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Spürsinn im Dienst: Hundeführer beim Zoll

Pina und ihr Hundeführer sind seit 2023 im Einsatz. Ihre Ausbildung haben sie gemeinsam 2022 begonnen.
Leonie Henes)Stuttgart. Mensch und Tier gemeinsam im Kampf gegen Schmuggler: Das Bild, das Filme oft zeichnen – ein bellender Hund mit gefletschten Zähnen und speicheltriefendem Maul neben einem grimmig dreinblickenden Beamten – entspricht nicht der Realität. Bei der Zollkontrolle am Stuttgarter Flughafen laufen die Dinge anders.
Dort arbeitet Manuel Schneider (Name geändert), ein Zollbeamter, der bei der Arbeit viel lacht. Seine Diensthündin Pina hingegen zeigt ihre Zähne höchstens, wenn es um ihren grünen Gummiball geht. Spielen darf sie immer dann, wenn sie bei einer Kontrolle erfolgreich etwas erschnüffelt und angezeigt hat. Ganz ohne Bellen und ohne die durchsuchten Menschen oder auch Gepäckstücke zu berühren – nur mit einem sanften Anzeigen mit ihrer Schnauze.
Hund und Beamter absolvieren Ausbildung gemeinsam
Bevor ein Zollbeamter Hundeführer werden kann, muss er zunächst die Ausbildung im mittleren Dienst absolvieren . Diese dauert zwei Jahre. Erst im Anschluss ist eine Zulassung zur Zusatzausbildung möglich: „Bei einem anderen Job bewirbt man sich, bringt die Qualifikation mit – hier ist die Auswahl viel persönlicher“, erinnert sich Schneider. Zwar hatte er bereits Erfahrung im Umgang mit Hunden, verpflichtend ist diese jedoch nicht.
Da der Hund jedoch nicht nur Arbeitskollege ist, sondern nach Dienstschluss auch mit nach Hause kommt, sollten angehende Hundeführer wissen, was auf sie zukommt: „Es bringt im Privatleben schon die ein oder andere Einschränkung mit sich, wenn man ein Tier hat, um das man sich kümmern muss.“
Zwar übernimmt der Zoll die Kosten für Tierarzt, Futter und Leine, dennoch ist der Hund „privat eine große Verantwortung“, so Schneider. Deshalb unterschreiben die Hundeführer einen Pflegevertrag, erklärt Thomas Seemann, Pressesprecher des Hauptzollamts Stuttgart.
Schneiders Hündin Pina ist eine schwarze Schäferhündin. Sie wurde im Alter von einem Jahr bei einem Züchter gekauft. Grundsätzlich werden die Hunde frühestens im Alter von einem Jahr in den Dienst übernommen: „Mit einem Jahr ist der mögliche Charakter schon ausgebildet. Gerade weil sie eine gewisse Triebhaftigkeit für die Suche mitbringen müssen“, so Seemann.
Hat ein angehender Hundeführer einen geeigneten tierischen Partner gefunden, absolvieren beide die Zusatzausbildung als Team. Bei Schneider und Pina dauerte sie insgesamt mehrere Wochen: drei für die Unterordnung, fünf weitere für die Konditionierung.
In dieser Phase wird der Hund auf einen bestimmten Stoff spezialisiert. Im Fall von Pina war es Rauschgift. Andere Hunde werden auf Bargeld oder Tabak trainiert, vereinzelt gibt es auch Artenschutzspürhunde.
Anschließend verbrachten Pina und Schneider sieben Wochen am Frankfurter Flughafen: „Damit der Hund das Bild der Personensuche vermittelt bekommt“, erklärt Schneider. Den Abschluss bildet ein dreiwöchiger „KEV-Lehrgang“: „Das ist die Großraumsuche: Lkws absuchen, Autos absuchen.“
Hunde dürfen ihre Rente beim Hundeführer verbringen
Schneider und Pina sind seit 2023 im Dienst. Doch nicht jeder, der sich beim Zoll bewirbt, kann damit rechnen, später Hundeführer zu werden. Im Bezirk Stuttgart sind derzeit acht Hunde mit ihren jeweiligen Beamten im Einsatz. Da die Tiere in der Regel acht bis zwölf Jahre im Dienst bleiben, sind diese Stellen oft über einen langen Zeitraum hinweg besetzt. Vielleicht hat man aber auch Glück, so wie Schneider.