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Özdemir: Neckarsulm zu schließen, wäre „politische Willkür“

Cem Özdemir (2.v.r, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Bündnis 90/Die Grünen) und Nicole Hoffmeister-Kraut (l, CDU), Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg geben bei einem Besuch bei Audi in Neckarsulm ein Statement ab. In der zweiten Reihe stehen Harry Mergel (l), Oberbürgermeister von Heilbronn, und der Bürgermeister von Neckarsulm, Steffen Hertwig (r).
dpa/Bernd Weißbrod)Stuttgart. Der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) hat die Produktionskosten unterschiedlicher deutscher VW-Werke verglichen und das von einer Schließung bedrohte Audi-Werk in Neckarsulm auf Augenhöhe mit anderen Werken eingeordnet. Wenn er etwa die Kostenstruktur des Standorts „vergleiche mit Wolfsburg, dann muss sich Neckarsulm nicht verstecken“, sagte Özdemir am Rande eines Werksbesuchs in Neckarsulm.
VW-Sparpläne könnten deswegen nicht einseitig zulasten des Standorts Neckarsulm gehen. „Das ist einfach betriebswirtschaftlich nicht zu rechtfertigen. Sondern es wäre dann eine rein politische Entscheidung der Willkür“, so Özdemir.
Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent der Stimmrechte im VW-Konzern und gilt damit als zweitmächtigster Aktionär. Mit Olaf Lies (SPD) und Julia Willie Hamburg (Grüne) sitzen Niedersachsens Ministerpräsident und seine Stellvertreterin im Aufsichtsrat.
Özdemir: Nicht politisch entscheiden, sondern auf die Zahlen gucken
„Mein Eindruck ist, es geht hier nicht nur um betriebswirtschaftliche Fragen, es geht hier offensichtlich auch um Politik“, kritisierte Özdemir. „Also muss die Politik auch diesen Standort hier verteidigen, damit im Gesamtkonzerngefüge Baden-Württemberg und Neckarsulm nicht zurückfällt gegenüber anderen.“
Am Ende gehe es im VW-Konzern um die Frage, für welchen Standort man sich entscheidet. Das werde nicht in Neckarsulm entschieden, sondern in Wolfsburg, im Mutterkonzern. „Und mein Plädoyer ist: Schauen Sie sich die Zahlen an und nicht, dass man nach politischen Fragen entscheidet.“
Hintergrund der Diskussionen ist der VW-Sparplan
Der VW-Aufsichtsrat hatte sich vor knapp zwei Wochen überraschend auf einen Sparplan geeinigt. Weltweit sollen 50.000 weitere Stellen im Konzern wegfallen. Neben dem Audi-Werk in Neckarsulm droht den VW- Standorten Emden, Zwickau und Hannover die Schließung. Für die Werke könne derzeit keine wettbewerbsfähige Folgebelegung mit Beginn zwischen 2031 und 2034 gewährleistet werden. VW prüft deswegen auch alternative Verwendungsmöglichkeiten für die Standorte. (dpa)
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