Themen des Artikels
Um Themen abonnieren und Artikel speichern zu können, benötigen Sie ein Staatsanzeiger-Abonnement.Meine Account-Präferenzen
Wo Roy Black sang und Professor Brinkmann wohnte

Die aus Lörrach stammende Helene Siegfried machte in Berlin Karriere als Konzertsängerin und sie schrieb sie ein Buch über den Dichter Gottfried Keller.
Landratsamt Waldshut; Montage: Herrgoß)Lörrach/Berlin. Sie machte immer deutlich, was sie wollte. Schon bei der ersten Begegnung, erinnerte sich später ihr Ehemann, sei ihm klar gewesen, dass die junge Dame „in freieren Entwicklungsmöglichkeiten zu leben wünschte, als die gegebenen Umstände sie ihr gewährten.“
Jenseits der patriarchal geprägten Hausfrauenrolle eroberte sich Helene Siegfried-Aichele gleich auf drei Gebieten ihre Unabhängigkeit: als Sängerin, als Autorin und schließlich als Sammlerin südbadischen Kunsthandwerks.
Begeisterung für Kunst, Literatur und Musik
Die Tochter eines Textilfabrikanten kam 1867 in Lörrach zur Welt. Schon in ihrer Jugend begeisterte sie sich für Literatur, Kunst und Musik. Die Eltern hatten ebenso Schweizer Wurzeln wie ihr späterer Ehemann, der Schriftsteller Walter Siegfried. 1890 heirateten die beiden und zogen nach Berlin, wo Helene Klavier- und Gesangsunterricht nahm. Bald zerbrach die Ehe. Nach einem längeren Rosenkrieg wurden die Kinder dem Vater zugesprochen.
Doch Helene hatte gelernt, für sich selbst zu sorgen. Um 1900 stieg sie an der Spree zu einer gefeierten Konzertsängerin auf. In ihrer Wohnung gastierten Prominente wie der Komponist Richard Strauß oder der Tenor Enrico Caruso. Daneben arbeitete sie publizistisch, gab einen Sammelband über den amerikanischen Lyriker und Naturphilosophen Ralph Waldo Emerson mit heraus und schrieb ein Buch über den Züricher Dichter Gottfried Keller.
In Grafenhausen -Rothaus (Landkreis Waldshut) ließ sie eine Sommerresidenz errichten. Es sollte ein traditionelles Schwarzwaldhaus werden: umgeben von Tannen, mit weit heruntergezogenem Schindeldach und Laubengängen. Aus dem Dachfirst ragt ein Türmchen mit einer Betglocke heraus.
Helene ließ historische Kachelöfen installieren, erwarb bemalte Bauernschränke, Kupfergeschirr und Votivbilder. Ihr Enthusiasmus ging sogar so weit, dass es zum Konflikt mit dem Gesetz kam: Sie hatte sich ein herrenloses Bildstöckchen angeeignet. Als ihre Berliner Wohnung 1945 bei einem Bombenangriff zerstört wurde, zog sie dauerhaft in die Sommerresidenz. Sie starb 1966.
Das Landhaus wurde in ein Heimatmuseum umgewandelt
Wie zu Lebzeiten mit dem Landkreis vereinbart, wurde das Haus in ein Heimatmuseum umgewandelt und dank der Medien zu einer Schwarzwald-Ikone. Roy Black drehte hier in den 1970ern einen Musikfilm. Und in der Fernsehserie „Die Schwarzwaldklinik“ diente das „Hüsli“ als Wohnhaus von Professor Brinkmann.