Hochschule Ludwigsburg: Doppelspitze könnte zu moderneren öffentlichen Verwaltung führen

Nach Ansicht von Roland Ruisz, Initiator eines Projektes der Hochschule Ludwigsburg, gibt es nur wenig bis keine Beispiele von geteilter Führung in der öffentlichen Verwaltung. Dabei hätten Doppelspitzen einen großen Nutzen: Vor allem bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Eine doppelte Führung erfordert, dass beide Spitzenkräfte gleichberechtigt die Organisation in allen Bereichen leiten.

dpa)

LUDWIGSBURG. Eine Studentengruppe der Hochschule Ludwigsburg hat sich in ihrem Projekt „Leadership für erste Offiziere – das Seminar für Stellvertreter“ mit der Aufwertung der Stellvertreterposition in der Verwaltung beschäftigt. Nach Ansicht von Roland Ruisz, Initiator des Projektes, Unternehmensberater und Lehrbeauftragter an der Hochschule Ludwigsburg, gibt es bislang nur wenig bis keine Beispiele von geteilter Führung in der öffentlichen Verwaltung. Wurde das Thema jedoch auf Führungsebene angesprochen, sei nach kurzer Verblüffung der Nutzen allen sofort klar gewesen.

Reine Urlaubsvertretung soll zur Doppelspitze werden

Um etwa im aktuellen Infektionsgeschehen nicht führungslos zu sein, müsse jemand vollständig mit Kompetenzen ausgestattet und im Besitz aller Informationen das Steuer übernehmen können, sagt Ruisz. Auch in der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben werde die Frage der Vertretung eine Rolle spielen. „Die reine Urlaubsvertretung muss zur Doppelspitze werden“, sagt Ruisz. Zwei in allen Bereichen gleichberechtigte Führungskräfte sollten die Organisation leiten und müssten in der Lage sein, sich gegenseitig zu ersetzen. Dafür müsse der Stellvertreter als Co-Führung von allen wahrgenommen und einbezogen werden.

Ruisz erinnert sich an gestresste Führungskräfte, die den Eindruck hatten, Verantwortung alleine stemmen zu müssen. Hier müsse deshalb ein Wandel in der Führungskultur stattfinden. Die Führungskräfte müssten aber auch lernen, Verantwortung zu teilen und andere Meinungen und Lösungsansätze auszuhalten. Außerdem sollten sie sich aktiv trauen, ihre Führungsaufgaben an ihren Stellvertreter zu delegieren und ihn Teamsitzungen und Projekte in eigener Verantwortung leiten lassen. „Dadurch werden die Stellvertreter auch von den Mitarbeitern als Leitung akzeptiert“, sagt Ruisz.

Stellvertreter kann später selbst Führung übernehmen

Neben der Entlastung der Führungskraft birgt die Doppelspitze noch einen Vorteil. Der Stellvertreter werde als Nachwuchsführungskraft ausgebildet und könne später selbst in der Organisation das Ruder übernehmen. Besonders Hochschulabgänger könnten so an ihren Verantwortungsbereich herangeführt werden.

Generell hofft Ruisz, dass durch die Beschäftigung mit der Rolle des Stellvertreters Leadership-Ansätze mehr Einzug in die öffentliche Verwaltung halten, sodass die Arbeitsatmosphäre und das Projektmanagement verbessert werden. Dies würde auch die Attraktivität des öffentlichen Dienstes steigern, meint Ruisz.

Quelle/Autor: Alexandra Dombrowski

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