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Verwaltungskultur

Hochschule Kehl will mehr Migranten im öffentlichen Dienst

Unsere Gesellschaft ist vielfältig, und die öffentliche Verwaltung soll diese Vielfalt künftig besser widerspiegeln. Die Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl möchte deshalb ihre Studiengänge gezielt an moderne Anforderungen anpassen, um mehr Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen für den öffentlichen Dienst zu gewinnen.
Frau mit Laptop und Kaffeebecher vor Banner der Hochschule Kehl im Freien.

Um die kulturelle Vielfalt in der öffentlichen Verwaltung zu erhöhen, muss der Blick auf die Karrierewege in den öffentlichen Dienst gerichtet werden.

IMAGO/Depositphotos/Henes | Collage: Herrgoß)

Kehl. Eine vielfältige Verwaltungskultur und mehr Menschen mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst – das ist nicht nur ein gesetzliches Ziel in Baden-Württemberg, sondern auch ein zentrales Anliegen der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl.

Mit ihrer Veranstaltung „Upgrade Vielfalt“ möchte die Hochschule einen Beitrag dazu leisten, die kulturelle Vielfalt in den Verwaltungen zu stärken. Dabei zeigte sie auf, wie eine interkulturelle Öffnung an der eigenen Hochschule konkret umgesetzt werden könnte. Der Fokus liegt insbesondere auf den Karrierewegen in den öffentlichen Dienst – und damit auf den angebotenen Studiengängen: „Es geht darum, die Repräsentationslücke zu verringern“, sagte Beatrice Hurrle. Sie ist Professorin für Psychologie an der Hochschule in Kehl und stellte die Ergebnisse des Projekts „Vielfalt@bw“ vor. Ziel des Projekts war es zunächst, die aktuelle Situation zu erfassen, um darauf aufbauend Lösungsansätze entwickeln zu können. Dafür wurden Befragungen unter Studierenden sowie in Kommunen und Schulen durchgeführt.

Studierende in Kehl haben häufig Bezüge nach Osteuropa

Ursprünglich war man von einem Anteil von rund elf Prozent Studierender mit Migrationshintergrund ausgegangen: „Wir haben gezielt nachgefragt und kommen tatsächlich auf 20 Prozent Studierende mit Bezügen zu über 40 Ländern“, sagte Hurrle. Die Befragungen zeigten zudem, dass Studierende mit Migrationshintergrund ihr Studium häufig anders erleben: Sie berichten häufiger von Diskriminierungserfahrungen, etwa im Einführungspraktikum, und schätzen ihre Fähigkeiten beim Verfassen von Texten oft geringer ein.

Um die interkulturelle Öffnung der Studiengänge besser voranzubringen, hat die Hochschule gemeinsam mit den Kommunen drei Maßnahmen beschlossen. „Davon profitieren nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund, sondern alle Studieninteressierten“, so Hurrle. So sollen im kommenden Jahr Leitfäden für eine vielfaltsbewusste Ansprache und die Auswahl von Beamtenanwärtern entwickelt werden. Zudem plant die Hochschule, die Kriterien zur Studierfähigkeit weiter auszuarbeiten.

Demografischer Wandel sorgt für Dringlichkeit

Sekou Keita vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung sprach bei der Veranstaltung darüber, wie Menschen mit Migrationshintergrund in den Arbeitsmarkt integriert werden. Er beleuchtete dabei vor allem die Schwierigkeiten, denen zugewanderte Menschen beim Zugang zum Arbeitsmarkt gegenüberstehen: „Nachteile bei den Deutschkenntnissen haben Zugewanderte meist, weil das Erlernen der Sprache Zeit braucht“, sagte Keita. Zudem erschweren die mangelnde Anerkennung unterschiedlicher Bildungsabschlüsse, ein fehlendes gesellschaftliches Netzwerk sowie unzureichende Informationen zu Bildungs- und Karrieremöglichkeiten den Zugang zusätzlich. Außerdem unterscheide sich die Qualität der Beschäftigung für Zugewanderte. Sowohl bei den Positionen innerhalb eines Betriebs als auch bei der Bezahlung und den Arbeitsverträgen.

Insgesamt „sorgt der demografische Wandel für eine gewisse Dringlichkeit“, sagt Keita. Politik und Betriebe müssten sich daher an neue Anforderungen anpassen, etwa bei den Sprachanforderungen. Fachkräfte aus dem Ausland seien zwar ausdrücklich gewollt, müssten jedoch häufig zunächst Deutsch lernen, um die geforderten Sprachkenntnisse zu erreichen. Gleichzeitig würden Kapazitäten und Angebote wie Deutschkurse zunehmend abgebaut: „Ich sehe darin einen Widerspruch in der Politik“, so Keita.

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