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Sechs Gefreite aus 49

Christoph Sonntag greift in seiner Kolumne die Debatte um die Wehrpflicht auf.
huettenhoelscher via Canva.com; Porträt: imago images/STAR-MEDIA)Bei der Pressekonferenz mit Donald Trump saß unser Kanzler brav wie ein Schuljunge ein wenig bedröppelt da und schwieg, als Trump unsere Nachbarn, die Spanier, verunglimpfte. Weil sie seinen völkerrechtswidrigen Angriff auf ein Drittland verurteilt haben. Jetzt war Merz mutiger und hat mit anderen Europäern gemeinsam Trump die Hilfe in der Straße von Hormus verweigert. Das ist sehr mutig und trotzig. Das wird uns aber auch noch auf die Füße fallen, solange der Republikaner im Amt ist.
Währenddessen rätselt die Welt über die Strategie von Donald Trump, was ist der Plan? Innerhalb weniger Tage im Iran eine demokratische Regierung herbomben? Wenn das alles so genial geplant war, warum wurde dann die Straße von Hormus nicht vorab gesichert und Maßnahmen ergriffen, dem Iran sein einziges stechendes Trumpfblatt schon vorauseilend aus der Hand zu nehmen? Beim Hin- und Herüberlegen darüber ist mir in diesen Tagen ein älteres Bonmot in die Finger geraten: Warum eine Strategie vermuten, wenn Dummheit als Erklärung ausreicht?
Egal wie, Europa muss seine Verteidigung künftig selbst in die Hand nehmen. Wir werden den deutschen Jugendlichen auch noch die Wehrpflicht liefern, sodass sich ihnen möglicherweise die düstere Zukunftsfrage gar nicht mehr stellt.
Es wurde ja darüber diskutiert, dass ausgelost werden könnte, wer von den wehrtauglichen Jugendlichen tatsächlich eingezogen wird. Ich sehe das schon vor mir: immer samstags, kurz vor der Tagesschau, die Ziehung: sechs Gefreite aus 49. Und, angesichts der desolaten Lage der Bundeswehr, sehr wahrscheinlich ohne Gewehr.