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Kolumne

Weniger Weltmacht, mehr Mittagsschlaf

Portugal war einst Weltmacht. Von Lissabon aus wurde die Welt vermessen, ausgebeutet und missioniert. Die Meere waren portugiesisch und der Pfeffer teuer. Und heute? Eine Kolumne von Christoph Sonntag.
Stadtansicht am Wasser mit Segelboot, Porträt eines Mannes im Kreis eingeblendet.
Wallace Damião/Pixabay // imago /STAR-MEDIA // Montage: ant)

Heute ist Portugal weltberühmt für Fado – jene Musik, die so klingt, als hätte die Geschichte beschlossen, sich hinzusetzen und leise zu seufzen.

Ähnlich die Niederlande: Im 17. Jahrhundert ein globales Handelsgehirn mit Segeln. Amsterdam war Wall Street, Silicon Valley und Hafen zugleich. Heute herrschen die Holländer über Tulpen, Käse, Coffeeshops. Und nun steht Europa insgesamt an einem Wendepunkt.

Trump will Amerikas Einfluss vergrößern à la Putin und Xi Jinping. Amerika zieht sich zurück, schaut nur auf sich selbst, droht Grönland mit (militärischer) Übernahme und lässt den alten Kontinent allein am Katzentisch der Weltpolitik sitzen. Ist das unser Niedergang?

Vielleicht blüht Europa ja das portugiesisch-niederländische Schicksal: weniger Weltmacht, mehr Mittagsschlaf. Dann kann Frankreich wieder über Käse, Wein und den richtigen Streikrhythmus debattieren. In England pflegt man verstärkt das Recht, sich über alles zu beschweren. Italien perfektioniert das Prinzip, dass selbst Chaos gut aussieht, wenn man es mit Stil trägt. Und in Deutschland lebt man zuverlässig, sicher und ein wenig grüblerisch, aber mit funktionierenden Heizungen.

Vielleicht ist das der eigentliche Fortschritt: Nicht mehr die Welt beherrschen zu wollen, sondern den Alltag. Portugal und die Niederlande haben es vorgemacht. Sie haben die Welt verloren – und das Leben gewonnen. Vielleicht tut ja Europa ein bisschen weniger Bedeutung gut … solange halt der Russe nicht einmarschiert …

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