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Statistiker melden neu Orderzahlen

Im Straßenbau fehlen die Aufträge

Das Statistische Bundesamt meldet im Bauhauptgewerbe weniger Aufträge und geringere Umsätze. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe will dennoch an seiner positiven Umsatzprognose von real plus 2,5 Prozent für das laufende Jahr festhalten. Dafür sei aber Rückendeckung aus der Politik nötig.
Bagger auf Baustelle, umgeben von Wohnhäusern, eine Person im Führerhaus.

Der Wohnungsbau bleibt Sorgenkind. Die Baubranche verzeichnet im Januar ein Orderminus von rund 15 Prozent.

Wolfgang Leja)

Stuttgart . Der Bau startet mit einem Auftragsrückgang ins neue Jahr. Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts sank der Auftragseingang im deutschen Bauhauptgewerbe im Januar 2026 gegenüber dem Vormonat Dezember um 4,3 Prozent. Die Auftragslage ist aber auch im Vergleich zum Vorjahresmonat 2025 schlechter. Den Statistikern zufolge war der reale Umsatz im Bauhauptgewerbe im Januar 2026 um 7,5 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat. Der nominale Umsatz fiel im Jahresvergleich um 5,1 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro.

Auftragsbestände liegen über dem Vorjahresniveau

„Ein fehlender Arbeitstag und die winterlichen Verhältnisse auf den Baustellen ließen die geleisteten Arbeitsstunden um gut 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgehen“, erklärt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe. „Das sehen wir auch in der Geräteauslastung, die laut Ifo Institut magere 50 Prozent betrug.“ Einen Grund für den Rückgang sieht der Bauverbandschef auch im großen Auftragsplus im Januar vor einem Jahr. Positiv sei, dass die Auftragsbestände knapp 13 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen, so Pakleppa. Das sei ein gutes Fundament für das bevorstehende Jahr.

Das Baugewerbe hofft auf das Sondervermögen des Bundes. „Der Infrastrukturbereich braucht diese zusätzlichen Investitionsimpulse – die Betonung liegt hier auf zusätzlich“, so Pakleppa. „Die umfassende Sanierung unserer Straßen, Brücken, Schienenwege und Wasserstraßen gelingt nur, wenn die dafür aufgenommenen Schulden auch wirklich dafür verwendet werden und nicht anderswo versickern.“

Trotz Sondervermögen: Im Straßenbau fehlen Aufträge

Enttäuschend sei für ihn, dass der Straßenbau ein Jahr nach Ankündigung des Sondervermögens, rund 18 Prozent weniger Aufträge gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichne. „Jede weitere Verzögerung kostet Zeit, die wir bei der Sanierung unserer Infrastruktur nicht haben. Die Mittel sind da, die Aufträge nicht. Das muss sich in diesem Jahr ändern.“

Auch der Wohnungsbau bleibt Sorgenkind. „Ein Orderminus von rund 15 Prozent im Januar 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat ist eine Warnung, dass der Aufschwung noch nicht selbst trägt“, so Pakleppa. Er drängt darauf, die Förderprogramme dauerhaft und verlässlich mit günstigen Zinskonditionen auszustatten. Zudem müsse die Sonderabschreibung für Abnutzung (Sonder-Afa) auf den EH55-Standard ausgeweitet werden, um den zarten Aufschwung bei den Baugenehmigungen zu stärken.

Die Sonder-AfA gilt als eine steuerliche Vergünstigung für Investoren im Wohnungsbau. Sie erlaubt zusätzlich zur regulären linearen Abschreibung (meist 2 bis 3 Prozent) eine degressive Sonderabschreibung von bis zu 5 Prozent der Herstellungskosten pro Jahr über sechs Jahre bei Neubauten oder Sanierungen, die bestimmte Energieeffizienzstandards erfüllen.

Verlässliche Förderbedingungen hält Pakleppa aktuell für noch notwendiger, da der Iran-Krieg die Materialpreise vor allem erdölbasierter Baustoffe und die Zinsen nach oben treibe. Beides verteure das Bauen und belaste Investitionsentscheidungen.

Verband will an Umsatzprognose für 2026 von real plus 2,5 Prozent festhalten

Unter dem Strich will der Verband aber an seiner Umsatzprognose für 2026 von real plus 2,5 Prozent festhalten. „Ob wir das schaffen, entscheidet sich nicht auf den Baustellen, sondern in der Politik“, so Pakleppa.

In der Wirtschaftsstatistik wird das Bauhauptgewerbe als zentrale Sparte des Baugewerbes geführt. Es umfasst Hoch- und Tiefbau wie etwa Wohn‑ und Wirtschaftsbauten, Straßen‑ und Ingenieurbau, Leitungsbau und Abbrucharbeiten, während das Ausbaugewerbe (z. B. Heizung, Sanitär, Elektro) nicht dazu zählt.

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