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Land liegt bei Sozialwohnungen im Bundesvergleich weit hinten

In Baden-Württemberh wurden zuletzt mehr Sozialwohnungen gebaut als in den Jahren zuvor. Dennoch gibt es große Defizite, wie eine neue Studie belegt.
dpa/Bernd Weißbrod)Berlin/Stuttgart. In Deutschland fehlten zum Jahreswechsel 2024/25 rund 1,4 Millionen Wohnungen, wie das Pestel-Institut im Auftrag des Verbändebündnisses „Soziales Wohnen“ errechnet hat. In Baden-Württemberg liegt das Defizit danach bei 196.000 Wohnungen. Noch höher ist es nur in Nordrhein-Westfalen (376.000) und Bayern (233.000). Und es fehlten fast ausschließlich bezahlbare Wohnungen, vor allem auch Sozialwohnungen, erklärte das Bündnis aus Mieterbund, Baugewerkschaft, Verbänden der Baubranche und der Caritas.
60 000 neue Wohnungen pro Jahr im Land benötigt
„Um das Wohnungsdefizit bis 2030 abzubauen, müssten gut 400.000 Wohnungen pro Jahr neu gebaut werden“, erklärte der Studienleiter Matthias Günther am Donnerstag in Berlin. Das wären fast doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. In Baden-Württemberg liegt der Bedarf zwischen 55.000 bis 60.000 neuen Wohnungen pro Jahr.
„Wohnungsmangel und hohe Mieten sind Bremsklötze für die Wirtschaft“, kritisierte der Bundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Robert Feiger. Fachkräfte aus dem Ausland würden erst gar nicht nach Deutschland kommen, wenn Miete einen Großteil des Lohns schlucke.
Alte, Junge und Menschen mit Behinderung besonders betroffen
Engpässe sieht das Verbändebündnis vor allem bei Sozialwohnungen und fordert Abhilfe. In Deutschland seien rund 13,5 Millionen Einwohner armutsgefährdet und hätten Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein. Es stünden jedoch derzeit bundesweit nur eine Million Sozialwohnungen zur Verfügung. Die Zahl müsse möglichst rasch verdoppelt werden.
In Baden-Württemberg ist das Missverhältnis laut Pestel-Institut noch größer. Im Land gibt es derzeit 54.634 Sozialwohnungen. Dem stehen laut Pestel-Studie 1,7 Millionen potenziell Anspruchsberechtigte gegenüber.
Besonders betroffen von der angespannten Wohnungsmarktsituation vor allem in Ballungsgebieten sind der Studie zufolge vor allem drei Gruppen: Junge Menschen, die als Azubis keine Bleibe finden und deshalb Ausbildungsstellen nicht antreten können oder als Studenten mehr als die Hälfte ihres verfügbaren Einkommens für Wohnkosten ausgeben müssen. Rentner, die sich das Wohnen in Großstädten wegen zu geringer Rente nicht mehr leisten können und dadurch zum Umzug gezwungen würden. Hinzu kommen Menschen mit Behinderung, die auf dem Wohnungsmarkt ausgegrenzt würden.
Verbände: Bund soll Fördermittel en bloc zahlen
Um den Sozialwohnungsbau anzukurbeln, fordern die Verbände, dass der Bund seine Mittel an die Länder künftig im Ganzen und nicht auf fünf Jahre verteilt, zur Verfügung stellen müsse. Zudem solle gerade bei Sozialwohnungen einfacher und billiger gebaut werden.