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Kolumne

Warum fördern wir Hochbegabte anders?

Hochbegabte fördern wir potenzialorientiert, andere Kinder defizitorientiert. Warum Redakteurin Leonie Henes das kritisch sieht.
Holzblöcke mit den Buchstaben "HOCH" und "UNBEGABT" auf Holzfläche.

Mathenachhilfe ist wichtig, aber vielleicht sollten wir unsere Kinder darüber hinaus fördern.

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Wir erkennen das Potenzial hochbegabter Kinder und fördern sie. Bei „normalen“ Kindern gehen wir anders vor. Sie bekommen Förderung nur dort, wo sie Defizite haben. Hochbegabte fördern wir also potenzialorientiert. Alle anderen defizitorientiert.

Wird ein Kind als hochbegabt gelesen und ist ein brillanter Instrumentalist, schicken wir es in ein musikalisches Förderprogramm. Zeigt es außergewöhnliches naturwissenschaftliches Talent, landet es in einem MINT-Projekt. Hat ein „normales“ Kind ein Talent, sagen wir oft: Schön – aber zuerst Mathe. Warum fördern wir sie aber so selten? Vielleicht, weil es eine unausgesprochene Norm gibt: Individualität ist erlaubt. Aber erst, wenn ein Mindestmaß an Mathe, Deutsch und Englisch erreicht ist.

Das ist kein Aufruf, die Mathenachhilfe abzuschaffen. Schulabschlüsse öffnen Türen. Aber vielleicht reicht es nicht, Kinder zu „reparieren“. Vielleicht sollten wir sie auch entdecken. Dem sprachbegabten Kind eine Büchereikarte kaufen. Das räumliche Genie Pappmaché Modelle bauen lassen. Nehmen die Interessen ernst, die nicht im Zeugnis stehen und sind überrascht, welche Begabung dort sichtbar wird. Denn wir wissen längst, dass Förderung über Stärken wirkt. Wir wenden dieses Wissen nur leider sehr selektiv an.

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