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Klimaschutz

Staatliche Kultureinrichtungen müssen eine Klimabilanz erstellen

2023 wurden die CO₂-Kulturstandards bundesweit eingeführt. Seit vergangenem Jahr sind alle staatlichen Kultureinrichtungen im Land verpflichtet, ihre CO₂-Bilanz zu ermitteln. Nun gibt es eine neue, weiterentwickelte Version der Standards.

Die Popakademie ist eine von sieben staatlichen Kultureinrichtungen im Land, die bereits eine Klimabilanz erstellt haben. Foto: dpa/Thomas Lohnes

dpa/Thomas Lohnes)

Stuttgart. Das Zentrum für Kunst und Medien ZKM Karlsruhe erstellt eine CO₂-Bilanz, die Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim ebenso, genauso wie die Staatstheater in Stuttgart und Karlsruhe – um nur einige Beispiele zu nennen. Hilfsmittel sind dabei der CO₂-Kulturrechner wie auch die Anleitung, die beide kostenlos im Netz zu finden sind.

Seit 2025 sind die staatlichen Kultureinrichtungen im Land dazu verpflichtet, ihre Emissionen zu erfassen, die beispielsweise im Gebäudebetrieb, bei Reisen und Transport, in der Produktion und bei Veranstaltungen entstehen. Ziel ist es, mit den gewonnenen Erkenntnissen ein Klimaschutzkonzept zu entwickeln.

„Wer Klimaschutz wirksam voranbringen will, muss zuerst wissen, wo Emissionen entstehen“, sagt Kunstministerin Petra Olschowski (Grüne), deren Haus auch die Weiterentwicklung des CO₂-Kulturstandards federführend koordiniert. „Genau hier setzt der CO₂-Kulturrechner an: Er unterstützt Kultureinrichtungen bundesweit dabei, ihren CO₂-Ausstoß systematisch zu erfassen und zu analysieren. Das ist die Grundlage, um Emissionen zu senken!“

Baden-Württemberg ist bundesweiter Vorreiter. Die Medien- und Filmgesellschaft MFG Baden-Württemberg hat unter dem Label „Green Shooting“ bereits vor rund sieben Jahren den Anfang gemacht (siehe Kasten).

Ziel ist es, Treibhausgasneutralität bis 2030 zu erreichen

Der Leitfaden des Landes „Klimaschutz in Kultureinrichtungen“ wurde 2022, die Anleitung zum Klimaschutzkonzept 2025 veröffentlicht. Letztere soll dabei unterstützen, das im Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg (KlimaG BW) formulierte Ziel der Treibhausgasneutralität der Landesverwaltung bis zum Jahr 2030 zu erreichen.

Von den 15 staatlichen Kultureinrichtungen haben bislang sieben eine Treibhausgasbilanz erstellt. Weitere überwiegend staatlich geförderten Kultureinrichtungen haben sich als Ziel gesetzt, für 2025 erstmals eine Bilanz anzufertigen oder bilanzieren bereits, so ein Ministeriumssprecher. Und auch nichtstaatliche Häuser nutzen die Tools – nach Schätzungen der Green Culture Anlaufstelle 2024 bundesweit knapp 350 Einrichtungen.

Die Emissionsfaktoren, die deutlich machen, wieviel CO₂ bei einer bestimmten Aktivität entsteht, werden im Kulturrechner jährlich aktualisiert. Das sei wichtig, „weil sich beispielsweise auch der Energiemix verändert“, so der Ministeriumssprecher. „Der Strom kommt jedes Jahr aus etwas anderen Quellen, so gibt es beispielsweise mehr Wind- und Solarstrom oder weniger Kohle.“ Wenn sich der Mix ändere, ändert sich auch der CO₂-Ausstoß.

Erarbeitet und 2025 weiterentwickelt wurden die Standards sowie der darauf basierende Kulturrechner von Fachkundigen im Bereich Klimaschutz und Treibhausgasbilanzierung unter Einbeziehung der Kulturdachverbände. Nun steht also die Version 1.1 im Netz.

„Die Aktualisierungen basieren auf den Rückmeldungen der Anwenderinnen und Anwender, die Empfehlungen wurden von der Expertengruppe formuliert“, so der Ministeriumssprecher.

Die neue Version erfasst mehr Details bei den Daten

Die neue Version soll „vor allem die Detailtiefe der Datenerfassung, unter anderem in den Bereichen Mobilität, Stromverbrauch und relevante Stoffströme, ohne die bestehende Struktur zu verändern“, erhöhen. Das heißt, in Zukunft wird etwa bei der Anreise mit PKW zwischen Verbrennungsmotor und elektrisch unterschieden und Übernachtungen auch in Privatwohnungen sowie mobiles Arbeiten miteingerechnet. Gegliedert werden die Emissionen wie bisher in KlimaBilanzKultur (KBK), KlimaBilanzKultur+ (KBK+) und Beyond Carbon, wobei die KBK der verpflichtende Teil des CO₂-Kulturstandards darstellt, die KBK+ empfohlen wird und Beyond Carbon freiwillig, weil schwer zu ermitteln ist.

Wie sich die neue Version nutzen lässt, darüber können sich Interessierte bei einem Webinar am 17. März informieren, welches das Kunstministerium anbietet. Bislang haben sich rund 160 Personen angemeldet.

„Dies ist eine hohe Resonanz“, heißt es seitens des Ministeriums, „und es verdeutlicht das Interesse und den Bedarf nach Orientierung, Austausch und praktischer Unterstützung bei der Treibhausgasbilanzierung.“

Am Anfang stand die Filmbranche

Die Filmbranche in Baden-Württemberg hat den Anfang gemacht. Carl Bergengruen, Geschäftsführer der Medien- und Filmgesellschaft MFG Baden-Württemberg gründete 2017 den Arbeitskreis „Green Shooting“ gegründet und wird seither von ihm geleitet. Diesem gehören alle deutschen Sender sowie Streamer und Produktionsunternehmen an. „Green Shooting“ (das grüne Drehen) meint möglichst ressourcenschonende Produktionsmethoden in der Filmherstellung. Die MFG bietet zum Thema kostenfreie Workshops und projektbezogene Beratung bei geförderten Projekten an. Dazu gibt es bereits seit 2019 einen eigenen CO2-Rechner, einen Handlungsleitfaden mit konkreten Arbeitshilfen und einem Online-Dienstleisterverzeichnis. Sichtbar machen können die beteiligten Institutionen dieses Engagement mit dem Label green motion . Außerdem wird die Weiterbildung zum Green Consultant anteilig von der MFG bezuschusst.

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