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Wasserstände extrem niedrig

Warum sich das Niedrigwasser sogar noch verschärfen könnte

Seit Monaten fällt zu wenig Regen, die Wasserstände sinken weiter. Warum kurzfristige Niederschläge die Situation kaum entspannen können, erklärt der aktuelle Lagebericht.
Strom, Ufer mit Steinen, grüne Markierungen, Bäume im Hintergrund, Boot in der Ferne.

Ein Frachtschiff fährt bei niedrigem Wasserstand auf dem Rhein. Die Pegelstände am Rhein bewegen sich weiterhin auf historisch niedrigem Niveau.

dpa/Federico Gambarini)

Karlsruhe. Trotz der bereits extrem niedrigen Wasserstände rechnen Experten nicht mit einer schnellen Verbesserung der bedrohlichen Lage in Flüssen und Seen. Im Gegenteil: „Eine nachhaltige Entspannung ist derzeit nicht in Sicht“, teilte das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg mit. „Das Niedrigwasser wird sich voraussichtlich weiter verschärfen.“

Im Lagebericht des NIZ zu den Flüssen und Seen heißt es unter anderem, die Wasserstände seien größtenteils auf einem extrem niedrigen Niveau und sänken weiter. Derzeit meldeten drei von vier Pegeln (78 Prozent) „extrem niedrige“ Wasserstände, fast der gesamte Rest sei wegen „sehr niedriger“ Wasserstände alarmiert.

Regen wird nicht viel verbessern

Die Lage dürfte sich nach Einschätzung des NIZ auch nach den einzelnen Schauern und Gewittern nicht entspannen, die zum Wochenbeginn in einigen Regionen erwartet werden. Der Niederschlag könne zwar einzelne Pegelstände kurzzeitig steigen lassen, teilt das NIZ mit. An der allgemeinen Niedrigwasserlage dürfte sich aber nichts ändern.

Denn der Regen werde – wenn überhaupt – meist kurz und intensiv sein. Er fließt laut NIZ überwiegend oberirdisch ab, statt Böden und Grundwasser nachhaltig aufzufüllen. „Flächendeckender, ergiebiger Landregen ist weiterhin nicht in Sicht“, hieß es.

Laut NIZ waren seit November vergangenen Jahres bis auf den Februar alle Monate zu trocken. Im Juli fielen landesweit rund 40 Millimeter Regen, üblich wären 91 Millimeter. Im Juni waren es etwa 55 statt 107 Millimeter.

Bodensee bleibt im Minus

Auch der Bodensee liegt deutlich unter den üblichen Werten. Am Pegel Konstanz wurden zuletzt im Tagesmittel 281 Zentimeter gemessen (Sonntag, 15.15 Uhr) – der Wert liegt nach Angaben der Hochwasser-Vorhersage- Zentrale Baden-Württemberg deutlich unter dem historischen Mittelwasserstand von 409 Zentimetern und auch deutlich unter dem Vorjahreswert – und das NIZ erwartet weiter sinkende Werte. „Entsprechend dem natürlichen Jahresgang ist in den kommenden Wochen tendenziell mit einem Rückgang der Seewasserstände zu rechnen“, heißt es.

Rhein und Donau extrem niedrig

Auch am Oberrhein ist die Lage extrem. Am Pegel Maxau wurden zuletzt 309 Zentimeter gemessen (Sonntag, 15.15 Uhr), der saisonale Mittelwert des Wasserstands liegt dort im August an normalen Sommertagen aber bei etwa 500 Zentimetern. Eigentlich treten in Maxau die jährlichen Niedrigstwasserstände in der Regel im Herbst oder Winter auf. Nun gehen die Vorhersagen davon aus, dass der Pegelstand in nur einer Nacht und bis zum Montagmorgen auf bis zu 282 Zentimeter abstürzen könnte.

Auch die Donau ist extrem niedrig; am Pegel Hundersingen wird ein weiterer Rückgang vorhergesagt. Am Neckar wird die Lage derzeit noch als „sehr niedrig“ eingestuft. Nach den Vorhersagen dürfte der Fluss in den kommenden Tagen aber die extreme Niedrigwasserstufe 2 erreichen. Auch die Wassertemperaturen in Rhein, Neckar, Donau und Nebenflüssen liegen deutlich über den langjährigen Mittelwerten.

Niedrigwasser verlagert Transporte auf die Straße

Das Niedrigwasser hat inzwischen auch Folgen für den Güterverkehr auf der Straße. Weil Transporte auf den Wasserstraßen zunehmend erschwert werden, will Baden-Württemberg das Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lastwagen vorübergehend aussetzen. Die Ausnahme soll nach Angaben des Verkehrsministeriums ab dem kommenden Wochenende bis Ende September gelten. Damit sollen mögliche Lieferengpässe reduziert und Transporte flexibler abgewickelt werden. Die genauen Regelungen werden derzeit noch erarbeitet. (dpa/lsw)

Droht ein zweigeteilter Rhein?

Das anhaltende Niedrigwasser könnte die Binnenschifffahrt auf dem Rhein in den kommenden Tagen weiter einschränken. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) wird für den schifffahrtsrelevanten Pegel Kaub im Mittelrhein erstmals ein einstelliger Wert erwartet. Damit wäre der Rhein nach Einschätzung des Verbands für die Schifffahrt nicht mehr durchgehend befahrbar. Ursache seien die weiterhin ausbleibenden Niederschläge, sagte BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen der „Rheinischen Post“.

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