit Säulen, Baum rechts, Schild "PRINZMAXPALIAS" links.

Das Stadtmuseum im Prinz-Max-Palais stand auf der Kippe - und bleibt den Karlsruhern nun doch erhalten.

dpa/Uli Deck)

Stuttgart. Gerade beschloss der Gemeinderat von Efringen-Kirchen mit zwei Gegenstimmen das Aus der „Alten Schule“. Das Museum, das die Geschichte der Ortschaften, Leben und Alltag der Menschen in der Region veranschaulicht, wurde 1993 in einem alten Schulhaus eröffnet. Nun soll es „entsammelt“, die Exponate inventarisiert oder zurückgegeben werden. Alternativen wurden zuletzt nicht mehr in Betracht gezogen. Auch die Einstellung eines Archivars für die Auflösung des Museums lehnte der Gemeinderat ab.

Das ist kein Sonderfall. Ende 2026 ist das Deutsche Spielkartenmuseum in Leinfelden-Echterdingen (Landkreis Esslingen) Geschichte, das Bibelmuseum Bibliorama in Stuttgart, getragen von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und der Württembergischen Gesellschaft, musste Ende Januar seinen Betrieb einstellen.

„Unsere größte Sorge ist, was passiert mit der Sammlung?“ Shahab Sangestan, Leiter der Landesstelle für Museen Baden-Württemberg
Landesstelle für Museen BW)

Die Stadtmuseen in Karlsruhe und Baden-Baden bleiben

Dort allerdings wehrt sich eine Initiative und sammelt Spenden für den Erhalt. Immerhin: In Knittlingen konnte das Ende des Faust-Museums abgewendet werden und auch in Baden-Baden und in Karlsruhe bleiben die Stadtmuseen erhalten.

Die Landesstelle für Museen Baden-Württemberg verzeichnet für 2025 über 40 Museumsschließungen. Ermittelt wurde das bei einer Standartenabfrage, die indes noch nicht abgeschlossen ist. Insgesamt gibt es im Land rund 1200 Museen, 700 davon ehrenamtlich geführt. Meist sei ein Verein der Betreiber, die Kommune stelle den Ort, so Shahab Sangestan, Leiter der Landesstelle. „Diese Form ist für die erste Zeit auch in Ordnung, aber irgendwann muss ein ehrenamtlich geführtes Museum eine hauptamtliche Führung bekommen.“ Denn jene, die das Museum gründen, stecken viel Arbeit rein, aber sie werden älter und manchmal gibt es keinen Nachwuchs. Dann fehlt es an Personal, und sowieso an Geld. Es wird schwierig, das kulturelle Erbe zu bewahren und gleichzeitig nach Außen hin sichtbar zu bleiben.

Das Museum in Elfingen-Kirchen bot neben der Dauerausstellung jährlich rund drei Sonderausstellungen und hat einen Förderkreis, der das Museum belebte. Aber es gab auch Probleme. Die Lagerung der Sammlung war schwierig, die Inventarisierungssoftware lange nicht mehr aktualisiert. Und auch eine zu geringe Besucherzahl wurden für das Ende angeführt.

Archive sind Pflichtaufgaben der Kommunen

Zu wenig Besucher – dieses Argument werde oft genannt, sagt Sangestan. „Aber grundsätzlich gibt es nach unserer Kenntnis kein Museum, das gewinnbringend arbeitet. Man weiß also von Anfang an, dass das keine Institution ist, die finanzielle Gewinne bringt. Da muss investiert und das muss fortgeschrieben werden.“ Die vielen Schließungen betrachtet er mit Unbehagen. „Unsere größte Sorge ist, was mit dem Kulturgut passiert, was mit der Sammlung? Es geht um das kulturelle Erbe, um das kollektive Gedächtnis, um das Identitätsstiftende für eine Gruppe von Menschen“, so Sangestan. „Dazu gehören auch die Dokumente, die in einem Archiv bewahrt werden. Wenn man sich nicht mehr darum kümmert, geht das verloren. Die Archive sind Pflichtaufgaben der Kommunen.“

Kommunen und Gemeinden müssten das von Anfang an auf dem Schirm haben: „Museum ist kein Hobby, man darf die Dinge nicht einfach laufen lassen“, sagt Sangestan. „Wenn man sich dazu bekennt und das kommunale Erbe bewahren will, muss es einen Plan geben, es muss regelmäßig evaluiert und überdacht werden, was man machen kann, um den Erfolg fortzuschreiben.“ Etwa, indem sich Vereine, Soziokultur und Museen zusammentun, Synergien schaffen, um so die Akzeptanz in der Bevölkerung zu vergrößern. Die scheint sowieso die Schließungen nicht stets hinnehmen zu wollen. Initiativen und Petitionen zur Rettung wie in Baden-Baden oder Stuttgart beweisen das.

In Efringen-Kirchen scheint derweil die Sache beschlossen. Der Güterschuppen, der bis vor Kurzem noch als Depot für das Museum Alte Schule diente, ist bereits fast leer geräumt.

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