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AfD-Wahlkampfauftakt

Über 1000 im Saal huldigen Alice Weidel

Markus Frohnmaier hat durchaus das Zeug dazu, ein Publikum für sich einzunehmen, jedenfalls wenn es politisch so rechts außen tickt wie er. Doch auch der AfD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl tut sich schwer, wenn es gegen die Bundeschefin geht.
Eine Frau spricht an einem Rednerpult mit Mikrofonen.

Da steht sie und schon tobt der Saal: Alice Weidel.

Erik Wien)

Heilbronn. 1100 bis 1200 Menschen passen in die Harmonie in Heilbronn , wenn man die Tribüne abzieht, die an diesem Donnerstagabend nur für die Presse zugänglich ist. Und etwa ebenso viele sind auch gekommen. Er ist der erste Wahlkampfauftritt von Alice Weidel in Baden-Württemberg, der drei weitere folgen sollen. Die Stimmung ist bestens. Da macht es auch nichts aus, dass sich das Vorprogramm zieht und zieht und die örtlichen Landtagsabgeordneten keine begnadeten Redner sind. Selbst der Umstand, dass Emil Sänze, der Co-Landesvorsitzende, als Conférencier von einem Fettnäpfchen zum anderen stolpert, ist zu verschmerzen. Wobei es schon ein starkes Stück ist, wenn er den Top Act, also Parteichefin Weidel, ausgerechnet mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann vergleicht. Ist die nicht in der falschen Partei?

Kaum steht die AfD-Bundesvorsitzende auf der Bühne, tobt der Saal. Und man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass es gar nicht so sehr darauf ankommt, was sie im Einzelnen ausführt. Ob sie nun Donald Trump lobt oder die CDU tadelt, ob es um Wirtschafts-, Energie- oder Bildungspolitik geht: Hier steht die Frau, wegen der die Menschen gekommen sind, die sie schon als Kanzlerin sehen. Und die schon tosenden Applaus erntet, wenn sie nur „Hallo Heilbronn, Hallo Baden-Württemberg“ ruft. Dabei kann sie die, zu denen sie spricht, nicht einmal sehen. Das Licht auf der Bühne ist so grell, dass Weidel nur einzelne Personen in der ersten Reihe erkennt.

„Das muss man sich mal vorstellen!“

Ihre Lieblingsformulierung lautet: „Das muss man sich mal vorstellen!“ So kommentiert sie etwa den Umstand, dass Deutschland die Ukraine mit über 70 Milliarden Euro unterstützt hat, statt Präsident Selenski die Sprengung von Nord Stream in Rechnung zu stellen. Weidel will das Heizungsgesetz abschaffen, die Energiewende stoppen und zur Kernkraft zurückkehren. Sie will, dass Beamte und Politiker in die Rentenkasse einzahlen, damit das Rentenniveau wieder steigt.

„Sie merken, ich habe noch nicht über das Thema Migration geredet“, sagt sie, als schon die Hälfte ihrer 45-minütigen Redezeit vorbei ist. Und dass sie eigentlich auch nicht heute darüber reden wollte. „Oh“, murrt da das Publikum laut und deutlich. Damit ist das nächste Thema gesetzt. Unter ihr als Bundeskanzlerin würden die Grenzen geschlossen und die Migration geordnet. Der Messerangriff von Aschaffenburg jähre sich gerade zum ersten Mal, erinnert sie und fährt fort, dass solche Menschen in Deutschland nichts verloren hätten. „Wir werden Fremde im eigenen Land.“ Dann sagt sie noch, dass man sich als Frau nicht mehr auf die Straße traut. „2026 ist das Jahr der Wahl.“ Die Halle tobt.

„Wo ein politischer Wille ist, da ist auch ein Weg“

Das kann ein Markus Frohnmaier natürlich nicht toppen, obwohl er sich alle Mühe gibt. Die Themen des AfD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 8. März ähneln denen der Chefin, aber das Publikum geht weniger mit.

Es ist ja auch nicht so einfach, wenn man am Vormittag erfahren muss, dass die AfD in den Umfragen doch nicht steigt und steigt, sondern nur noch auf Platz drei mit 20 Prozent rangiert. Und damit die Wahrscheinlichkeit zunimmt, dass der erste AfD-Ministerpräsident, wenn es den denn je geben sollte, doch nicht Markus Frohnmaier heißt.

Auch Frohnmaier erzählt die Geschichte vom wirtschaftlichen Abstieg des Südwestens, den nur die AfD aufhalten könne, indem sie für billige Energie und Bürokratieabbau sorgt. Aus Kernkraft, Gas und Kohle müsse ein intelligenter Energiemix entstehen. Und die Bürokratie müssen abgebaut werden. Er frage sich, warum das gerade alle wollten und warum es von denen, die seit Jahr und Tag regieren, noch nicht umgesetzt worden sei.

Er würde als Ministerpräsident Sunset-Klauseln einführen, die dafür sorgen, dass Gesetze automatisch nach zehn Jahren außer Kraft treten. Und er will in den ersten 100 Tagen dafür sorgen, dass Baden-Württemberg die niedrigsten Strompreise bekommt. Die AfD sei keine fremdenfeindliche Partei, betonte er. Dennoch werde er konsequent abschieben, um Menschenleben zu retten. „Wo ein politischer Wille ist, da ist auch ein Weg.“ Sein Ziel, das macht er zum Abschluss klar, laute am 8. März „Schmerz für Merz“.

Markus Frohnmaier will am 8. März Ministerpräsident werden.
Erik Wien)

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