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Schlechte Chancen für Geflüchtete auf dem Ausbildungsmarkt in Süddeutschland

Migranten aus Nicht-EU-Staaten haben es schwer in Deutschland einen Ausbildungsplatz zu bekommen, selbst wenn sie einen höheren Schulabschluss vorweisen können als deutsche Mitbewerber.
IMAGO/Markus Matzel)Mannheim/Bonn. Laut einer Studie des „EPoS Economic Research Centers“, einer gemeinsamen Forschungseinrichtung der Universitäten Bonn und Mannheim, werden Flüchtlinge bei der Vergabe von Lehrstellen systematisch übergangen. Für die Studie hätten Wirtschaftswissenschaftler 797 Unternehmen in Süddeutschland befragt, teilte die Universität Bonn am Montag mit. Die Untersuchung basiere auf Profilen geflüchteter Menschen aus dem Nahen Osten, die von 2015 bis 2016 nach Deutschland kamen und über einen anerkannten Asyl- oder Duldungsstatus verfügen.
Den Wissenschaftlern zufolge haben Geflüchtete gegenüber deutschen Bewerbern mit dem niedrigsten Schulabschluss selbst dann das Nachsehen, wenn sie über einen ausländischen Hochschulabschluss und fortgeschrittene Deutschkenntnisse verfügen. „Was Arbeitgeber allerdings überzeugt, Flüchtlinge als Lehrlinge einzustellen, sind glaubwürdige Nachweise, dass sie verlässlich sind“, sagt Max Müller von der Uni Bonn.
Vorbehalte in Regionen mit Fachkräftemangel besonders hoch
„Solche Nachweise könnten beispielsweise abgeschlossene Praktika oder die regelmäßige Teilnahme an Kursen in Deutschland sein. Außerdem können Bewerber ihre Chancen laut Studie verbessern, indem sie sich Deutschkenntnisse aneignen, die besonders im jeweiligen Beruf benötigt werden.
Die Autoren stellten zudem überraschende regionale Unterschiede fest. Müller : „In Regionen und Branchen mit den größten Besetzungsschwierigkeiten war die Bereitschaft, Geflüchtete einzustellen, am geringsten – die Ursachen hierfür sind noch ungeklärt.“
Berufsvorbereitungsjahr erhöht die Chancen deutlich
Die automatische Verlängerung des Aufenthaltsrechts um weitere zwei Jahre, nachdem die Berufsausbildung absolviert ist, hatte keinen Einfluss auf die Entscheidungen der Arbeitgeber. Allerdings stieg ihre Bereitschaft, Geflüchtete als Auszubildende einzustellen, wenn diese ein Berufsvorbereitungsjahr durchlaufen , das Deutschkurse mit Arbeit im Unternehmen verbindet.
Ebenso waren Betriebe, die bereits Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern beschäftigten, eher zur Einstellung von Geflüchteten bereit als solche, die bislang keine Mitarbeiter aus Drittstaaten beschäftigen. „Auf Grundlage unserer Ergebnisse vermuten wir, dass allein der Arbeitskräftemangel in Deutschland Geflüchteten wahrscheinlich nicht die Türen zum Arbeitsmarkt weit öffnen wird“, resümiert Müller. (epd/sta)
Knapp 800 Betriebe befragt
In Zusammenarbeit mit fünf Industrie- und Handelskammern sowie zwei Handwerkskammern befragten die Wirtschaftswissenschaftler 797 Betriebe in Süddeutschland, die zwischen August und Oktober 2021 Lehrlinge ausgebildet haben. Die Befragten waren Personalverantwortliche, Führungskräfte oder Inhaber und konnten bei ihren Einstellungsentscheidungen zwischen zwei Bewerberprofilen wählen, einem Flüchtling und einem Bewerber, der in Deutschland aufgewachsen ist.