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Kritische Infrastruktur

Ulmer Stadtwerke-Chef will Drohnen nicht selbst abschießen

Der Landesverband kommunaler Unternehmen in Baden-Württemberg fordert zum Schutz kritischer Infrastruktur Lockerungen beim Datenschutz. Die Videoüberwachung von Anlagen, wie Kraftwerken oder Umspannstationen sei sonst zu stark eingeschränkt.
Ein Mann spricht an einem Pult mit Laptop. Text: „Wasser“, „Wärme“.

Der VKU-Landesvorsitzende Klaus Eder sieht bei der Sicherung kritischer Infrastruktur auch den Staat in der Pflicht und

Jürgen Schmidt)

Leinfelden-Echterdingen. Spätestens die Brandstiftung an einem Umspannwerk im Frühsommer in Reutlingen oder die Anschläge auf Stromleitungen in mehreren Bundesländern mit umgebauten Silvesterraketen haben die Verwundbarkeit öffentlicher Infrastruktur vor Augen geführt. Zum Schutz der Anlagen bräuchten die Betreiber Unterstützung aus der Politik, betonte der Landesvorsitzende des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Klaus Eder, bei der Jahrestagung des Stadtwerke-Verbandes in Leinfelden-Echterdingen.

Videoüberwachung soll auch um kritische Infrastruktur herum möglich sein

Den Vorschlag, Netzbetreiber sollten Drohnen über ihren Anlagen selbst abwehren dürfen, hält Eder für nicht umsetzbar. „Wir können nicht beurteilen, ob es sich um ein gefährliches Flugobjekt oder eine Spieldrohne handelt“, erklärte der Geschäftsführer der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm.

Um kritische Anlagen, wie Kraftwerke oder Umspannwerke, besser überwachen zu können, forderte Eder zudem Änderungen im Datenschutz. Weil die Betreiber bei der Videoüberwachung der Anlagen bislang nicht den öffentlichen Raum darum herum aufnehmen dürfen. Für die Erkennung potenzieller Gefahren wäre dies aber nötig.

Zugang zum Betriebsgelände wird stärker beschränkt

Die kommunalen Unternehmen sehen sich auch selbst in der Pflicht. Der Ulmer Stadtwerke-Chef berichtete, wie sein Unternehmen derzeit in Sachen Sicherheit neu aufgestellt werde. Dabei geht es mitunter um vordergründig kleine Dinge. So seien in den vergangenen zehn bis 15 Jahren die Schranken an den Zufahrten zum Busbetriebshof außer an Wochenenden tagsüber stets geöffnet gewesen, um den Busfahrern die Ein- und Ausfahrt zu erleichtern. Eine Kontrolle, wer das Gelände betritt, habe nicht stattgefunden. Das werde nun geändert.

Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm bauen zudem ihre Aktivitäten bei der Cybersicherheit deutlich aus. Man habe eine Stelle für einen Beauftragten für ein Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) geschaffen, so Eder. Eine zweite Stelle solle im kommenden Jahr folgen.

IT-Experte: Sicherheit der Systeme ist Chefsache

„Wir wollen eine zweite und dritte Verteidigungslinie aufbauen, um Cyberangriffe abwehren zu können“, erklärte der VKU-Vorsitzende. Angegriffene Systeme sollten so schnell wie möglich isoliert werden, um Hackern keinen weiteren Zugriff auf Daten zu ermöglichen. Bei einem simulierten Angriff auf die Verkehrsleitstelle habe dies gut geklappt.

Das Thema Cybersicherheit müsse in jedem Fall bei der Geschäfts- oder Behördenleitung angesiedelt werden, betonte der auf kritische Infrastruktur spezialisierte IT-Sicherheitsberater Manuel Atug. Die Chefs müssten die Prozesse aktiv steuern, kontrollieren und deren Wirksamkeit prüfen.

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