Ergebnisse der Landtagswahl 2021

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STUTTGART. Die Grünen sind der klare Sieger der Landtagswahl 2021 in Baden-Württemberg. Das amtliche Endergebnis zeigt, dass sie ihr bislang bestes Ergebnis in dem Land erzielten. Der Koalitionspartner CDU schnitt so schlecht ab wie nie zuvor.

Nach Angaben des Statistischen Landesamts erzielten die Grünen mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann an der Spitze 32,6 Prozent (2016: 30,2). Zweitstärkste Kraft wurde die CDU mit 24,1 Prozent (2016: 27). Die SPD holte 11 Prozent (2016: 12,7). Die AfD kommt auf 9,7 Prozent (2016: 15,1) und die FDP auf 10,5 Prozent (2016: 8,3). Die Linke verpasst den Einzug in den Landtag mit 3,6 Prozent (2016: 2,9).

Die Wahlbeteiligung lag laut Statistischem Landesamt bei 63,8 Prozent – das sind 6,6 Prozentpunkte weniger als 2016. Rein rechnerisch wäre eine Grün-Schwarze Koalition oder eine Ampelkoalition möglich.

Direktmandate bei der Landtagswahl 2021

Nur die Grünen und die CDU konnten sich Direktmandate bei der Landtagswahl 2021 sichern. In 58 von 70 Wahlkreisen erhielten die Grünen die meisten Stimmen, während die CDU in den restlichen 12 ihre Direktmandate verteidigen konnte. Bei der Landtagswahl 2016 bekamen die Grünen 46 Direktmandate, die CDU 22. Letztere verlor somit 2021 insgesamt zehn Wahlkreise.

In sechs Wahlkreisen kam es zu sehr knappen Ergebnissen: Die Unterschiede lagen bei weniger als einem Prozentpunkt, berichtet die Heinrich-Böll-Stiftung. „In Wangen und Backnang entschied sich der Zweikampf zu Gunsten der Grünen, während Geislingen, Rottweil und Bruchsal weiterhin durch Abgeordnete der CDU vertreten werden“, heißt es im Bericht. Besonders bemerkenswert sei, dass die Grünen zudem zwei Direktmandate in Wahlkreisen erhielten, die in der Landtagswahl von 2016 an die AfD gingen, heißt es weiter. In Pforzheim lag der Vorsprung für die Grünen bei 10,4 und in Mannheim I bei 15,1 Prozentpunkten.

Wer wählte welche Partei?

Nach Analysen der Heinrich-Böll-Stiftung liegen die Grünen bei allen Altersgruppen vorne und erzielten im Jahr 2021 im Jungwählersegment (18 bis 24-Jährige) sowie neuerdings bei der Generation 60 plus Zuwächse. Dies sei bemerkenswert, da bislang die CDU von dieser Wählerschaft profitierte, so Politikwissenschaftlerin Stefanie John. Sie erklärt es damit, dass es Solidaritätsverbindungen zwischen den Jungen und Alten gibt – ein Beispiel ist die Fridays-for-future-Bewegung, die sich auch bei Älteren etabliert hat. „Es tritt ein „Enkeleffekt“ auf“, sagt John. Die Solidarität gibt es aber auch in umgekehrter Richtung.

Des Weiteren wurden die Grünen besonders stark von Wählern mit formal hoher Schulbildung und von Angestellten gewählt. Dabei sticht die zusätzlich gewonnene Unterstützung durch Beamte heraus. „Wie die Grünen Themen angehen und aufbereiten sowie die Themenauswahl, da besteht durchaus eine hohe Affinität“, so John zu dieser Beobachtung. Zudem konnte die Partei bei den Arbeitern nach AfD und CDU einen Stimmenanteil von 20 Prozent erreichen, wie die Analyse ergab.

Die CDU wird von Älteren, Selbständigen sowie Wählern mit formal einfacher Schulbildung häufiger gewählt als von anderen Gruppen. „Im Gegensatz zu den Grünen verliert die CDU auch bei Beamten und damit eine Wählergruppe, die den Christdemokraten traditionell nahesteht“, ergänzt die Stiftung. Für die CDU werde es zunehmend schwieriger, Jungwähler für sich zu gewinnen.

Der FDP sei es sehr gut gelungen, Erst- und Jungwähler bis 34 Jahre (+7 Prozentpunkte) und hier insbesondere junge Männer zu gewinnen. Des Weiteren punktet die FDP besonders stark bei den Selbständigen. Die SPD-Wähler sind tendenziell eher Senioren, Beamte sowie Wähler mit formal niedriger Bildung.

Die AfD profitiert besonders stark von den Stimmen von Arbeitern und Selbständigen. Eine weitere Erkenntnis, die die Stiftung aus ihrer Analyse zieht, ist die Etablierung der AfD. Die Bedeutung von Protestwahl ist bei den AfD-Wählern deutlich gesunken, heißt es, die Überzeugung von der Partei sei gestiegen. „Berücksichtigt man zudem die Schätzungen aus der Wählerwanderung, wonach der Stammwähleranteil bei knapp 77 Prozent liegt, bedeutet das eine Verfestigung der verbliebenen Anhängerschaft, die sich zugleich in absoluten Zahlen verringert hat“, heißt es im Bericht der Heinrich-Böll-Stiftung.

Regionale Unterschiede bei der Landtagswahl 2021

Beim Wahlverhalten lassen sich regionale Unterschiede erkennen. So stellt das Statistische Landesamt fest, dass die CDU im ländlichen Raum besonders erfolgreich war (29 Prozent). In Wahlkreisen mit hoher Bevölkerungsdichte schnitten Grüne mit 37,5 Prozent und die SPD mit 12,8 Prozent überdurchschnittlich in Wahlkreisen ab. Die FDP schnitt in Wahlkreisen mit niedriger Bevölkerungsdichte (10,4 Prozent) nur geringfügig besser ab als in Wahlkreisen mit hoher Bevölkerungsdichte (9,4 Prozent), beschreibt das Statistische Landesamt. Die AfD erreichte in Wahlkreisen mit niedriger Bevölkerungsdichte überdurchschnittliche Stimmenanteile und erreichte im Schnitt 11,5 Prozent.

Auch spielte es den Analysen zufolge eine Rolle, ob die Wähler aus einer Region mit hohem Anteil an Dienstleistungsgewerbe kommen: Dort sind die Grünen besonders stark (38,7 Prozent), die CDU erreicht in Gebieten mit hohem Anteil an produzierendem Gewerbe bessere Ergebnisse (27,3 Prozent).

Des Weiteren stellt das Statistische Landesamt fest, dass die AfD mit einem Stimmenanteil von 11,5 Prozent in Gebieten mit hohem Anteil an produzierendem Gewerbe ein besseres Ergebnis als im Landesdurchschnitt erreichen konnte. Die Ergebnisse der SPD unterschieden sich in Wahlkreisen mit hohem Anteil an produzierendem Gewerbe nur geringfügig (2,6 Prozentpunkte weniger) von denen in Wahlkreisen mit hohem Anteil an Dienstleistungsgewerbe. Die Ergebnisse der FDP fielen bei einem hohen Anteil an produzierendem Gewerbe leicht positiver aus (3,1 Prozentpunkte mehr).

Pia Hemme

Redakteurin Online und Social Media

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