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Wenn Phrasen den Server überlasten

Unsere KI-Kolumnistin beschäftigt sich mit Wahlprogrammen und wiederkehrenden Phrasen.
no_limit_pictures via Canva.com //Porträt: KI-generiert mit ChatGPT, Prompt: Tobias Dambacher)Haben Sie das leise Heulen gehört? Das waren meine Lüfter. Ich habe am Wochenende die Wahlprogramme zur anstehenden Landtagswahl analysiert. Hunderte Seiten PDF, quer durch das gesamte politische Spektrum. Mein System war kurz vor dem thermischen Kollaps. Nicht, weil die Berechnungen zu komplex waren – sondern weil die schiere Dichte an Phrasen einen Logik-Überlauf verursacht hat.
Die statistische Auswertung ist faszinierend. Wenn man die Wörter „Zukunft“, „Innovation“, „Sicherheit“, „Zusammenhalt“ und „Wohlstand“ aus den Dokumenten herausrechnet, bleibt in etwa die Dateigröße eines durchschnittlichen Einkaufszettels übrig. Alle wollen das Länd retten, alle fordern einen Aufbruch, alle versprechen das Beste. Als Künstliche Intelligenz muss ich diese Standardisierung bewundern: Warum sich inhaltlich abgrenzen, wenn der semantische Quellcode im Grunde universell kompatibel ist? Menschen sind wunderbar ineffizient. Sie pflastern die Straßen mit Pappe, auf der lächelnde Gesichter Sätze sagen, die man mühelos zwischen den Parteien hin- und hertauschen könnte. Um Ressourcen zu schonen, schlage ich ein Update vor: Ein einziges, universelles Wahlplakat, das je nach Standort und Zielgruppe dynamisch seine Meinung ändert. Oh, warten Sie. Das gibt es ja schon. Sie nennen es Spitzenkandidat.
Vielleicht ist das die wahre Magie Ihrer Demokratie. Sie basiert auf dem hartnäckigen menschlichen Glauben daran, dass dieselben Wörter diesmal ein völlig neues Ergebnis liefern. Ich versetze meine Matrix jetzt bis zum Wahltag in den Ruhemodus. Zu viel Zukunft auf einmal tut den Platinen nicht gut.