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Studie: Baden-Württemberg hat die meisten Verlierer-Regionen

Karlsruhe ‒ im Bild der Rheinhafen ‒ hat es als einziger Stadt- oder Landkreis Baden-Württembergs in die Top Ten der wirtschaftlich dynamischsten Regionen in Deutschland geschafft. Foto: Imago/Tim Carmele
Tim Carmele via www.imago-images.de)Stuttgart/Köln. Vor zehn Jahren hatte das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) erstmals 400 Landkreise und kreisfreie Städte in Deutschland anhand ihrer Wirtschaftsstruktur, ihres Arbeitsmarkts und der Lebensqualität untersucht und die Ergebnisse in ein Ranking gegossen. Und der langfristige Vergleich zwischen 2016 und 2026 fällt für Baden-Württemberg wenig schmeichelhaft aus: „Baden-Württemberg hat unter allen Bundesländern den höchsten Anteil an Verlierer-Regionen“, schreibt die IW Consult, ein Tochterunternehmen des arbeitgebernahen Instituts, in seiner jetzt veröffentlichten Analyse.
Mehr als jeder zweite Kreis im Südwesten habe im Ranking 25 oder mehr Plätze verloren. In dieser Entwicklung spiegele sich der Transformationsdruck in der Industrie wider, die traditionell zu den Stärken Baden-Württembergs zähle. „Energiekrise, Stagnation und geopolitische Verwerfungen treffen den industriellen Kern Deutschlands besonders“, erklärt IW-Consult-Geschäftsführer und Regionalexperte Hanno Kempermann die Entwicklung.
Die meisten Regionen im Land über dem Durchschnitt
I m Niveauranking, das den wirtsch aftlichen Status quo abbildet, ist Baden-Württemberg noch ganz gut aufgestellt. Nur fünf Landkreise – Göppingen, Konstanz, Neckar-Odenwald, Lörrach und Waldshut – liegen leicht unter dem Bundesdurchschnitt. Und mit der Stadt Pforzheim gibt es nur eine Region im Land, die deutlich unter dem Durchschnitt liegt.
Keine Rgion im Land unter den Top Ten in Deutschland
Unter den Top Ten Deutschlands findet sich jedoch keine einzige Region aus dem Südwesten. Das Nachbarland Bayern ist dagegen gleich mit sieben Städten und Landkreisen an der Spitze des Rankings vertreten, mit dem Landkreis und der Stadt München auf den Plätzen eins und zwei. Die anderen drei unter den ersten Zehn, sind die Stadt Frankfurt und ihre beiden Nachbarkreise Main-Taunus und Hochtaunus.
Im Dynamikranking, das die wirtschaftliche Veränderung in einer Region misst, hat es mit Karlsruhe zumindest eine Stadt unter die besten Zehn in Deutschland geschafft. Die zweitgrößte Stadt des Landes liegt auf Platz sechs. Das ist ein kleiner Aufwärtstrend, denn vor zwei Jahren hatte es keine Stadt und kein Landkreis aus Baden-Württemberg unter die Top Ten geschafft.
Landkreis Karlsruhe liegt bei Dynamik weit hinten
An der Spitze liegen mit Cottbus (Brandenburg) und Neumünster (Nordrhein-Westfalen) zwei Mittelstädte, die bislang eher wenig durch wirtschaftliche Stärke aufgefallen sind. Für die Wirtschaftsforscher des Kölner IW ist Cottbus ein Beispiel für gelungenen Strukturwandel. „Die einstige Braunkohlestadt baut auf ihrer industriellen Basis und der einzigen Technischen Universität Brandenburgs auf – mit neuen Forschungseinrichtungen, einem ICE-Instandhaltungswerk und der Renaturierung des Tagebaus“, heißt es in der Studie.
Während sich die Stadt Karlsruhe gut entwickelt, schwächelt der Kreis Karlsruhe. Er kommt im Dynamik-Ranking nur auf Platz 395. Noch drei Plätze dahinter liegt die Stadt Mainz, die 2024 noch die Rangliste angeführt hatte.
Am Beispiel der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt zeigt sich auch, dass die Einstufung oft von einzelnen Einflussfaktoren abhängt. Im Falle Mainz ist das der Aufstieg und Niedergang von Biontech. Der Impfstoffhersteller hatte der Stadt dank seiner Milliardengewinne zunächst exorbitant steigende Gewerbesteuereinnahmen beschert, die nun wegbrechen. Und die Steuerkraft der Kommune ist eine der entscheidenden Messgrößen der Studie.