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Mit Lesegerät und App den Energieverbrauch im Haus abrufen

Nineti-Mitgründer Tibor Hofmann zeigt, wie die Geräte an Stromzählern angeschlossen werden.
JUERGEN_SCHMIDT)Stuttgart. Manchmal funktionieren Gründungsideen erst im zweiten oder dritten Anlauf. So war es auch bei Tibor Hofmann und Nicco und Nemo Fink. Ursprünglich wollten die drei jungen Männer ein eigenes Balkonkraftwerk entwickeln und auf den Markt bringen, merkten aber relativ schnell, dass sie gegen die deutlich billigere Konkurrenz aus China auf Dauer keine Chance haben würden, so erzählt es Hofmann. Die Brüder hatten schon vorher ein eigenes Start-up gegründet und Spikes für Mähroboter gebaut und vertrieben, auch das mit begrenztem Erfolg.
Die Beschäftigung mit der Solartechnik brachte die drei Freunde, die sich auf dem Gymnasium kennengelernt haben, aber auf eine andere Geschäftsidee. „Wechselrichter sind eigentlich dumm“, sagt Hofmann schmunzelnd. Denn diese könnten den von den Balkonkraftwerken produzierten Strom gar nicht messen. Diese Lücke wollten sie mit einem Messgerät schließen, das den Stromverbrauch, aber auch die Produktion direkt am Zähler abruft und per App an den Haus- oder Wohnungseigentümer oder den Mieter überträgt. Damit war Energieleser geboren.
In eineinhalb Jahren 20 000 Leseköpfe verkauft
Als das Produkt feststand, ging es sehr schnell. Im Februar 2024 gründeten die drei Jungunternehmer die Nineti GmbH als Unternehmen hinter Energieleser. Der Name entstand aus den ersten Buchstaben der drei Vornamen. Im September des gleichen Jahres stellten sie den Stromleser als erstes Produkt vor. Ein knappes halbes Jahr später kam die App auf den Markt und im Juli und August die Lesegeräte für Gas- und Wasserzähler.
Mit der Hardware, den Leseköpfen und der Bridge als Empfänger, nutzen die Firmengründer aus, dass moderne Zähler schon heute Daten senden, die sich über vorhandene Schnittstellen nutzen lassen. Und weil Zähler oft in Kellern platziert sind, wo kein oder nur schlechter Internetzugang vorhanden ist, werden die Daten über ein Funkprotokoll, drahtlose M-Bus-Signale, zum Endgerät des Nutzers in die App übertragen. Die Leseköpfe sind batteriebetrieben, brauchen also keinen Stromanschluss vor Ort.
Bei Endverbrauchern ist die Geschäftsidee gut angekommen. „Wir haben in den ersten eineinhalb Jahren schon 20.000 Leseköpfe verkauft“, erklärt Tibor Hofmann. Der 28-jährige Betriebswirt ist CEO des Start-ups. Sein gleichaltriger Kompagnon, Nicco Fink verantwortet die technische Seite, sein ein Jahr jüngerer Bruder ist für die Logistik und Organisation zuständig. Inzwischen haben die drei Gründer schon kräftig Personal eingestellt. In der Firmenzentrale im Stuttgarter Süden arbeiten acht Mitarbeiter, elf weitere in der Softwareentwicklung für die App und die Firmware der Geräte in Indien. Die seien aber alle fest angestellt, keine Freelancer, betont Hofmann.
Und weiteres Wachstum ist für die kommenden Monate fest eingeplant. Denn Nineti will sein Geschäft in den gewerblichen Bereich ausweiten. Im Blick hat das Start-up Wohnungsunternehmen, Eigentümergemeinschaften, aber auch Stadtwerke. Erste Gespräche mit Interessenten führe man bereits.
Für Bestandshalter von Immobilien biete Energieleser die Chance zur Digitalisierung vieler Prozesse, sagt Hofmann. Um den Hausstrom und das Wasser für den allgemeinen Verbrauch abzulesen, müssten Hausmeister heute noch in die Immobilie. Bei großen Wohnungsbeständen bedeute dies weite Wege und viel Arbeitszeit, so der Nineti-Chef. Wenn die Daten von den Leseköpfen erfasst würden, könnten diese kontinuierlich in der App abgelesen oder in die Systeme der Wohnungsunternehmen eingespielt werden.
Digitale Lösung für das Ablesen von Zählern
Für Stadtwerke und andere Energieversorger könnte das System die Zählerablesung durch den Kunden ersetzen. Zwar seien die Leseköpfe nicht kalibriert, aber die Ungenauigkeit sei geringer als bei der analogen Erfassung des Zählerstands durch den Wohnungsbesitzer. „Wir sind viel besser als das manuelle Ablesen“, meint Hofmann.