Serie Start-Ups

Ärzte, Kindergärten und Co: Famigo will sichtbar machen, was Kommunen zu bieten haben

Wo sind Kindergärten? Wo findet man Spielplätze und welche Ärzte gibt es vor Ort? Wie attraktiv ist eine Kommune als Unternehmensstandort? Die Suche nach Antworten auf derlei Fragen ist bislang oft zeitraubend. Das Offenburger Start-up Famigo macht sie zugänglich. Ein Beispiel für Dienstleistungen, die der Staatsanzeiger in seiner Serie „Start-ups“ vorstellt.

Das Start-up Famigo macht Daten zu einem Standort, etwa für Stellenbewerber, zugänglich – und integriert sie auch in Google Maps.

dpa/Jochen Tack)

OFFENBURG. Vor vier Jahren bot man Alexander Feldberger einen Job in Frankfurt an. Der Familienvater begann, sich zu informieren: Was bieten die Umland-Kommunen? Wo gibt es die passenden Schulen? Genervt klickte er sich durch zig Webseiten und sagte sich: Das müsste sich nutzerfreundlicher aufbereiten lassen! Heute bietet Feldberger genau diese Dienstleistung an. Er hat dafür das Offenburger Start-up Famigo mit sechs Mitarbeitern gegründet.

Über das Programm „Städte und Gemeinden 4.0 – Future Communities“ des Gemeindetags überzeugte Feldberger vor zwei Jahren die Städte Offenburg, Vaihingen/Enz, Sigmaringen, Oberkirch und Oberwolfach. Die Kommunen entwickelten mit ihm den „Familienwegweiser“ für ihre Webseiten. Es folgte ein „Spielplatzfinder“ mit Filterfunktionen nach Ortsteilen, speziellen Geräten oder Nutzungsarten. Dieser listet alle Spielplätze mit den relevanten Informationen auf. Dasselbe gibt es inzwischen für Kindergärten, Schulen und Arztpraxen.

Über 80 Städte und Gemeinden in der Datenbank erfasst

Famigo erstellt einheitliche Fotografien. Die Fotos und Daten hinterlegt das Unternehmen in Google Maps, sodass Eltern, die dort suchen, ebenfalls fündig werden. Inzwischen hat das Start-up 34 Städte und Gemeinden in der Wirtschaftsregion Freiburg und 50 in der Ortenau in seiner Datenbank komplett erfasst.

„Diese Daten schaffen einen enormen Mehrwert für die Kommunen“, sagt Feldberger. „Und sie haben kaum Aufwand. 80 Prozent der Daten sind öffentlich, die lesen wir ein.“ Dabei registriere man Fehler und behebe sie.

Wie geschätzt Standortinformationen sind, merkte Feldberger schnell aus dem Feedback. „Diese Daten haben eine sehr hohe Relevanz bei Unternehmen im Kontext Fachkräftemangel.“ Betriebe drucken keine Broschüren mehr über ihren Firmensitz. Sie stellen Karriere-Webseiten ins Netz. Daher entwickelte Famigo mit den Daten zur Lebensqualität eine Standort-Infografik. „So sind wir darauf gekommen, dass wir eine Art digitale Brücke sind zwischen der Kommune, der Wirtschaftsförderung und den Unternehmen“, sagt Feldberger.

Aus seiner Datenbank heraus speist Famigo diese Informationen inzwischen auf Webseiten namhafter Unternehmen ein. „Sie sitzen im ländlichen Raum als Hidden Champion, der Standort ist Teil ihrer Arbeitgebermarke. Wenn sie den schön auf der Webseite präsentieren, strahlt das Willkommenskultur und ein Bekenntnis zum Standort aus“, erklärt Feldberger.

Permanent entwickelt der Gründer zusammen mit seinem Team weitere Ideen: Einen Überblick über die Vereinslandschaft gibt es inzwischen ebenfalls, einer zu Pflegeangeboten soll bald folgen.

Fünf Zeilen Code müssen in die Webseite einprogrammiert werden

Für Unternehmen wie Kommunen ist das Angebot mit minimalem Aufwand nutzbar, es müssen nur fünf Zeilen Code in die Webseite einprogrammiert werden. Die Grafiken und Module erscheinen dann ans jeweilige Design angepasst, Famigo selbst tritt nicht auf.

„Wir sind White-Label-Dienstleister im Hintergrund“, erklärt Feldberger. Und eine Basisversion bietet er sogar kostenfrei an. „Wir verdienen unser Geld hauptsächlich über die Unternehmen, die auch die Entwicklung vorantreiben und tragen und nicht durch die Kommunen.“

Deren Beitrag sorgt dafür, dass Famigo die Daten stets aktuell halten kann. „Wenn ein neuer Kindergarten dazu kommt, stellen wir den in die Datenbank und er ist auf allen Webseiten drauf“, erklärt der Gründer. Um dorthin zu gelangen, wo Famigo heute steht, nutzte Feldberger die Start-up-Initiative Gründermotor. Sie bietet ein Netzwerk, in dem er die Gelegenheit erhielt, sein Konzept beim Gerätehersteller Stihl zu präsentieren.

„Wir haben dort wertvolles Feedback erhalten.“ Da er zuvor 20 Jahre in der Touristik arbeitete, verfügte Feldberger zwar über ein Netzwerk. „Aber natürlich hört mein Netzwerk irgendwo auf und da ist eine Initiative wie Gründermotor sehr wichtig. Jemand muss die Tür öffnen, die sonst zu ist.“ Nicht zuletzt dank der Unterstützung denkt Feldberger heute groß: „Wir haben den Baukasten für regionale Standortdaten für jede Unternehmens-Website.“

Quelle/Autor: Daniel Völpel

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