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Hochschule für Polizei 

Trockentraining: Im Selbststudium Routine für den Einsatz sammeln

Im Trockentraining können Studierende der Hochschule für Polizei ihre Fertigkeiten verbessern, vor allem im Umgang mit Schusswaffen. Das Angebot kommt gut an. Auch Spezialeinheiten nutzen dies.
Zwei Polizisten in Uniform üben mit einem roten Trainingsgewehr in einer Sporthalle.

Einsatztrainer Benjamin Bronner (links) gibt im Trockentraining Student Gabriel Tipps für die richtige Haltung beim Schießen mit der Maschinenpistole, hier eine Übungswaffe.

Jennifer Reich)

Villingen-Schwenningen. Es ist kurz vor 14 Uhr. Die Einsatztrainer haben noch nicht alles aufgebaut, was sie für das Trockentraining brauchen, da kommen auch schon die ersten Studentinnen, die mitmachen wollen. Polizeihauptkommissar Benjamin Bronner bittet sie, sich im System anzumelden. Sie stempeln sich ein, dann gehen die Studentinnen der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen zielstrebig zu den am Rand aufgebauten Tischen in der Sporthalle. Darauf liegen Rotwaffen, also Übungswaffen. Es sind Pistolen vom Typ P2000, daneben liegen Tablets. Die Rotwaffen sind entsprechend präpariert, es wird ohne Munition geschossen. Unten am Lauf ist ein kleiner Sensor.

Benjamin Bronner hat das Trockentraining mitinitiiert

Die Studentinnen nehmen sich je eine Rotwaffe und richten sie auf die Papierzielscheiben an der Hallenwand. Der rechte Finger ist am Abzug. Es klickt. Ein guter Treffer, steht auf dem Tablet. Einsatztrainer Bronner begleitet das Trockentraining, er hat es an der Hochschule mitinitiiert. Die Fachgruppe Einsatztraining ist an der Fakultät 1, Einsatz- und Führungswissenschaften angesiedelt. Was vor sieben Semestern klein angefangen hat, sorgt an diesem Dienstagmittag für eine volle Turnhalle. 127 Teilnehmer sind es insgesamt. In der Woche davor waren es 142. Das Trockentraining nutzen auch Spezialeinheiten. Bronner war selber viele Jahre bei einer und bringt das, was er dort gelernt hat, in die Ausbildung der angehenden Polizisten ein. Mit Herzblut.

Die Studierenden sind alle freiwillig da, sie schätzen das Angebot. Sie wollen vorbereitet sein, für das, was sie ab April im Polizeidienst erwartet. „Mir gibt das Sicherheit für den Einsatz“, sagt etwa der angehende Polizeioberkommissar Gabriel (Nachname wird auf Wunsch des Polizeianwärters nicht genannt). Er hat sich gerade eine Rotwaffe, eine Maschinenpistole MP7, gegriffen und legt sie an. Er will für den Umgang mit der Waffe üben, Routine bekommen. Genau darauf liegt der Fokus des Trockentrainings. Drei Trainer betreuen es an dem Tag, meist sind es vier.

„Auch die Körperhaltung spielt eine wichtige Rolle“

Unterstützt werden die Studierenden auch durch Systeme wie „MantisX“. Es zeichnet Bewegungsdaten während der Schussabgabe auf und wertet sie aus. Auf dem Tablet bekommt man ein Feedback zur Schussabgabe und Tipps, wie man es besser machen kann. Mit dem „SureStrike-System“ wird mittels Lasertechnologie eine realistische Schussabgabe ohne scharfe Munition ermöglicht. Die Waffen sind gelb. An der Station geht es vor allem um Schnelligkeit. Auch Dummypatronen kommen beim Trockentraining zum Einsatz. An den Stationen sind QR-Codes verfügbar, dort hinterlegt sind Videos, in denen etwa die Handhabung der Waffen erklärt wird. „Auch die Körperhaltung spielt eine wichtige Rolle“, sagt Bronner. Er korrigiert die Haltung von Gabriel minimal. „Sehr gut.“ Gabriel zieht den Abzug durch. Klick. Volltreffer.

Im Trockentraining wird auch mit der Ausrüstung geübt. Zwei Studentinnen legen die kugelsichere Schutzausrüstung an. Auch das muss im Einsatz schnell gehen. In Vollmontur schleifen sie eine Puppe, einen verletzten Kollegen, hinter einen Aufsteller, bringen sich und den Kollegen in Sicherheit, legen ihm ein Tourniquet an. Taktische Verwundentenversorgung nennt man das.

„Die Routine ist in unserem Beruf extrem wichtig“, sagt Bronner. Im Einsatz muss es oft schnell gehen. Etwa in einer lebensbedrohlichen Einsatzlage. Die Waffe aus dem Holster nehmen, richtig entsichern, durchladen. Das muss man üben. Die Studierenden saugen das Wissen, das die Trainer ihnen vermitteln, geradezu auf, fragen viel nach. Die Einsatztrainer freuen sich über das Interesse. Denn das Üben schaffe Sicherheit, Selbstvertrauen und ein selbstbewusstes Auftreten. Auch das könne manche Situation deeskalieren. Dazu müssen die Studierenden die rechtlichen Grundlagen kennen. „Nur wer rechtssicher ist, kann auch die Schusswaffe sicher benutzen“, so Bronner.

Mit scharfer Munition könnte man nicht so viel üben

Bronner verweist darauf, dass die Fachgruppe Einsatztraining das Trockentraining stetig weiterentwickelt. Auch Bachelorarbeiten und Studien habe man durchgeführt. Sie bestätigen, dass nur regelmäßiges Üben die Abläufe festigt. Studien zufolge prägen sich Bewegungen nach etwa 1000 Wiederholungen ins Muskelgedächtnis ein. „Für stabile Gewohnheiten braucht es 3000 bis 5000“, sagt Bronner. Nur im Training mit scharfer Munition erreicht man solche Zahlen nicht. Dafür bräuchte es mehr Einsatztrainer und auch Material. Die Schießanlagen müssen betreut und gewartet werden. Es geht also auch darum, aus den verfügbaren Mitteln das Maximum herauszuholen. Das ist offenbar gelungen und dass das Trockentraining Wirkung zeigt, ist an diesem Nachmittag oft zu beobachten.

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