Sondierungsgespräche

Aalens OB Brütting appelliert an Özdemir und Hagel: Photonic Valley in den Koalitionsvertrag

Brütting fordert, kommunale Perspektiven stärker zu berücksichtigen – und setzt klare Schwerpunkte: vom Photonik-Cluster über den Hochschulausbau bis hin zu Infrastrukturprojekten und dem Landesentwicklungsplan.
Mann in Anzug lächelt, im Hintergrund Stadtansicht mit roten Dächern.

Aalens Oberbürgermeister Frederick Brütting bringt sich mit einem offenen Brief in die Sondierungen ein und fordert mehr Gewicht für kommunale Anliegen – mit Fokus auf Photonik, Hochschulen, Infrastruktur und Landesplanung.

Tobias Dambacher)

Aalen. Aalens Oberbürgermeister Frederick Brütting hat sich mit einem offenen Brief an Cem Özdemir und Manuel Hagel gewandt. Darin bittet er die beiden Landespolitiker, kommunale Anliegen bei den laufenden Sondierungsgesprächen zu berücksichtigen. Im Mittelpunkt stehen aus Sicht der Stadt Aalen vier Themen: das „Photonic Valley“ in der Region Aalen/Oberkochen, die Weiterentwicklung des Hochschulstandorts Aalen, der Albaufstieg sowie der Landesentwicklungsplan.

Photonik-Cluster soll in Koalitionsvertrag verankert werden

Das „Photonic Valley“ in der Region Aalen/Oberkochen bezeichnet Brütting als zentrales Zukunftsprojekt. Dort habe sich bereits ein internationales Netzwerk aus Forschung, Entwicklung und industrieller Anwendung etabliert, in dem Start-ups, Mittelstand und globale Technologieführer eng zusammenarbeiten.

Als Beispiel nennt er die jüngste Ansiedlung von Hensoldt Optronics, die auch mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums gelungen sei. Zudem finanzieren die Stadt Aalen und der Ostalbkreis zwei Stiftungsprofessuren im Bereich Photonik an der Hochschule Aalen mit jeweils 110.000 Euro jährlich.

Brütting fordert, das Photonik-Cluster in eine künftige Wirtschaftsstrategie beziehungsweise einen möglichen Koalitionsvertrag aufzunehmen und die Entwicklung weiterhin gezielt durch das Land zu fördern.

Neubau am Campus Burren soll „Industry on Campus“ stärken

Als zweites Anliegen nennt Brütting die Hochschulentwicklung. Die Hochschulen gelten als zentrale Säule der wirtschaftlichen Entwicklung Baden-Württembergs. Auch der Campus Burren der Hochschule Aalen soll künftig eine stärkere Rolle spielen. Geplant ist, gemeinsam mit der Stuttgarter Engineering Park GmbH (STEP), einer Tochter der L-Bank, einen Neubau zu realisieren und damit das Konzept „Industry on Campus“ auszubauen. Die planungsrechtlichen Voraussetzungen dafür hat die Stadt bereits geschaffen; der Bebauungsplan wurde vom Gemeinderat beschlossen. Nun soll die Ansiedlung der STEP zeitnah umgesetzt werden.

Albaufstieg und Straßenprojekte sollen Vorrang erhalten

Großen Raum nimmt in dem Schreiben auch die Verkehrsinfrastruktur ein. Leistungsfähige Infrastrukturen sind aus Sicht von Brütting eine zentrale Voraussetzung für Investitionen. Internationale Geschäftsreisende nähmen häufig eine Diskrepanz zwischen hoher fachlicher Kompetenz in der Region und einer eingeschränkten Erreichbarkeit wahr. Die Verkehrsanbindung müsse daher mit den Anforderungen von Unternehmen und Fachkräftegewinnung Schritt halten.

Als Schlüsselprojekt hebt Brütting den Albaufstieg hervor, der sowohl für die Region als auch für das Land von großer Bedeutung sei. Nach Abschluss der laufenden faunistischen Untersuchungen müsse zeitnah über den Trassenverlauf entschieden werden.

Darüber hinaus fordert er eine hohe Priorität für weitere Straßenprojekte in Ostwürttemberg, darunter den Ausbau der B29 in Richtung Westhausen, die Sanierung des Rombachtunnels und den Ersatzneubau der B19-Brücke zwischen Unterkochen und Oberkochen. Im Zusammenhang mit der Entwicklung des Gewerbeparks Ebnat verweist er zudem auf die Bedeutung des Knotenpunkts B29a/L1067, auch mit Blick auf Zeiss.

Gemeinsames Oberzentrum für Ostwürttemberg gefordert

Schließlich drängt der Oberbürgermeister auf einen zügigen Abschluss des Landesentwicklungsplans Baden-Württemberg. Er verweist darauf, dass Ostwürttemberg bislang die einzige Region im Land ohne ausgewiesenes Oberzentrum ist. Die Städte Aalen, Heidenheim, Schwäbisch Gmünd und Ellwangen (Jagst) nähmen diese Funktion jedoch bereits gemeinsam wahr. Eine offizielle Anerkennung würde aus seiner Sicht die bestehenden Strukturen abbilden und die regionale Entwicklung stärken.

Für dieses Anliegen gebe es einen breiten Konsens unter den Großen Kreisstädten sowie positive Signale aus dem zuständigen Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen.

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