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Stadtentwicklung

Ein Start-up mit schwäbischen Wurzeln revolutioniert das Parken

Ein junges Unternehmen, dessen Geschäftsidee einst im Daimlerkonzern entstand, baut in Chinas Großstädten senkrechte Parkröhren, um Platz zu sparen. Für die Idee gibt es auch Interesse aus Bayern.
Geparkte Autos in einem vertikalen automatisierten Parksystem.

In den Röhren werden die Autos senkrecht übereinander gestapelt und mit beweglichen Parkdeckes automatisch transportiert.

Hyper-Park)

Stuttgart . Das Auto wird in einem containerartigen Gebäude abgestellt. Der Fahrer steigt aus und meldet sich an einem Bedienfeld an. Die Türen schließen sich, bis der nächste Wagen kommt. Dann wiederholt sich der Vorgang. Doch wohin ist das vorherige Auto hin? Des Rätsels Lösung: Das Gebäude steht über einer Röhre, die 70 Meter in die Tiefe geht. Dort finden bis zu 200 Fahrzeuge Platz. Ein automatisches Aufzugssystem stapelt die Autos über 25 Ebenen. Die Batterien können dabei während der Abstellzeit über ein automatisiertes System auch noch aufgeladen werden.

Das außergewöhnliche Parkhaus steht im chinesischen Nanjing, wo zwei weitere stehen. Derzeit erstellt der Betreiber Hyper-Park in Guangzhou die nächste Röhre. Die Planungen für ein Parkhaus in Schanghai sind angelaufen. Das Unternehmen ist ein Start-up, das der Tunnelspezialist Herrenknecht aus Schwanau und der Stuttgarter Beteiligungsgesellschaft SKV Invest mitgegründet haben. „Wir sind bewusst zuerst in China aktiv“, erklärt SKV-Chefin Susanne Hahn. Dort sei die Nachfrage nach Parkraum vor allem in den dicht bebauten Megastädten groß.

Bohrtechnik kommt von Anteilseigner Herrenknecht

Hahn lobt aber auch die einfacheren Genehmigungsverfahren in China. Der Bau von Tiefbaulösungen sei klar definiert. So kann zeitnah mit der Bohrung für so ein Parkhaus begonnen werden. Ein halbes Jahr nach Baubeginn fahren dann die ersten Autos in das Stapelsystem ein. Laut Hyper-Park können so auf der benötigten Fläche bis zu zehn mal mehr Fahrzeuge untergebracht werden. Das Schnellladesystem liefert eine VW-Tochter aus China.

Gebohrt wird mit Herrenknecht-Technik. Die wurde entwickelt, um Versorgungsschächte für tiefe Tunnels zu bauen. „Die ermöglicht eine wirtschaftliche und sichere Erstellung vertikaler Schächte – selbst in anspruchsvollen Baugrundverhältnissen mit hohen Grundwasserständen“, teilt ein Sprecher mit. Die „Vertical Shaft Sinking Machine“ (VSM) war unter anderem beim Bau von Belüftungs- und Rettungsschächten für neue U-Bahnlinien in Paris im Einsatz. Aktuell erstellt eine VSM mit einem Durchmesser von 15 Metern die Schächte für den Bau eines Höchstspannungskabeltunnels unter der Themse. In Deutschland war eine VSM bei der Sanierung der Emscher im Ruhrgebiet im Einsatz.

Das System wird von der Oberfläche aus ferngesteuert bedient. Der Vorteil sei die flexible und kompakte Baustelleneinrichtung, heißt es bei Herrenknecht. „Wir können bis zu drei Meter an bestehende Gebäude ran“ verdeutlicht Hahn. Die Beteiligung an Hyper-Park sei naheliegend gewesen, betont ein Herrenknecht-Sprecher. Welche wirtschaftliche Bedeutung der Bau von vertikalen Parkhäusern eines Tages haben wird, lässt das Unternehmen offen.

Beim eigentlichen Bau übernimmt das Start-up mit seinen 15 Mitarbeitern die Bau-Koordination. Das 2023 gegründete Unternehmen Hyper-Park mit Sitz in Shanghai kauft die Grundstücke und betreibt in einem ersten Schritt die Parkhäuser selbst. „Leasing oder ein späterer Verkauf wären aber auch denkbare Optionen“, meint Hahn.

Entsprechend braucht das junge Unternehmen Kapital, das man laut SKV aber mehr und mehr in China findet. Für das Projekt in Guangzhou muss Hyper-Park 15 Millionen Euro mobilisieren. Die sollen laut SKV bis März unter Dach und Fach sein.

Idee wurde beim Stuttgarter Autobauer Mercedes entwickelt

Kürzlich ist Frank Li eingestiegen. Der ehemalige Finanzchef der Geely-Gruppe hatte auch die Beteiligung des chinesischen Autobauers an Daimler eingefädelt. Seinerzeit entstanden auch erste Kontakte zu Susanne Hahn, die einst auch für den Stuttgarter Autokonzern gearbeitet hat. Jetzt ist Li wie Hahn im erweiterten Führungsgremium vertreten. Hyper-Park ist als Projektidee ursprünglich bei Mercedes entstanden und wurde dann als eigenständiges Start-up ausgegliedert.

Insgesamt sollen in den kommenden zwei bis drei Jahren bis zu sieben weitere Parkröhren in China entstehen. Das entspricht einem Investitionsvolumen von 130 Millionen Euro und würde bis zu 1400 Parkplätze bieten. Drei Jahre später sollen es bereits bis zu 5000 Autos unterkommen. Eine Zahl, die sich bis Mitte der 2030er-Jahre nochmals verdoppeln soll. Zu diesem Zeitpunkt, so hoffen die Investoren, hat Hyper-Park in China dann die notwendige Größe für einen Börsengang mit einem Volumen von rund 1,5 Milliarden Euro erreicht.

Wachstum auch außerhalb von China geplant

Das Start-up mit baden-württembergischen Wurzeln hat darüber hinaus ehrgeizige Expansionspläne. Denkbar seien solche Parkhäuser auch als Basisstation für Robo-Taxis, so Hahn. China sei für Hyper-Park lediglich der „Validierungs- und Skalierungsmarkt“. Wachsen will man künftig auch außerhalb Chinas.

Die Chancen dafür stehen gut: Inzwischen hat sich die Lösung auch in Deutschland herumgesprochen. „Drei Anfragen von bayerischen Städten liegen uns vor“, bestätigt Hahn, die aber nicht verraten will, wer genau sich dafür interessiert. Hyper-Park sei aber so ausgerichtet, dass sich verschiedene Partner an einzelnen Projekten beteiligen können.

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