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Prälat, Politiker und ein großer Mundartdichter

Johann Peter Hebel war ein Geistlicher und alemannischer Dichter. Dieses Jahr jährt sich sein 200. Todestag, weshalb Museen und Kirchen viele Veranstaltungen anbieten. Foto: IMAGO/imageBROKER
IMAGO/imageBROKER/Heinz-Dieter F)Basel/Karlsruhe. Johann Peter Hebel war nicht nur ein alemannischer Mundartdichter und Wegbereiter der modernen Kurzgeschichte. Er war auch ein hoher Geistlicher der badischen evangelischen Landeskirche: Im Jahr 1819 wurde er vom badischen Großherzog zum Prälaten der evangelisch-lutherischen Kirche ernannt. Dadurch war er auch Mitglied der Ersten Kammer des badischen Landtags.
„Zwei Jahre darauf schlossen sich die lutherische und die reformierte zur vereinigten badischen Landeskirche mit Hebel als oberstem Geistlichen zusammen“, schreibt Judith Weidermann, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit in der badischen Landeskirche, auf den Internetseiten der Kirche. Für seine Verdienste um die Kirchenunion wurde ihm deshalb auch von der Universität Heidelberg die theologische Ehrendoktorwürde verliehen.
Einsatz für Blindenheim und ein Taubstummeninstitut
Als Abgeordneter widmete er sich vor allem der Bildungs-, Kirchen- und Sozialpolitik. So unterstützte er unter anderem verschiedene Anträge zur Gründung eines Taubstummeninstituts und Blindenheims. Ein Wanderverbot für Handwerksburschen dagegen lehnte er ab, schreibt der Literaturwissenschaftler Bernhard Viel in seiner Biographie „Johann Peter Hebel oder Das Glück der Vergänglichkeit“.
Bei der Einweihung des Landtagsgebäudes in Karlsruhe hielt Hebel die Festrede. 1820 erhielt er das Ritterkreuz, wenig später auch das Kommandeurkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen, schreibt der Historiker und Geschichtsdidakt Wolfgang Hug in seiner „Geschichte Badens“. Auch bei der Vereinigung der lutherischen und reformierten Landeskirche Badens zur Landeskirche in Baden im Jahr 1821 spielte Hebel laut Hug eine wichtige Rolle. Er war der erste Unterzeichner der Unionsurkunde und setzte sich für eine gemeinsame Liturgie der beiden Kirchen ein.
Hebel war ein humanistisch geprägter und spätaufklärerischer Dichter, der bis heute vor allem in der Dreiländerregion ein hohes Ansehen genießt. Im Hebeljahr 2026 gibt es daher zahlreiche Veranstaltungen, Ausstellungen und Projekte sowohl in Baden-Württemberg als auch im schweizerischen Basel und im französischen Elsass.
Hebels Vater war fränkischer, die Mutter alemannischer Herkunft. Hebel selbst fühlte sich der alemannischen Wesensart zugehörig. Er besuchte zunächst die Dorfschule im badischen Hausen, dann die Lateinschule in Schopfheim. Der frühe Tod seiner Eltern bescherte ihm ein kleines Vermögen. In Erlangen studierte er Theologie, in Karlsruhe legte er sein Examen ab. Er arbeitete dann als Hauslehrer und am Pädagogium in Lörrach.
Seine Leidenschaft aber war das Schreiben literarischer Verse auch in alemannischer Mundart. Mit den Worten „Z’Basel an mim Rhi, // jo dört möchti si! // Weiht nit d’Luft so mild und lau, // und der Himmel isch so blau // an mim liebe Rhi“, beschreibt er seine ewige Liebe zur Geburtsstadt Basel. 1799 bis 1802 entstanden die mundartlichen ‚Alemannischen Gedichte‘, „eine Sammlung von Gedichten und Liedern über die Natur und bäuerlichen Lebensalltag, die Hebels Ruhm als Erzähler für das deutsche Volk begründeten“, schreibt die badische Landeskirche. Goethe und Jean Paul lobten die Dialekt-Gedichte.
Bekannt sind auch seine auf Hochdeutsch verfassten Kalendergeschichten für die beiden damaligen Volkskalender „Badischer Landkalender“ und „Der Rheinländische Hausfreund“. Der Landkalender war ein 1750 bis 1806 herausgegebener Volkskalender für die lutherischen Untertanen des badischen Markgrafen.
Zwei Webseiten geben Überblick über Veranstaltungen
Im Hebeljahr wirken literarische Museen und Gesellschaften, Vereinigungen wie die Basler Hebelstiftung oder der Lörracher Hebelbund, Kommunen und die evangelische Landeskirche mit.
Ab 1. April werden nach Angaben des Dreiländermuseums in Lörrach zwei Websites einen Überblick über wichtige Ereignisse geben: die Basler Hebelstiftung führt auf Ihrer Homepage www.hebelstiftung.ch eine Veranstaltungsliste, das Deutsche Literaturarchiv Marbach verlinkt auf www.hebel2026.de die Institutionen mit Angeboten und bietet eine digitale Literaturkarte an.