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Tübingen setzt bei Nilgänsen zunächst auf Vergrämung statt Abschuss

Nilgänse stehen am Mainufer. Die Tiere gelten vielen Menschen als Plage, andere wiederum setzen sich für ihren Schutz ein.
Lennart Stock)Tübingen. Boris Palmer hat kürzlich den Abschuss der invasiven Art vorgeschlagen. „Diese Nilgänse sind für heimische Enten letal und stören das Ökosystem massiv. Da ist kein Platz für Sentimentalität“, schrieb er auf Facebook.
Nun hat die Stadt Tübingen ein abgestuftes Konzept vorgelegt, das zunächst aber auf mildere Mittel setzt. Ziel ist es, Konflikte mit Erholungssuchenden zu reduzieren und heimische Wasservogelarten zu schützen. Ein Abschuss der Tiere ist nach Angaben der Stadt derzeit nicht geplant. Dieser könne „nur das letzte Mittel sein“, sagt Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos). Die Verwaltung reagiert damit auf die zunehmende Zahl von Nilgänsen im Bereich des Anlagenparks und der Neckarinsel.
Denkbar ist ein Austausch der Eier gegen Betoneier
Die Stadt Tübingen will zunächst die örtlichen Jagdpächter über die neue Rechtslage informieren, damit diese zur Reduktion der Population beitragen können. Zusätzlich plant die Verwaltung, während der nächsten Brutsaison Gelege gezielt zu manipulieren. Denkbar ist dabei ein Austausch der Eier gegen Betoneier. Nach Angaben der Stadt habe sich ein solches Vorgehen bereits im Taubenkonzept bewährt. Ob dies auch bei Nilgänsen praktikabel sei, müsse jedoch erst erprobt werden.
Ergänzend prüft die Stadt den Einsatz eines Falkners zur Vergrämung der Tiere in besonders betroffenen Bereichen. Erst wenn diese Maßnahmen keinen ausreichenden Erfolg zeigen, soll eine organisierte Bejagung der Nilgänse beantragt werden. Dafür wäre eine Zustimmung des Landkreises erforderlich.
Hintergrund ist eine Änderung der Landesregelungen: Seit der Novelle der Durchführungsverordnung zum Landesjagd- und Wildtiermanagementgesetz Anfang 2026 können Nilgänse in Baden-Württemberg ganzjährig bejagt werden. Ausgenommen bleiben Elterntiere mit Küken.
Auch andere Städte sind betroffen
Seit den 1990er-Jahren hat sich die ursprünglich aus Afrika stammende Art zunehmend in städtischen Gewässern ausgebreitet. Laut dem Wildtierbericht hat sich die Zahl der Brutmeldungen zwischen 2009 und 2019 versechsfacht. Die Nähe zu Plätzen und Wiesen suchen die Tiere auch deshalb, weil es dort ein nahezu unerschöpfliches Futterangebot gibt.
In Stuttgart fühlen sich die Tiere am Eckensee besonders wohl. Erst in der vergangenen Woche waren Mitarbeitende der Wilhelma mit schwerem Gerät angerückt, um den Gänsekot aus dem See an der Oper zu fischen. Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) sprach in der Stuttgarter Zeitung von einer Invasion. Die Tiere führten zu starken Verunreinigungen und zu großen Schäden. „Wir müssen alles im Rahmen unserer Möglichkeiten unternehmen, um die Nilgans-Population zurückzudrängen.“