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Bohrungen im Oberrheingraben

Vulcan Energy fördert grüne Energie und Lithium aus der Tiefe

Vulcan Energy betreibt im pfälzischen Landau die weltweit ersten Anlagen, die Lithiumgewinnung mit Geothermie kombinieren. Dafür hat das Karlsruher Unternehmen rund 2,2 Milliarden Euro eingesammelt. Während die Produktion bereits läuft, stockt die Expansion in Baden-Württemberg wegen fehlender Genehmigungen.
Zwei Männer mit Schutzhelmen und Warnwesten vor einer Industrieanlage.

Geschäftsführer Thorsten Weimann (links) ist bei Vulcan Energy für die Projektentwicklung verantwortlich. Der Ingenieurgeologe Horst Kreuter ist Mitgründer des Unternehmens und einer der geistigen Väter des Konzepts, Tiefengeothermie mit der Lithiumgewinnung zu verbinden.

Wolfgang Leja)

Landau . Die heiße Sole im Oberrheingraben birgt einen Rohstoff, der für die Energiewende und die Elektromobilität als unverzichtbar gilt: Lithium. Das Leichtmetall ist ein zentraler Bestandteil moderner Batterien und damit stark gefragt, vor allem in der Automobilindustrie.

„Bei uns steht Lithium klar im Vordergrund, dafür geben uns die Investoren das Geld“, erklärt Thorsten Weimann, einer der Geschäftsführer von Vulcan Energy. Für die erste Phase des Projekts „Lionheart“ hat das Karlsruher Unternehmen ein Finanzierungspaket von rund 2,2 Milliarden Euro gesichert.

Bundesregierung ist über den KfW-Rohstofffonds investiert

Zu den Geldgebern zählt die Bundesregierung: Über den KfW-Rohstofffonds investiert sie 150 Millionen Euro und hält damit einen Anteil von rund 14 Prozent an Vulcans deutscher Holdinggesellschaft. Die Beteiligung war die erste Investition des Rohstofffonds, der inzwischen Teil des Deutschlandfonds ist. Sie unterstreicht die Bedeutung von Lithium als strategischem und kritischem Rohstoff für die europäische Industrie. Daher beteiligt sich auch die Europäische Investitionsbank (EIB) mit 250 Millionen Euro an einem Konsortium aus insgesamt 13 Finanzpartnern. Darunter die Deutsche Bank und die ING. „Der Einstieg der EIB als Ankerinvestor war ein wertvoller Vertrauensvorschuss, der uns geholfen hat, weitere Banken als Investoren zu gewinnen“, berichtet Weimann. Hinzu kommen Industriepartner wie Hochtief und Siemens Financial Services.

Sieben Bohrplätze hat Vulcan Energy aktuell im Visier. Zwei davon sind bereits in der Region Landau in Betrieb. Sie bilden den Kern der ersten Ausbaustufe des Lionheart-Projekts, mit dem das Unternehmen ab 2028 jährlich bis zu 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid produzieren will, ausreichend für rund 500.000 Elektrofahrzeuge.

160 Grad heißes Wasser erzeugt Strom und Wärme

Am Standort Landau wird seit Dezember 2025 Thermalsole aus rund 2000 Metern Tiefe gefördert. Das bis zu 160 Grad heiße Wasser dient zunächst der Erzeugung von Strom und Wärme. Anschließend wird die abgekühlte Sole in einer Extraktionsanlage weiterverarbeitet. Dort wird Lithiumchlorid aus dem Wasser herausgelöst.

Danach fließt die Sole wieder zurück in das unterirdische Reservoir. So entsteht ein geschlossener Kreislauf, erklärt Ingenieurgeologe Horst Kreuter. Er ist einer der Initiatoren der Idee, Geothermie und Lithiumgewinnung im Oberrheingraben zu verbinden. In einem zweiten Schritt wird das Lithiumchlorid nach Frankfurt Höchst transportiert und dort zu batteriefähigem Lithiumhydroxid-Monohydrat verarbeitet.

„Wir haben in die Anlage so weit investiert, dass wir die Fernwärmenetze in Landau beliefern können“, sagt Weimann. Mit der heißen Thermalsole werden 275 Gigawattstunden grüner Strom sowie 560 Gigawattstunden erneuerbare Wärme erzeugt. Damit können die umliegenden Kommunen klimaneutral versorgt werden.

Noch befindet sich das Projekt in der Anlaufphase. Ab 2028 soll die kommerzielle Förderung anlaufen. „Wir haben unsere Abnehmer bereits gefunden“, sagt Weimann. Lieferverträge mit dem Automobilkonzern Stellantis und dem Batteriezellenhersteller LG Energy Solution sind bereits in der Schublade. Damit sei man „in der glücklichen Situation“, dass man nur noch produzieren und liefern müsse. Parallel dazu treibt das Unternehmen weitere Tiefengeothermie-Bohrungen in der Region Landau voran und baut die erforderliche Infrastruktur mit Pipelines und Umspannstationen aus.

BASF Ludwigshafen ist interessiert an grundlastfähiger erneuerbarer Energie

Was in der Pfalz schon passiert, wollen die Ingenieure und Geologen von Vulcan in großem Maßstab umsetzen. „Wir sprechen im Moment mit der BASF in Ludwigshafen, um die Potenziale von Erdwärme aus Tiefengeothermie zu evaluieren“, sagt Weimann. Langfristig könnte die Wärme aus dem Untergrund dazu beitragen, das Stammwerk des Chemiekonzerns mit grundlastfähiger erneuerbarer Energie zu versorgen.

Auch in der Ortenau sowie in Mannheim verfolgt Vulcan weitere Projekte. In Karlsruhe fehlt bislang jedoch das notwendige Erlaubnisrecht für die geothermische Nutzung. Dort sind mit EnBW und Deutsche Erdwärme weitere Unternehmen aktiv, die allerdings ausschließlich auf die Energiegewinnung setzen. Die behördlichen Genehmigungen zu bekommen, ist für Vulcan ein entscheidendes Thema. Man habe mit den Behörden in Rheinland-Pfalz gute Voraussetzungen geschaffen, sagt Weimann. In Baden-Württemberg gebe es da noch Luft nach oben.

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