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"Rehbraune Augen"

CDU-Spitzenkandidat Hagel wegen Spruch über Schülerin in der Kritik

Auf den letzten Metern vor der Landtagswahl postet eine Grünen-Politikerin ein altes Video über den CDU-Frontmann. Da geht es um einen Schulbesuch und eine Schülerin. "War Mist", sagt Hagel nun.
Ein Mann am Rednerpult mit CDU-Logo, hellblauer Hintergrund.

"Der Einstieg für dieses Interview 2018 war Mist", sagt. Hagel nun.

dpa/Eibner-Pressefoto/Jürgen Biniasch)

Stuttgart. Wenige Tage vor der Landtagswahl steht der CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel wegen eines alten Videos in der Kritik. Die Grünen-Politikerin und Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer aus Karlsruhe postete auf X ein Video, in dem der Ausschnitt eines Interviews mit Hagels zu sehen ist. Das Gespräch war bereits im Frühjahr 2018 auf Youtube veröffentlicht worden. Zunächst hatten mehrere Medien berichtet.

Der Clip zeigt Hagel bei einem Stammtischgespräch in einer Ulmer Gaststätte. Er war damals 29 Jahre alt, Landtagsabgeordneter und Generalsekretär der CDU. Hagel berichtet in der Szene von einem Besuch an einer Realschule in seinem Wahlkreis. In der Klasse hätten damals 80 Prozent Mädchen gesessen, berichtete Hagel. „Also da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen.“ Dann geht er noch auf eine Schülerin näher ein, die die erste Frage gestellt habe: „Ich werd’s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.“ 

Eigentlich möchte Hagel in dem Interview mit dem Beispiel ausdrücken, dass Sprache in der Politik wichtig ist und die Menschen erreichen muss. 

Kritik an Hagel

Die Grünen-Politikerin Mayer postete den Clip und kritisierte: „Was meint ein erwachsener Mann damit, dass es ein besonders schöner Termin ist, wenn er in einem Klassenzimmer mit maximal 16-Jährigen sitzt?“ Mayer fragt auch, warum es um das Aussehen eines minderjährigen Mädchens gehen müsse, wenn doch ihre Frage im Mittelpunkt stehe, und was das für ein Signal an Mädchen und junge Frauen sende, die sich in der Politik engagieren wollten.

„Der Einstieg für dieses Interview 2018 war Mist“, sagte Hagel nun unter anderem der Deutschen Presse-Agentur. „Meine Frau hat mir damals direkt den Kopf gewaschen. Frau Dr. Mayer kommt damit jetzt 12 Tage vor der Landtagswahl acht Jahre zu spät.“

AfD-Kandidat Frohnmaier wirft das Thema in TV-Debatte auf

Am Dienstagabend wurde das Thema noch einmal im SWR Fernsehen aufgegriffen – in der Live-Sendung „Die Debatte – wer überzeugt Baden-Württemberg?“. Als gegen Ende die drei Spitzenkandidaten eine Frage an einen Konkurrenten ihrer Wahl stellen konnten, wollte AfD-Mann Markus Frohnmaier von Özdemir wissen, ob er sich vor diesem Hintergrund weiter eine Zusammenarbeit mit der CDU vorstellen könne.

Der Grünen-Spitzenkandidat antwortete: „Ich bin mir sicher, Herr Hagel würde das heute nicht mehr so formulieren. Im Übrigen sind wir uns glaube ich einig, dass man Frauen so beurteilen sollte, wie man Männer beurteilt: nach ihrer Leistung, nach nichts anderem. So wollen wir Männer auch beurteilt werden.“

Dann räumte er noch Hagel die Chance ein, sich selbst zu äußern. Der wiederholte dabei im Grunde seine vorherige Äußerung und schilderte die damalige Situation. Die Schülerin habe kritisiert, Politiker sagten immer das Gleiche. Er habe darüber am Ende der Veranstaltung noch mit ihr gesprochen.

Özdemir sagte, die Parteien sollten im Wahlkampf anständig und fair miteinander umgehen. Auf die Bemerkung Frohnmaiers, seine Partei habe den Clip veröffentlicht, entgegnete der Grünen-Politiker: „Meine Partei hat nichts veröffentlicht, sondern eine Abgeordnete hat was veröffentlicht, was im Netz frei zugänglich ist.“ Hagel habe gesagt, dass er das so heute nicht mehr sagen würde. „Und das gilt für mich.“

Grünen-Politikerin mit Reaktion Hagels nur teilweise zufrieden

Zoe Mayer zeigte sich mit der Reaktion Hagels nur teilweise zufrieden. „Es ist gut, dass Herr Hagel bereits zum Zeitpunkt der Ausstrahlung in seinem persönlichen Umfeld auf die Problematik der Aussage hingewiesen wurde“, sagte Mayer zu Hagels Stellungnahme. „Gleichzeitig würde ich mir wünschen, dass wir gesellschaftlich an den Punkt kommen, an dem Männer für solche Einsichten nicht die Unterstützung von Frauen benötigen.“ 

Mayer: Özdemir war nicht informiert

Mayer betonte, dass sie erst vor wenigen Tagen auf den Ausschnitt aufmerksam geworden sei. Ihr sei das Video zugesendet worden, nachdem sie auf Social Media über „eigene Erfahrungen mit Sexualisierung als junges Mädchen im politischen Umfeld“ gesprochen habe. Die Bundestagsabgeordnete sagte auch, dass das Posten des Videos nicht abgesprochen gewesen sei mit anderen Grünen-Politikern. Und stellte auf Nachfrage klar: „Cem Özdemir war über das Video nicht informiert.“

Kritik von Grünen-Bundesparteichef Felix Banaszak

Grünen-Bundesparteichef Felix Banaszak äußerte sich da deutlich kritischer. „Das Video spricht für sich“, sagte er in der RTL/ntv-Sendung „Frühstart“. Das sei eine politische Kultur, die es vielleicht auch woanders gebe, aber „die wir wirklich hinter uns lassen müssen“. 

Mayer habe einfach öffentlich gemacht, womit sie als junge Frau regelmäßig konfrontiert sei, sagte der Grünen-Chef. „Und jetzt kann man sagen „Ach komm, so sind sie die Männer!“ – aber ist das unser Anspruch?“. 

Hagel sei damals 29 gewesen, man rede vom Jahr 2018. „Das ist jetzt nicht irgendwie auch in den 90ern, da war die Welt nun mal so.“ Banaszak rechtfertigte, dass Grüne das Video teilten. „Das ist doch eine relevante Information. (dpa)

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