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Mitarbeiterbindung

Studie: Viel zu viele arbeiten im „Energiesparmodus“

Der Anteil der emotional hoch gebundenen Beschäftigten in Deutschland ist mit zehn Prozent (2024: neun Prozent) immer noch schwach ausgeprägt. Und die Zahl derjenigen ohne emotionale Bindung befindet sich laut dem Beratungsunternehmen Gallup mit 13 Prozent unverändert auf einem historischen Tief.

Die meisten Beschäftigten haben eine geringe emotionale Bindung zum Arbeitgeber, wünschen sich aber mehr Stabilität. Das Problem liegt laut Studie eher an Führung als an Unzufriedenheit.

Getty Images Pro via Canva.com)

Berlin. Für die Studienautoren von Gallup, einem weltweit agierenden Beratungsunternehmen, ist das eine gute und eine schlechte Nachricht. „Denn während emotional hoch gebundene Mitarbeitende als tragende Säulen maßgeblich zum Unternehmenserfolg beitragen, verursachte die Gruppe der inneren Kündiger im Jahr 2025 gesamtwirtschaftliche Produktivitätseinbußen zwischen 119,2 und 142,3 Milliarden Euro“, heißt es in der Studie.

Die große Mehrheit hat eine schwache emotionale Bindung

77 Prozent der Beschäftigten in Deutschland hätten eine schwache emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber. „Hochgebunden“ und damit bereit, täglich einen Schritt mehr zu gehen, seien nur zehn Prozent. Damit wird der schlechte Wert aus dem Jahr 2024 um jeweils einen Prozentpunkt überboten.

Trotz der geringen Bindung gebe es den Wunsch nach Stabilität. Beschäftigte wollten wieder länger bei ihrem Unternehmen bleiben. Nachdem im vergangenen Jahr nur die Hälfte auch ein Jahr später noch bei ihrem Arbeitgeber tätig sein wollte, ist dieser Anteil auf 56 Prozent gestiegen.

Die fehlende oder geringe emotionale Bindung ist dabei nicht maßgeblich auf Unzufriedenheit mit dem Arbeitgeber zurückzuführen, schreiben die Autoren. Rund ein Viertel der Beschäftigten ist mit ihm sogar „äußerst zufrieden“. „Geringe emotionale Bindung ist kein Einstellungs-, sondern ein Führungsproblem“, meint Studienleiter Marco Nink.

Der Engagement-Index von Gallup untersucht seit 2001 die Motivation und emotionalen Bindung der Beschäftigten zu ihren Unternehmen und Arbeitgebern. Für die jüngste Untersuchung wurden zwischen dem 18. November und 20. Dezember 1700 Beschäftigte ab 18 Jahren telefonisch interviewt. Der Gallup-Engagement-Index gehört zu den wichtigsten Indikatoren für die Führungskultur und das Arbeitsumfeld in Deutschland.

Emotionale Bindung ist gerade in schwierigen Zeiten ein starker Treiber für Leistung. Unternehmen mit emotional hoch gebundenen Teams haben immer – und besonders in einer Rezession – einen klaren Vorteil. Doch dieses Potenzial bleibt vielerorts ungenutzt: Trotz eines insgesamt positiven Urteils über die Beschäftigungsbedingungen arbeiten laut Gallup zu viele Beschäftigte in Deutschland im „Energiesparmodus“.

Das ist weniger ein Einstellungs- als vielmehr ein Führungsproblem. Wer sich von seiner Führungskraft nicht gesehen, eingebunden, gefördert und inspiriert fühlt, erfüllt seine Aufgaben – aber mehr halt auch nicht.

„Hier liegt erhebliches Potenzial brach. Emotionale Mitarbeiterbindung ist kein ‚Nice-to-have‘, sondern ein harter Wettbewerbsfaktor. Sie erhöht die Produktivität und senkt Kosten, indem sie Fehlzeiten und Fluktuation reduziert“, heißt es weiter.

Gleichzeitig wirkt sie sich positiv auf Qualität und Kundenzufriedenheit aus – „und gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten können es sich Unternehmen nicht leisten, diesen wirkungsvollen Hebel zu ignorieren“, sagt Nink.

„Emotionale Bindung entsteht nicht durch Appelle, sondern durch gelebte Führungskultur. Dabei geht es nicht um das bloße Vermeiden von Demotivation: Gute Führung orientiert sich an den emotionalen Bedürfnissen der Mitarbeitenden“, so Nink. Wer sich also von seiner Führungskraft nicht eingebunden, gefördert und inspiriert fühlt, erfüllt seine Aufgaben, mehr nicht.

Hohe Bindung sorgt für weniger Krankenstand

Von hoher Bindung profitieren Unternehmen und Beschäftigte auch in anderer Hinsicht, denn eine hohe emotionale Bindung wirkt sich positiv auf krankheitsbedingte Fehlzeiten aus. Beschäftigte, die sich emotional bereits von ihrem Arbeitgeber verabschiedet haben, waren 2025 im Schnitt 9,7 Tage krank. Bei emotional hoch gebundenen Mitarbeitenden fiel die Fehlzeit mit 5,7 Tagen deutlich niedriger aus.

Und es gibt auch eine steigende Sorge vor KI: Zu den aktuellen Themen, die den Arbeitsalltag prägen, gehören auch künstliche Intelligenz und die Frage nach der eigenen Zukunft im Unternehmen. Die Hälfte der Beschäftigten hält es für „überhaupt nicht wahrscheinlich“, dass künstliche Intelligenz innerhalb von fünf Jahren ihren Job gefährdet; 2018 waren es noch 72 Prozent.

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