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Kolumne

Ungenutzte Reserve für den Arbeitsmarkt

Trotz hoher Arbeitslosigkeit sieht die Chefin der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles den Fachkräftemangel als das drängendste Zukunftsproblem auf dem Arbeitsmarkt. Doch sie und ihre Behörde nehmen dabei die Langzeitarbeitslosen zu wenig in den Blick. Eine Kolumne von Jürgen Schmidt.
Logo der Agentur für Arbeit auf Backsteinwand, unscharfes rotes Licht im Vordergrund.

Die Aus- und Fortbildung von Langzeitarbeitslose könnte auch ein Beitrag gegen den Fachkräftemangel sein, der in den nächsten Jahren stärker werden dürfte.

dpa/Revierfoto)

Es ist eine paradoxe Situation. Da verkündet die Bundesagentur für Arbeit für Januar die h öchsten Arbeitslosenzahlen in Baden-Württemberg seit 2007 und die oberste Chefin der Behörde, Andrea Nahles, verkündet jetzt in einem Interview, dass nicht Arbeitslosigkeit das wahre Problem für die kommenden Jahre ist, sondern der Fachkräftemangel wegen der demografischen Entwicklung.

Zahl der Langzeitarbeitslosen so hoch wie seit fast 20 Jahren nicht mehr

Das ist statistisch sicher richtig, doch wirtschafts- und sozialpolitisch bedenklich ist, wenn Sozialdemokratin Nahles drei Gruppen aufzählt, die Abhilfe schaffen könnten: die Alten, die freiwillig länger arbeiten, Frauen, die ebenso freiwillig ihre Teilzeit aufstocken, und Zuwanderer. Unerwähnt bleibt eine Gruppe, für die die Anstalt von Nahles in den Jobcentern mit zuständig ist: die Langzeitarbeitslosen, deren Zahl mit über 92 000 in Baden-Württemberg ebenfalls so hoch ist wie seit knapp zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Es ist klar, dass sich nicht jeder Langzeitarbeitslose zur Fachkraft aus- oder weiterbilden lässt, aber was derzeit in diesem Bereich geschieht, ist deutlich zu wenig. Fördern und Fordern war einst die Devise für das Bürgergeld, doch, wenn man die Zahlen anschaut, kommt die Förderung nur bei sehr wenigen an. Dabei wäre dies nicht nur eine sozialpolitische Aufgabe, sondern auch ein Beitrag gegen Fachkräftemangel.

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