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Feindbild Vermieter? Haus & Grund wünscht sich mehr Objektivität

Laut dem Eigentümerverband Haus & Grund Württemberg werden hierzulande zwei Drittel der Mietwohnungen von Privatpersonen angeboten.
dpa-tmn/Christin Klose)Stuttgart . Die Bilanz zum Jahresende 2025 klingt alarmierend: Mieten bei Neuvermietungen sind um 4,5 Prozent gestiegen – doppelt so schnell wie die Inflation. Forscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) haben gerade in Großstädten deutliche Mietanstiege ausgemacht. Stuttgart rückte nach ihrem Greix-Mietpreisindex auf Platz drei unter den bundesweit teuersten Städten.
Doch die Zahlen rufen Widerspruch hervor. „Mietpreise dürfen nicht aus dem Kontext gerissen werden“, mahnt Sebastian Nothacker, der Vorstand von Haus & Grund Württemberg. Die politische und mediale Zuschreibung, Vermieter seien die Ursache steigender Mieten, sei falsch. Das gelte vor allem für Baden-Württemberg, wo Kleinvermieter das Fundament des Mietmarkts seien.
Laut dem Eigentümerverband werden hierzulande zwei Drittel der Mietwohnungen von Privatpersonen angeboten. Diese verdienten eine faire und sachliche Betrachtung, die neutral und nicht tendenziös sei.
Online-Inserate verzerren den Mietpreis-Index
Der Index der Kieler Forscher verzerrt aus Sicht der Eigentümer die Mietentwicklung. Vor allem weil ausschließlich Mietangebote aus Online-Inseraten als Daten einfließen. „Online-Inserate bilden lediglich einen kleinen, besonders dynamischen Ausschnitt des Marktes ab“, so Nothacker. Angebote auf Internetportalen wie Immo-Scout würden systematisch über dem tatsächlichen Mietniveau liegen.
Deutlich wird das etwa am Beispiel der Landeshauptstadt. So wird in Stuttgart ein großer Teil vermieteter Wohnungen nicht öffentlich inseriert. Eine Auswertung des Statistischen Amts der Stadt Stuttgart zeige, dass 42 Prozent der Mieter über Freunde, Bekannte, Kollegen, Nachbarn oder Verwandte auf ihre Wohnung aufmerksam werden, berichtet Haus & Grund. Wer nur das Internet beobachte, sehe, verzerre die tatsächliche Lage.
Eine weitere methodische Schwäche des Index ist, dass hochpreisige Wohnungen häufig länger online bleiben und deshalb stärker in die Datenerhebung eingehen. Günstige Angebote verschwinden dagegen rasch vom Markt, seien damit „statistisch unsichtbar“. Folge sei, dass überproportional viel teure Inserate in die Datensätze einfließen. Das aber überzeichne die Preisentwicklung besonders in Großstädten wie Stuttgart.
Makler rechnen mit Nullwachstum bei Mieten
Auch der Blick in den neuen Mietspiegel scheint dies zu stützen. In der Landeshauptstadt sind die Mieten binnen zwei Jahren lediglich um rund ein Prozent gestiegen. „Rechnet man die Inflation dagegen, sind sie real sogar gesunken“, so Haus & Grund.
Auch der Maklerverband IVD registrierte für das erste Halbjahr 2025 ein Nullwachstum. Wie die Stadt in ihrem Wohnungsmarktbericht 2025 schreibt, wenden Stuttgarts Haushalte im Schnitt 29 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Miete auf – ein Wert, der allgemein als tragbar gilt. Damit entspreche die Mietbelastung der Stuttgarter Haushalte derjenigen anderer Großstädte.
Beim Mieterbund sieht man das anders. Für Rolf Gaßmann, den Landesvorsitzenden sind die Vermieter sehr wohl für steigende Mieten verantwortlich. „Von den rund 210 000 Mietwohnungen in Stuttgart werden etwa 75 Prozent von privaten Vermietern angeboten. Wenn in Stuttgart seit Jahren bei Neuvermietungen überhöhte Spitzenpreise verlangt werden, dann zeigt dies, dass viele private Vermieter die Marktenge für überhöhte Mieterträge nutzen und sie sich leider nicht an gesetzliche Beschränkungen halten“, erklärt er. Allein ein Blick in die Wohnungsportale beweise, dass die Mietpreisbremse von über der Hälfte der Vermieter missachtet werde.
„Leider schaut die Stadt bei diesem Treiben tatenlos zu“, kritisiert Gaßmann. Dass weitere Bedingungen wie gestiegene Baupreise und Baunebenkosten noch hinzukämen, räumt der Vorsitzende des Mieterbunds zwar ein. Doch diese würden sich lediglich im Neubau auswirken und seien bei Wiedervermietungen nicht maßgeblich.