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Umfrage

Bildungsgewerkschaft: Kinder können sich nicht einfügen

Genügt es, wenn die Kinder richtig Deutsch können? Nein, sagt der Verband Bildung und Erziehung und verweist auf eine Umfrage unter Kita-Leitungen: Demnach hängt die Schulreife weniger von den Sprachkenntnissen ab als von ihren sozial-emotionalen Kompetenzen.
Zwei Kinder mit erhobenen Händen in einem Klassenzimmer.

Damit sich Kinder in der Schule zurechtfinden, müssen sie schon im Kindergartenalter sozial-emotionale Kompetenzen erwerben.

Matthias Balk)

Stuttgart. Warum schaffen immer weniger Kinder den reibungslosen Übergang von der Kita zur Grundschule? Und was können beide Einrichtungen dabei besser machen? Diesen Fragen ist der Verband Bildung und Erziehung (VBE) auf den Grund gegangen. Über 1000 Kita-Leiterinnen und Leiter haben an einer Befragung der VBE teilgenommen. Landeschef Gerhard Brand hat die Ergebnisse der Studie am Montag in Stuttgart vorgestellt.

Das überraschende Fazit: Nicht die mangelhaften Deutschkenntnisse vieler Kinder sind das Hauptproblem, sondern die weitverbreiteten sozial-emotionalen Defizite. Auf die Frage, welchen Förder- und Bildungsbereich sie im letzten Kita-Jahr als besonders wichtig erachten, nennt nahezu die Hälfte der Kita-Leiter (47 Prozent) sozial-emotionale Kompetenzen wie Kooperationsfähigkeit, Selbstregulation und Empathie. Erst an zweiter Stelle (31 Prozent) werden sprachliche Kompetenzen wie Wortschatz, Erzählfähigkeit und Sprachverständnis genannt.

Eltern sollen ihren Kindern Gute-Nacht-Geschichten vorlesen

Doch wie lässt sich dieses Defizit beheben? Einerseits formuliert Brand Forderungen an die Politik. Andererseits wendet er sich an die Eltern. Nach Ansicht des ehemaligen Schulrektors können die Bildungseinrichtungen nicht alle Probleme lösen. Brand rät den Eltern, ihren Kindern Gute-Nacht-Geschichten vorzulesen, mit ihnen Mensch-Ärger-dich-nicht zu spielen, die motorischen Fähigkeiten zu verbessern und zu Elternabenden zu gehen. Sprich, die Eltern sollen auch Anstöße liefern, die die Kinder früher bekamen, wenn sie auf der Straße spielten – was aber nicht mehr der Fall sei: Heute spielen sie mit dem Handy.

Seine Forderungen an die Politik lauten, dass verlässliche Zeitfenster für Absprachen zwischen Kita und Schule eingerichtet werden, dass die Eltern eingebunden werden, dass die Kita-Leitungen gestärkt und personell unterstützt werden und dass ein verbindliches, gebührenfreies Kita-Jahr eingeführt wird.

Zweitägiger Kita-Kongress in Fellbach

Brand äußerte sein Bedauern, dass die Politik zwei Projekte, die einen reibungslosen Übergang von der Kita zur Grundschule erleichtern, nicht mehr im Fokus habe – das Projekt „schulreifes Kind“ und die Bildungshäuser. Das Projekt “ SprachFit “ allein werde nicht reichen, zumal es eben nicht nur auf den Spracherwerb ankomme.

Anlass der Befragung ist ein zweitägiger Kita-Kongress an diesem Montag und Dienstag in Fellbach mit 400 Teilnehmern. Beim Deutschen Kitaleitungskongress geht es um Erfahrungsaustausch unter Kita-Leitungen. Veranstalter sind der VBE und der Hamburger Messe- und Event-Veranstalter Fleet Education.

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