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„Liste des Schreckens“: Verbandspräsident Böll warnt vor immer teurerem Bauen

„Bauen ist zu teuer und zu kompliziert geworden“, sagen die Spitzen der Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg: Hauptgeschäftsführer Thomas Möller, Präsident Markus Böll und Vizepräsident Rainer König (v. l.).
Bauwirtschaft Baden-Württemberg/E. Blossey)Stuttgart . „Seit vielen Jahren warnen wir vor einem Stillstand im Wohnungsbau. Inzwischen ist dieser Stillstand nahezu Realität“, sagte Markus Böll, Präsident der Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg, in Stuttgart. Zwar zeige die Zahl der Baugenehmigungen wieder leicht nach oben. „Aber eine Baugenehmigung ist eben noch keine gebaute Wohnung“, betonte er.
Kostentreiber machen 18 Prozent an Bauvorhaben aus
Böll verwies auf die „enorme Kostenspirale“, die Unternehmen und Bauherren schultern müssten. Als wesentlichen Kostentreiber nannte er die Vielzahl von Vorschriften, Nachweisen und Abgaben rund um das Bauen. Am Beispiel eines Einfamilienhauses mit 150 Quadratmetern Wohnfläche verdeutlichte er die Belastung: Genehmigungen, Gutachten und Nachweise sowie Notarkosten, Grundbucheintrag und Grunderwerbsteuer summierten sich auf 82.800 Euro. Bei Gesamtbaukosten von 450.000 Euro entspreche dies einem Anteil von mehr als 18 Prozent.
Der Bauunternehmer aus Schriesheim präsentierte dazu eine „Liste des Schreckens“, mit der Bauwillige heute konfrontiert seien. Weitere erhebliche Kosten entstünden durch energetische Vorgaben und technische Baubestimmungen, die in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschärft worden seien.
Nur noch 25.565 Neubauwohnungen
Die Folgen zeigen sich nach Angaben der Bauwirtschaft deutlich: Im Wohnungsbau in Baden-Württemberg stieg der Umsatz von Januar bis Juli nominal lediglich um 1,7 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl der Baufertigstellungen 2025 auf nur noch 25.565 Neubauwohnungen und damit auf den niedrigsten Stand seit 2010.
Vor diesem Hintergrund fordert die Bauwirtschaft einen Stopp zusätzlicher Regulierungen. „Die Kostenspirale muss endlich zum Stillstand kommen. Weitere Belastungen, die das Bauen verteuern und ausbremsen, darf es nicht geben“, sagte Böll.
Statt neuer Vorgaben müssten Bund und Land das Bauen einfacher und günstiger machen. Die Branche setzt dabei auf den geplanten BW-Standard sowie das auf Bundesebene vorgesehene Gebäudetyp-E-Gesetz. Hauptgeschäftsführer Thomas Möller verwies auf Gespräche mit Landesbauministerin Theresa Schopper (Grüne). Die Landesregierung habe zugesagt, das Thema prioritär zu behandeln. Möller rechnet spätestens bis zum kommenden Sommer mit einem Gesetzentwurf oder einer entsprechenden Änderung der Landesbauordnung.
„Wir sind selbst in einem System gefangen“
Zugleich mahnte er, dass nicht allein die Politik für die Komplexität verantwortlich sei. „Wir sind selbst in einem System gefangen, in dem alles bis ins Detail geregelt werden soll – Einzelfallgerechtigkeit in jedem Bereich“, sagte Möller. Das erschwere Vereinfachungen. „Wenn jetzt ein Elektriker-Kollege hier säße, würde er Ihnen erklären, dass zehn Steckdosen pro Raum eine Frage der Sicherheit sind und nicht nur des Wohlbefindens. Da hat es die Politik mit uns Bürgern auch nicht immer einfach.“
Zudem appellierte der Verband an das Land, das angekündigte Förderprogramm „HeimVorteil BW“ rasch auf den Weg zu bringen. Es sieht eine Erstattung der Grunderwerbsteuer für Familien beim erstmaligen Erwerb von Wohneigentum vor.
Energieeffizienz von Gebäuden gerät aus dem Blick
Rainer Köning vom Verband der Stuckateure Ausbau und Fassade warnte davor, die Energieeffizienz von Gebäuden aus dem Blick zu verlieren. Die Debatte drehe sich aktuell nur noch um Heizungen. Das schlage sich auf die Nachfrage bei unseren Stuckateur-Betrieben nieder. Dabei sei eine gute Gebäudehülle die Voraussetzung für das Gelingen der Wärmewende. Sie bestimme, wie gut eine Heizung funktioniere, und sie schütze vor absehbar steigenden Energie- und CO₂-Kosten. „Ich glaube, die Bürger sind an einem Punkt angekommen, an dem sie diesen Weg nicht mehr mitgehen wollen“, so König. Vor dem Hintergrund stagnierender Sanierungsquoten und der eingebrochenen Nachfrage im Ausbau- und Fassadenhandwerk forderte König von der Politik verlässliche Förderbedingungen. „Wir brauchen Planungssicherheit über mehrere Jahre. Ein ständiger Programmwechsel führt zu Verunsicherung am Markt.