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Immer weniger Gewinnungsstätten

Industrie sieht Rohstoffversorgung in Gefahr

Die Zahl der Gewinnungsstätten für Rohstoffe ist im Land seit dem Jahr 2000 um 29 Prozent gesunken. Die Rohstoffindustrie warnt vor einem schleichenden Verlust der Versorgung mit Kies, Sand und Naturstein aus der Region. ISTE-Präsident Oliver Mohr hat daher eine klare Forderung an die Politik.
Industrieanlage mit Silos, Fließbändern und Sandhaufen im Freien bei blauem Himmel.

Die Zahl der Sand- und Kiesgruben in Baden-Württemberg ist von 315 im Jahr 2000 auf 211 im Jahr 2023 gesunken. Kisgrube, Symbolbild.

dpa/Stefan Schurr)

Stuttgart. Die Zahl der Gewinnungsstätten in Baden-Württemberg geht kontinuierlich zurück. Das geht aus dem fünften Rohstoffbericht hervor, den das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) veröffentlicht hat. Demnach sank die Zahl der Gewinnungsstätten von 629 im Jahr 2000 auf 446 im Jahr 2023. Damit sind innerhalb von 23 Jahren 183 Standorte weggefallen – ein Rückgang um 29 Prozent. Allein seit dem Referenzjahr des letzten Landesrohstoffberichts 2017 wurden 46 Betriebe stillgelegt.

315 Sand- und Kiesgruben aufgegeben

Besonders stark fällt der Rückgang bei Sand- und Kiesgruben aus. Ihre Zahl verringerte sich seit 2000 von 315 auf 211 Standorte. Gleichzeitig stellt das LGRB fest, dass geologisch weiterhin reichlich Vorräte an Kies und Sand in Baden-Württemberg vorhanden sind. Allerdings reichen die genehmigten Vorräte im Durchschnitt nur noch rund 14 Jahre bei Kies und Sand sowie etwa 18 Jahre bei Kalkstein.

Angesichts der langen Planungs- und Genehmigungszeiten sieht der Der Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg (ISTE) Handlungsbedarf bei der langfristigen Rohstoffsicherung. „Wir haben in Baden-Württemberg keine Knappheit an Rohstoffen, sondern zunehmend eine administrative Verknappung durch fehlende Genehmigungen“, sagt Oliver Mohr, Präsident des ISTE. „Wenn immer mehr Gewinnungsstätten verschwinden, obwohl der Bedarf an mineralischen Rohstoffen bestehen bleibt, gefährden wir langfristig eine verbrauchernahe Versorgung aus heimischen Lagerstätten“, warnt er.

Konkurrenz um knappe Flächen wächst

Als Ursache für den Rückgang der Gewinnungsstätten nennen die Autoren des Berichts vor allem die wachsende Konkurrenz um die Flächen. Der Abbau von Rohstoffen steht in Konkurrenz zu mit Siedlungs- und Gewerbeflächen, Infrastruktur sowie Wasser-, Boden-, Natur- und Landschaftsschutz. Hinzu kommen Schwierigkeiten bei der Grundstücksverfügbarkeit und eine schwindende Akzeptanz für die heimische Rohstoffgewinnung. Dies führe zu längeren Genehmigungsverfahren und steigenden Kosten für die Abbaubetriebe.

Nach Ansicht des ISTE entsteht dadurch ein Paradoxon: „Werden bestehende Gewinnungsstätten nicht erweitert oder geeignete Flächen für neue Standorte nicht gesichert, endet dort früher oder später die Rohstoffgewinnung. Der Bedarf an den Rohstoffen verschwindet dadurch jedoch nicht. Mineralische Rohstoffe wie Kies, Sand und Naturstein werden in großen Mengen für nahezu alle Bereiche der gebauten Infrastruktur benötigt – vom Wohnungsbau über Schulen und Straßen bis hin zu Schienenwegen und der Energieinfrastruktur.“ Die Folgen beschreiben die Experten des LGRB deutlich: „Mittel- bis langfristig führt die Abnahme der Gewinnungsstellen zu immer größeren Transportentfernungen für Massenrohstoffe und einer entsprechenden Kostenentwicklung.“

Rohstoffe aus weiter entfernten Gewinnungsstätten beziehen

Laut ISTE führen Umwelt- und Naturschutzbelange immer wieder dazu, dass „geeignete Gewinnungsflächen in der Regionalplanung nicht ausgewiesen werden oder bestehende Standorte nicht erweitert“ werden können. „Ist der genehmigte Vorrat erschöpft, endet dort die Rohstoffgewinnung – auch wenn die Lagerstätte geologisch noch weitere nutzbare Rohstoffe enthält“, so der Verband. Das könne zwar die Belastung an dieser konkreten Stelle vermeiden, jedoch müssten die benötigten Rohstoffe dann aus weiter entfernten Gewinnungsstätten bezogen werden.

Nach Ansicht des ISTE verlagern sich die Umweltbelastungen dadurch lediglich. Zusätzliche Lkw-Fahrten, höhere CO₂-Emissionen, mehr Lärm und größerer Straßenverschleiß seien die Folge. Gleichzeitig gingen regionale Wertschöpfung und Arbeitsplätze verloren.

ISTE-Präsident Mohr fordert daher eine ehrliche Betrachtung: „Wir müssen aufhören, Rohstoffgewinnung nur als lokalen Eingriff zu betrachten. Wenn wir einen Standort aus Gründen des Umwelt- und Naturschutzes nicht weiterentwickeln können und den gleichen Rohstoff anschließend über deutlich längere Strecken heranfahren müssen, ist für die Umwelt nichts gewonnen.“

Die Branche appelliert daher an das Land, die Rohstoffpolitik so auszurichten, dass heimische Lagerstätten langfristig gesichert und bestehende Gewinnungsstandorte weiterentwickelt werden können. „Dort, wo Standorte wegfallen, müssen auch neue Gewinnungsstätten ermöglicht werden“, so Mohr.

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