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Mit einer Drohne den Borkenkäfer frühzeitig erkennen

Forstministerin Marion Gentges lässt sich von Luca Kiener von der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg zeigen, wie vom Borkenkäfer befallene Bäume per Drohne gesucht werden.
Stefanie Schlüter)Seebach. Die Drohne hebt ab. Mit bloßem Auge ist sie bald schon nicht mehr zu sehen. Doch ein Monitor zeigt, was sie sieht: Eine Fichte, deren Krone bereits deutlich geschädigt ist. Hier waren Borkenkäfer aktiv. Die Daten werden gespeichert und können von allen Beteiligten abgerufen werden. Es ist eine zusätzliche Hilfe zu den Kontrollgängen der Forstleute. Denn vom Borkenkäfer befallene Bäume sollten möglichst schnell gefunden und gefällt werden, möglichst bevor die Larven nach sechs Wochen ausschwärmen und weitere Bäume befallen werden.
Wie Drohnen, KI und Satellitendaten den Zustand von Bäumen und Waldgebieten erfassen können, testet die Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg im Projekt „Prima Wald“, einem Verbundprojekt wird mit verschiedenen Partnern, darunter auch der Landesbetrieb Forst BW und die Universität Freiburg, unter dem Dach der Waldstrategie umgesetzt und durch das Ministerium für den ländlichen Raum gefördert. Forstministerin Marion Gentges (CDU) hat die Einweisung für den Drohnenflug bereits erhalten und darf die Drohne unter Anleitung wieder vom gegenüberliegenden Schwarzwaldhang zurücksteuern und landen.
Projekt im hinteren Renchtal
Was hier im Pufferstreifen um den Nationalpark Schwarzwald vorgeführt wird, ist Teil eines Projekts im hinteren Renchtal im mittleren Schwarzwald. Das Gebiet wurde ausgewählt, weil es besonders von Borkenkäferschäden betroffen ist. Zugleich ist es ein Gebiet mit unterschiedlichen Waldbesitzern: große bäuerliche Privatwaldflächen, Kommunalwald und Landeswald – und auch zum Nationalpark ist es nicht weit. Das Ziel: das Borkenkäfermonitoring zu verbessern und befallene Bäume möglichst schnell und effizient zu fällen, abzutransportieren und zu verarbeiten.
Mit der Drohne bietet sich nun die Möglichkeit, den Wald auf der Suche nach von Borkenkäfer befallenen Kiefern, nicht mehr komplett abzulaufen, sondern sich zuvor schon einen Überblick zu verschaffen, erläutert Luca Kiener von der Hochschule Rottenburg. Auf seinem Bildschirm zoomt er an eine trockene Baumkrone heran. Im Endausbau der Forschung, so das Ziel, soll allerdings nicht allein die trockene Krone erkannt werden, die ein Indiz für den Borkenkäferbefall sein kann, aber auch eine Folge von Trockenheit. Ziel ist es, künftig sogar direkt die Schadensursache erfassen zu können, erzählt Luca.
Befallene Bäume möglichst frühzeitig erkennen
Doch auch so kann er den Baum bereits mit einem Laser markieren. Die Drohne gibt ihm die Koordinaten per QR-Code aus. „Das Wiederfinden von verdächtigen Bäumen ist damit deutlich einfacher“, so Kiener. Mit multispektralen Satellitenbildern, dem nächsten Schritt im Projekt, lassen sich Veränderungen an den Bäumen früher erkennen, bevor sie für das menschliche Auge sichtbar werden. Mit KI werden dann Satellitenbilder und tatsächlich befallene Bäume rückwirkend verglichen, nach Mustern gesucht. Das Ziel: Prototypen entwickeln und befallene Bäume möglichst früh erkennen.
Noch ist die Arbeit der Forscher kein Ersatz für das Ablaufen der Bäume im Wald und der Untersuchung einzelner Fichten. Doch es sorgt bereits für mehr Effizienz, weil die Fachleute im Forst gezielter die Bäume ablaufen können und – so die Hoffnung – befallene Bäume früher erkannt werden. Zugleich sollen Best-Practice-Beispiele für die Praxis erstellt werden.
Die Forschung wird immer wichtiger, denn durch den Klimawandel mit steigenden Temperaturen und zunehmenden Trockenperioden wird auch die Vermehrung und Ausbreitung des Borkenkäfers gefördert. Um Schäden in großem Ausmaß zu verhindern, müssen befallene Bäume deshalb schnell gefunden, gefällt und aus dem Wald rausgebracht werden. Wie das im Pufferstreifen des Nationalparks geschieht, haben Nationalparkverwaltung und Forst BW kürzlich vorgestellt.