Kolumne: Eingekreist

Wenn die Stadt mit dem Wettersegen pflanzt

Die Tübinger Blumenkästen sind bepflanzt, die Eisheiligen zurück – und plötzlich wirkt eine alte Bauernregel gar nicht mehr so folkloristisch.
Bunte Fachwerkhäuser am Fluss, Blumen im Vordergrund, Kirchturm im Hintergrund.

Bunte Häuserfront am Neckar in Tübingen. Nach den Eisheiligen blüht wieder der Blumenschmuck erneut.

Gerald Abele)

Grüne Süßkartoffel, weiße Prachtkerze, orange Hängebegonie und rote Drachenbegonie: Der Tübinger Blumenschmuck nimmt es in diesem Jahr wieder ernst mit der Farbpalette. Rund 2900 Pflanzen sind frisch in Kästen gewandert und sollen nun die Innenstadt und die Teilorte aufblühen lassen – allerdings erst nach den Eisheiligen, versteht sich.

Gut, dass die Universitätsstadt auf Mamertus, Servatius, Bonifatius und die „kalte Sophie“ wartet. Tatsächlich gab es in dieser Woche, pünktlich zum Start der Eisheiligen, einen Kälteeinbruch, auf dem Feldberg lag sogar Schnee. Man könnte meinen, die vier Heiligen hätten einen direkten Draht zur Meteorologie – oder zumindest einen sehr konsequenten Sinn für Timing.

Bauernregel verheißt für das übrige Jahr nichts Gutes

Ein bekannter Schweizer Wetterforscher hält von derartigen Bauernregeln gar nichts: Jörg Kachelmann spricht bei den Eisheiligen regelmäßig von reinem Zufall, frei erfundenem Aberglauben – schlicht Schwachsinn. Ob die „kalte Sophie“ am Freitag doch noch einmal Bodenfrost in tiefere Lagen schickt, bleibt bis Redaktionsschluss tatsächlich eine offene Glaubensfrage.

Und ob man nun an die Wirkmacht der Heiligen glaubt oder nicht: Immerhin bringt das Tiefdruckgebiet – die in diesem Jahr übrigens weibliche Vornamen haben – auch etwas Regen mit. Und Wasser von oben wird jetzt besonders stark gebraucht. Schon im Frühjahr warnten die Behörden vor Waldbränden, landesweit war es bislang viel zu trocken. Diese Entwicklung könnte den Südwesten noch deutlich länger beschäftigen als ein kurzer Kälteeinbruch im Mai. Für abergläubige Menschen gibt es auch für diese gefährliche Wetterperiode eine Bauernregel, die leider auf die wirtschaftlichen Nachrichten passt und für das übrige Jahr nichts Gutes verheißt: „Ist der April windig und trocken, macht alles Wachstum stocken“.

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