Ausbildung bei der Berufsfeuerwehr: „Das muss man sich leisten können“

Bremen und Niedersachsen gehen die Berufsfeuerwehrleute aus. In Bremen soll etwa mit einem höherem Einstiegsgehalt für Anwärter gegensteuert werden. In Baden-Württemberg finden Berufsfeuerwehren zwar derzeit noch ausreichend Personal, man dürfe sich darauf aber nicht ausruhen.

Ein Berufsfeuerwehrmann löscht unter Atemschutz den Brand eines Scheunendaches. Die Anforderungen sind groß, die Bezahlung anfangs gering.

imageBROKER | Oskar Eyb)

STUTTGART. In Niedersachsen fehlen nach Angaben der Gewerkschaft Verdi rund 500 Berufsfeuerwehrleute, im Nachbarland Bremen etwa 200. Bremen will daher nun seine Berufsfeuerwehr attraktiver machen – etwa durch mehr Gehalt in der Ausbildung. Verdi schätzt, dass bis 2025 bundesweit 5000 Einsatzkräfte fehlen könnten und fordert eine Ausbildungsoffensive.

Im Südwesten gibt es neun Berufsfeuerwehren mit rund 2000 Einsatzkräften. Dem Innenministerium liegen zu Personal- und Bewerberlage „keine konkreten Informationen“ vor, handele es sich doch um kommunale Beamte. Für die Besoldung aber ist das Land zuständig. Die Laufbahnen sind laut Ministerium anders als die in Bremen.

Verkürzte Laufbahn des mittleren feuerwehrtechnischen Diensts

In Baden-Württemberg etwa wurde mit der Dienstrechtsreform 2015 der Vorbereitungsdienst für die Laufbahn des mittleren feuerwehrtechnischen Diensts verkürzt. Die Ausbildung dauert seither nur noch 7 statt 18 Monate. Dem schließt sich eine zwölfmonatige Fortbildung an, die unter anderem der Ausbildung zum Rettungssanitäter sowie dem Erwerb von Fahrerlaubnissen dient. In dieser Phase gilt das Beamtenverhältnis auf Probe, das heißt, man verdient mehr Geld.

Am 1. Dezember erhöhen sich zudem die Grundbeträge um 50 Euro, auch steigen die Beamten höher ein. Künftig ist das Eingangsamt beim mittleren Dienst A 8 – statt A 7 wie derzeit in Bremen. Angehoben wird auch das Eingangsamt im gehobenen Dienst von A 9 auf A 10.

„Größte Einstellungsoffensive der letzten Jahrzehnte“

Fragt man bei Berufsfeuerwehren nach, so heißt es, dass man noch ausreichend qualifiziertes Personal finde. In Stuttgart und Pforzheim etwa können noch alle freie Stellen besetzt werden, doch man spüre den Fachkräftemangel bereits.

In Stuttgart sieht der neue Feuerwehrbedarfsplan in den kommenden Jahren eine Zunahme von rund 100 Stellen vor. Dies ist Sprecher Daniel Anand zufolge die „größte Einstellungsoffensive der letzten Jahrzehnte“. Unter anderem finden daher doppelte Grundausbildungslehrgänge für die Jahrgänge 2023 und 2024 statt.

Berufe im öffentlichen Dienst

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Auch Pforzheim braucht mehr Personal, um die vielen Pensionierungen in den kommenden Jahren auszugleichen, sagt der Leiter der Berufsfeuerwehr, Sebastian Fischer. Man bilde nun wieder selber aus. Er verweist darauf, dass sich die Zahl der Bewerber um ein Drittel reduziert habe. Noch könne man damit die Stellen besetzen, aber dies werde, setze sich die Entwicklung fort, „nicht so bleiben, wenn man die Ämter nicht attraktiver gestaltet“.

Bewerber haben häufig schon Berufserfahrung

Häufig hätten Bewerber bereits Berufserfahrung. „Dies ist immer wieder ein Hinderungsgrund, die Laufbahnausbildung bei der Feuerwehr zu beginnen, da dies für mindestens sieben Monate mit erheblichen Gehaltseinbußen einhergeht“, sagt Anand. Bis vor einigen Jahren hätten neue Kollegen nicht als Anwärter begonnen, sondern seien direkt nach A 7 besoldet worden. Dies habe die Attraktivität der Feuerwehr als Arbeitgeber erhöht.

Das sieht auch Fischer so. Er meint, dass man sich die Ausbildung zum Feuerwehrmann geradezu „leisten können muss“. Idealerweise bewerben sich bei der Feuerwehr Menschen, die bereits eine handwerkliche oder technische Berufsausbildung und Erfahrung haben, sagt er. Doch wenn diese bereits Familie haben und ein Einkommen, dann überlege man sich gut, ob man als Anwärter weniger Geld in Kauf nimmt. Für die Laufbahn im gehobenen und höheren Dienst dauere dies immerhin zwei Jahre.

Jennifer Reich

Redakteurin Politik und Verwaltung

0711 66601-183

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