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Serie Bau-Start-ups

Betonrecycling wird zum Kohlendioxid-Speicher

Ein junges Unternehmen aus Karlsruhe will das Recycling von Beton auf eine neue Stufe heben. Die Gründer haben ein Verfahren entwickelt, mit dem Betonbrechsand unter Zusatz von Kohlendioxid zu hochwertigen Rohstoffen umgewandelt wird. 2028 will Rement die erste Anlage im industriellen Maßstab in Betrieb nehmen.
Vier Personen in Warnwesten, Händedruck vor technischer Anlage.

Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) ließ sich von den Rement-Gründern Robert Schleinhege, Felix Baur und Achim Stammer (von links) die Pilotanlage zur Betonsandaufbereitung bei einem Besuch in Brandenburg erklären.

Ruben Hensel/Rement)

Karlsruhe. Die Grundidee für die neuartige Aufbereitung von Betonabbruch hatte Felix Baur schon während seines Bachelorstudiums am KIT in Karlsruhe mitten in der Corona-Zeit. Es sollte darum gehen, den Baustoff, dessen Herstellung sehr viel CO₂ freisetzt, zu möglichst hochwertigen neuen Baumaterialien zu recyceln. Mit dem Verfahren gewannen er und seine Mitstreiter beim größten studentischen Gründerwettbewerb den ersten Preis.

Und Baur gewann seinen heutigen Mitstreiter bei Rement, Robert Schleinhege. Der Wirtschaftsingenieur, der zu dieser Zeit beim Internet- und Cloudprovider Ionos im Start-up-Bereich arbeitete, saß im Publikum und war von der Idee begeistert, wie er erzählt. Ein halbes Jahr später hängte er seinen festen Job an den Nagel und stieg bei Baurs Rement ein.

Prozess erzeugt reinen Sand und andere Baustoffprodukte

Und Schleinhege brachte auch den Dritten des heutigen Gründer- und Führungstrios zu dem Karlsruher Start-up: Achim Stammer. Der promovierte Chemieingenieur hatte lange Zeit bei BASF in der Forschung in leitender Funktion gearbeitet. Bei Rement ist er dafür verantwortlich, das Verfahren und die Anlagen auf einen industriellen Maßstab zu bringen. Baur koordiniert die technische Seite, Schleinhege verantwortet den kaufmännischen und finanziellen Bereich.

Der chemische Prozess, mit dem Rement das Betonrecycling auf eine neue Stufe bringen will, lässt sich recht einfach zusammenfassen. Im ersten Schritt wird der Betonsand mit Wasser und Kohlendioxid versetzt. Unter Druck entsteht Kohlensäure, die die basischen Zementverbindungen auflöst. Der so frei werdende Sand und Betonzusatzstoffe können ausgeschleust werden. Gleichzeitig reagiert das Calciumoxid aus dem Zement mit CO₂ zu Calciumcarbonat. Und das wird in einem zweiten Reaktorbehälter ausgefällt. Das weiße Pulver wird sowohl in bauchemischen Produkten als Füllstoff eingesetzt, als auch in der Papier- und Kunststoffindustrie.

Zementhersteller können Kohlendioxid aus der eigenen Produktion einsetzen

Für die potenziellen Anwender, vor allem Baustoffrecycler, aber auch Zementhersteller, lohnt der Einsatz der neuen Technik nach Ansicht von Baur und Schleinhege wirtschaftlich und aus Klimaschutzgründen. Durch die Aufbereitung der bislang kaum hochwertig genutzten Brechersande entstünden gut verkäufliche Bauprodukte.

Und durch die Nutzung von CO₂, das in Zementwerken aus der eigenen Klinkerproduktion kommen könnte, wird der Ausstoß des klimaschädlichen Gases reduziert. Das könne auch zu Einnahmen im Rahmen des Emissionshandels beitragen. Denn die Gründer bezeichnen ihr Verfahren als „CO₂-negatives Betonrecycling“.

2030 soll der kommerzielle Vertrieb der Anlagen starten

Eine Pilotanlage in der Größe eines Seecontainers ist in den vergangenen Monaten in Brandenburg im Rahmen eines vom Bundeswirtschaftsministeriums geförderten Projekts gelaufen. Dort konnte alle zwei Tage eine Lkw-Ladung Abbruchmaterial verarbeitet werden.

Nun ist der nächste Schritt in Angriff genommen worden. Im Raum Karlsruhe soll in Zusammenarbeit mit einem Partner aus der Industrie eine Anlage entstehen, die die zehn- bis 15-fache Menge der Pilotanlage verarbeiten kann. Und 2030 will Rement dann mit dem kommerziellen Vertrieb seiner Anlagen starten.

Serie Bau-Start-ups

In einer Serie stellen wir junge Unternehmen vor, die Produkte und Ideen für die Baubranche entwickelt und zur Marktreife gebracht haben. Die Auswahl der Start-ups geht auf Groundbreakers zurück. Die Initiative wurde von der Hochschule für Technik Stuttgart gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen und dem Fraunhofer IAO ins Leben gerufen. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, Start-ups im Bau- und Immobilienbereich zu unterstützen und mit Partnern aus der Wirtschaft zusammenzubringen.

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