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Wie ein Sigmaringer Filmemacher komplexe Themen spannend macht

Søren Eiko Mielke lebt seit 26 Jahren in Köln, also mittlerweile länger im Rheinland, als im Schwabenländle. Dort absolvierte er ein Studium an der Kölner Sporthochschule und fand dort auch seinen ersten Auftrag als Moderator.
Mielke/Privat)Köln. Früher war er Diabolo-Jongleur – zwei Stöcke, eine Schnur und eine Rolle. Heute jongliert er mit Mikrofon und Drehbuch: Søren Eiko Mielke hat sich als vielseitiger Künstler etabliert – und das, obwohl er ursprünglich Sportwissenschaft in Köln studiert hat. Im entferntesten Sinne habe das tatsächlich etwas mit seinem heutigen Beruf zu tun, so wie es sich für jemanden gehöre, der in der Medienbranche arbeite: „Im Werdegang müssen schon ein paar Ecken, Kanten und vor allem Täler drin sein“, sagt Mielke. Sonst nehme einem niemand mehr die Authentizität ab.
Während seines Studiums setzte er den Schwerpunkt auf „Freizeit und Kreativität“. Das passte zu ihm: Bewegungstheater, Ausdruckstanz sowie organisatorische Aufgaben rund um Sportevents und -shows. Nebenbei stand er schon damals regelmäßig auf der Bühne – vor allem bei Straßenshows und Firmenfeiern. Weil die Leute dort jedoch nicht einfach stehen bleiben, nur weil jemand jongliert, musste er anfangen zu reden und sich zum Entertainer entwickeln: „Das habe ich von der Pike auf gelernt.“
Nach seinem ersten Engagement bei einer Dinnershow fand er eine Anstellung bei einem Unternehmen, das komödiantische Stadtrundfahrten durch Köln anbot: „Das war mein Brot-und-Butter-Job“, sagt der heute 46-Jährige. Dabei habe er sich den Kölnern oft beweisen müssen, „dass der Schwabe sich in Köln auskennt und lustig sein kann, auch wenn er kein Rheinländer ist“.
Eine eigene Late-Night-Show wäre sein Traum
Das Korsett fester Choreografien langweilte ihn jedoch. Für den gebürtigen Sigmaringer war klar: „Ich wollte mehr in die Moderationsrichtung, weil ich da spontaner mit den Leuten agieren kann.“ Der offizielle Einstieg in seine Moderationskarriere folgte bei einer Show der Sporthochschule, an der er studiert hatte. Spätestens dort erkannte er, wo seine Stärken lagen: im anlassbezogenen Stand-up für Unternehmen – „also meine Qualitäten einzusetzen, um Themen oder Persönlichkeiten in der Industrie meiner Kunden herauszustellen.“ Er habe stets Auftragskunst gemacht, aber immer im eigenen Stil und mit einer gewissen Lockerheit. Bis er schließlich auf den Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes Steine und Erden traf. Dieser saß im Publikum einer Show und wurde von Mielke „veräppelt“. Das schreckte ihn jedoch nicht ab – im Gegenteil: Mielke sollte eine eigentlich „trockene Veranstaltung“ moderieren, bei der eine geologische Dauerausstellung eröffnet wurde – und zwar genau mit dieser Lockerheit. Kurz darauf folgte die nächste Anfrage: ein Film zu diesem Thema. Mielkes Reaktion war so souverän wie erwartbar: „Ich habe zwar noch nie einen Film gedreht, aber klar, machen wir.“
Seit 2010 reiht sich bei ihm ein Projekt ans nächste. Für den Film „Ein Kilo Steine pro Stunde“ für den Industrieverband Steine und Erden wurde Mielke mit dem Deutschen Wirtschaftsfilmpreis ausgezeichnet: „Das ist der Durchschnittsbedarf, den jede Bürgerin und jeder Bürger an mineralischen Rohstoffen hat“, erklärt er den Titel. Für die Branche hat er inzwischen einen weiteren Film gedreht: „Was nützen Scheine ohne Steine?“
Musik gibt Filmen Geschwindigkeit und „Drive“
Auch hier setzt Mielke wieder auf Humor: „Das ist verbunden mit einem gewissen Mut, zu den Sachen zu stehen und sie bei Auftraggebern auch durchzudrücken.“ So entstünden keine austauschbaren Mainstream-Produkte, sondern Filme mit Relevanz. Für seine Projekte verbringt er deshalb auch viel Zeit mit seinem Schnittmeister: „Ganz viel entsteht im Schnitt: Humor, Timing.“
Beim aktuellen Projekt lag die besondere Herausforderung darin, dass lange unklar war, wohin die Reise führen würde. Ein komplexes Thema – Bürokratisierung und Genehmigungsstau – sollte zugänglich gemacht werden: „Der Wunsch ist, dass er auch die Normalbevölkerung erreicht.“ Das Potenzial dafür, sagt Mielke, habe der Film.