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Der Landesvater - 15 Jahre Winfried Kretschmann als Ministerpräsident

Strobl und Kretschmann: Eine Männerfreundschaft

Wer hätte gedacht, dass aus Winfried Kretschmann und Thomas Strobl einmal ziemlich beste Freunde werden würden?
Fünf Personen in Anzügen und 3D-Brillen betrachten etwas.

Men in Black? Nein, Drei Minister mit einer 3D-Brille: Manne Lucha, Thomas Strobl und Winfried Kretschmann (von links).

dpa/imagebroker/Arnulf Hettrich)

Es war ein Wendepunkt in der Ära Kretschmann. Nach der Landtagswahl 2016 ging die grün-rote Mehrheit verloren, weil die SPD zehn Prozentpunkte verlor und die AfD mit 15,1 Prozent in den Landtag einzog. Noch vor der Wahl wollte der Spitzenkandidat der CDU, Guido Wolf, eine Zusammenarbeit mit den Grünen ausschließen. Doch Thomas Strobl als Landesparteichef trat vor die Presse und widersprach ihm. Nach der Niederlage tauchte Guido Wolf ab, und Strobl gewöhnte seine Partei an den Gedanken, mit den Grünen eine Koalition einzugehen. „Das hat damals nicht jedem gefallen“, hat Strobl einmal erzählt.

Das ist eine Untertreibung. Als Günther Oettinger 2006 versuchte, ein schwarz-grünes Bündnis zu schmieden, soll der damalige CDU-Fraktionschef Stefan Mappus genervt die Salzkörner auf den Brezeln gezählt haben, bevor er die Gespräche beendete.

Nun saß die gedemütigte und geschwächte Union wieder als Juniorpartner auf der Regierungsbank. Strobl hatte immer Rheinland-Pfalz im Blick, ein CDU-Stammland, das dann 33 Jahre von der SPD regiert wurde. Das wollte er um jeden Preis vermeiden. Strobl führte die Partei in die Regierung, wurde Innenminister – und entwickelte eine besondere Beziehung zu Kretschmann.

„Er ist einer der anständigsten und ehrlichsten Menschen, die ich kenne“, sagte der Heilbronner bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit. Die Absprachen funktionierten verlässlich, Vertrauliches blieb stets vertraulich. Die korrekte, auf eine angenehme Art altmodische joviale Höflichkeit von Strobl korrespondiert mit der schwäbischen Bodenständigkeit des Sigmaringers.

Strobl und Kretschmann sind auf der Regierungsbank im Landtag oft auch mal zu kleinen Scherzen aufgelegt.
dpa/Marijan Murat)

So funktionierte Grün-Schwarz reibungslos zehn Jahre lang. Kretschmann war manchen Parteifreunden fast zu nachgiebig gegenüber der CDU, umgekehrt wurde Strobl als „Grünenversteher“ verspottet.

Doch der Ministerpräsident stand selbst dann zu seinem Innenminister, als dieser in der Polizeiaffäre stark unter Druck geriet. Kretschmann blieb loyal und sicherte ihm so das Amt.

Strobl, der gerne 2021 Spitzenkandidat geworden wäre, aber Susanne Eisenmann den Vortritt lassen musste, erwies sich immer wieder als politischer Überlebenskünstler – und könnte jetzt sogar noch Parlamentspräsident werden, immerhin das zweitwichtigste Amt im Bundesland.

Zwei in einem Boot: Kretschmann und Strobl waren sich loyal und arbeiteten verlässlich zusammen.
dpa/Pressebildagentur Ulmer)

Nur kurz lieferten sich die beiden einen Schlagabtausch, als im Wahlkampf das Eva-Video auftauchte und Strobl eine „Schmutzkampagne“ witterte. Aber beide sind erfahren genug, solche tagesaktuellen Aufgeregtheiten nicht das Fundament überwölben zu lassen.

Wählt man die größere Perspektive, so gelang Kretschmann und Strobl eine lagerübergreifende Koalition – was anderswo oft daran scheiterte, dass man dem jeweils anderen nicht seine Freiräume ließ. Insofern waren sie ein Vorbild für demokratisches Staatsverständnis. Und die Freundschaft bleibt.

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