Auftragsbücher der grünen Branche sind gut gefüllt

Martin Joos, der Vorstandsvorsitzende des Verbands hat für seinen Betrieb einen Nachfolger gefunden. "Aber leider Gottes geht es nicht immer so", sagt er.
VGL-BW)Stuttgart . Die grüne Branche im Südwesten ist mit der Geschäftsentwicklung zufrieden. „Wenn man auf die Umsatzzahlen der Betriebe schaut, sieht es sehr gut aus. Und auch die Auftragsbücher sind gut gefüllt“, sagte Marco Riley, der neue Geschäftsführer des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg. Die knapp über 800 Betriebe haben rund 1,84 Milliarden Euro Umsatz erzielt, ein Plus um rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Öffentliche Auftraggeber sind aktuell zurückhaltend
Die Auftraggeberstruktur entwickelt sich hin zu mehr privaten Auftraggebern, erklärte Riley. Bei der öffentlichen Hand spüre man aufgrund der schwierigen Finanzlage in Städten und Gemeinden eine Zurückhaltung. Noch stärker sei es beim gewerblichen Wohnungsbau, wo die Auftragslage derzeit rückläufig sei.
Angesichts des Klimawandels gehe es nicht um Wohlfühlprojekte, sondern um eine grüne Stadtentwicklung und im besten Fall um eine grün-blaue Infrastruktur für unsere Zukunft, vor allem in urbanen Wohnquartieren, sagte Martin Joos, der Vorstandsvorsitzende des Verbands. „Wir sind sehr gespannt, welche Weichen die nun anstehenden Koalitionsverhandlungen diesbezüglich stellen werden und ob das Bauen mit Grün und Blau endlich zum Leitgedanken für Vergaberecht, Förderprogramme und Bebauungspläne wird.“
Joos wies auf die schwierige Situation bei der Betriebsnachfolge hin: „Im letzten Jahr haben 25 unserer Betriebe keinen Nachfolger gefunden und ihre Tore schließen müssen.“ Er zähle auch zu diesem Babyboomer-Problem, sagte Joos. Er habe gerade einen vierjährigen Übergabeprozess beendet. „Ein ehemaliger Azubi hat meinen Betrieb übernommen. Aber leider Gottes geht es nicht immer so.“ Um die Unternehmen zu unterstützen, bietet der Verband sogenannte Quick-Checks an. „Unternehmensberater prüfen dabei, wie man sein Unternehmen weitergeben kann“, erklärte Joos.
Verband setzt auf Ausbildung zum Unternehmer
Zudem haben die Garten- und Landschaftsbauer seit 2023 zusammen mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach und der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Heidelberg den dualen Studiengang ‚BWL-Handel – Management im Garten- und Landschaftsbau‘ ins Leben gerufen. „Dort werden jungen Menschen gezielt so ausgebildet, dass sie später Betriebe als Nachfolger übernehmen können“, sagte Joos.
Eine Belastung für die Branche sind die hohen Mautkosten. „Vor Kurzem hat das Verwaltungsgericht in Berlin dem Bundesverband GaLaBau in einem Musterverfahren recht gegeben“, erklärte Riley. Danach sind GaLaBau-Betriebe – ebenso wie Handwerksbetriebe – im Werkverkehr von der Lkw-Maut auf leichte Nutzfahrzeuge auszunehmen. Der Beschluss sei Riley zufolge zwar noch nicht rechtskräftig, dennoch sei das Verwaltungsgericht der Argumentation der Branche in vollem Umfang gefolgt. „Jetzt ist das Bundesverkehrsministerium gefordert, für eine faire Gleichbehandlung zu sorgen.“