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Präsidentenamt kehrt zur CDU zurück

Carl Neinhaus (rechts), der hier Gebhard Müller zu seiner Wiederwahl zum Ministerpräsidenten im Jahr 1956 gratuliert, war von 1952 bis 1960 Landtagspräsident - und selbstverständlich wie Müller Mitglied der CDU.
dpa/Duerkop)Stuttgart. Sechs Jahre länger als den Regierungschef, nämlich 64 Jahre lang, stellte die CDU den Landtagspräsidenten. Erst 2016 wurde die Tradition durchbrochen: mit der Wahl von Muhterem Aras zur ersten Grünen und ersten Frau an der Spitze des Landtags. Aras kandidiert diesmal als Landtagsvizepräsidentin . Die Grünen haben sie am Montag mit 98 Prozent für dieses Amt nominiert.
Den Auftakt machte 1952 Carl Neinhaus (CDU), Oberbürgermeister von Heidelberg. Ihm folgten mit Franz Gurk, Camill Wurz, Erich Ganzenmüller, Lothar Gaa, Erich Schneider, Fritz Hopmeier und Peter Straub weitere CDU-Politiker, die das Parlament teils über lange Zeiträume führten. Straub stand dem Landtag von 1996 bis 2011 vor und prägte damit eine ganze Ära.
Auch die späteren Präsidenten Willi Stächele, Guido Wolf und Wilfried Klenk gehörten der CDU an. Erst mit der Landtagswahl 2016 änderte sich das Machtgefüge im Parlament: Muhterem Aras wurde zur Landtagspräsidentin gewählt – ein Novum in der Geschichte des Landes. Die Grünen übernahmen damit erstmals das protokollarisch zweithöchste Amt Baden-Württembergs.
Über viele Jahrzehnte stellten SPD und FDP Vizepräsidenten
Neben den Präsidenten dokumentiert die Übersicht auch die Entwicklung der Vizepräsidentenämter. Diese wurden traditionell parteiübergreifend besetzt und spiegeln den Wandel der politischen Landschaft wider. Lange Zeit waren Vertreter von SPD und FDP feste Bestandteile des Präsidiums. Zu den prägenden Persönlichkeiten gehörten etwa Walter Krause (SPD), Hans Albrecht (FDP) oder Frieder Birzele (SPD). Später rückten mit Brigitte Lösch und Muhterem Aras auch die Grünen in die Landtagsspitze auf.
Erst mit dem Einzug der AfD 2016 endete die Tradition, auch die stärkste Oppositionspartei mit dem Posten eines Vizepräsidenten zu betrauen. Auch im Vorfeld der Wahl an diesem Dienstag haben die anderen Parteien klar gemacht, dass sie den Rechtspopulisten dieses Amt nicht zugestehen wollen.
Die Übersicht zeigt zugleich den steigenden Frauenanteil in den Führungspositionen des Parlaments. Während die ersten Jahrzehnte ausschließlich von Männern geprägt waren, übernahmen später Politikerinnen wie Christa Vossschulte (CDU), Beate Fauser (FDP), Sabine Kurtz (CDU) oder Muhterem Aras zentrale Ämter im Präsidium.
Biografische Kurzangaben:
- Carl Neinhaus, CDU, geboren 1888, gestorben 1965, war Oberbürgermeister von Heidelberg und von 1952 bis 1960 erster Präsident des Landtags.
- Franz Gurk, CDU, 1898 bis 1984, war Karlsruher Bürgermeister, Landtagsabgeordneter und von 1960 bis 1968 Landtagspräsident.
- Camill Wurz, CDU, 1905 bis 1986, war Jurist, Landtagsabgeordneter und von 1968 bis 1976 Landtagspräsident.
- Erich Ganzenmüller, CDU, 1914 bis 1983, war Lehrer, Abgeordneter und von 1976 bis 1980 Landtagspräsident.
- Lothar Gaa, CDU, 1931 bis 2022, war Rechtsanwalt, Vizepräsident und von 1980 bis 1982 Landtagspräsident.
- Erich Schneider, CDU, 1933 geboren, war Bürgermeister, Abgeordneter und von 1982 bis 1992 Landtagspräsident.
- Fritz Hopmeier, CDU, 1929 bis 2014, gehörte dem Landtag von 1972 bis 1996 an und war von 1992 bis 1996 Präsident.
- Peter Straub, CDU, führte den Landtag von 1996 bis 2011 und schied nach mehr als 26 Jahren Parlamentszugehörigkeit aus.
- Willi Stächele, CDU, geboren 1951, war Minister, Finanzminister und 2011 Landtagspräsident.
- Guido Wolf, CDU, geboren 1961, war Landrat, Landtagspräsident von 2011 bis 2015 und später Justizminister.
- Wilfried Klenk, CDU, geboren 1959, war Rettungsdienstleiter, Landtagspräsident von 2015 bis 2016 und anschließend Vizepräsident.
- Muhterem Aras, Grüne, ist seit 2016 Landtagspräsidentin und wurde 2021 wiedergewählt. Sie soll an diesem Dienstag zur neuen Landtagsvizepräsidentin gewählt werden.
Zu den langjährigen Stellvertretern zählen unter anderem Walter Krause, SPD, 1912 bis 2000, später Innenminister; Hans Albrecht, FDP, 1923 bis 2006, Förster und von 1972 bis 1984 Landtagsvizepräsident; Frieder Birzele, SPD, 1940 bis 2023, Innenminister und Landtagsvizepräsident; Christa Vossschulte, CDU, geboren 1944, Vizepräsidentin von 2001 bis 2011; Beate Fauser, FDP, geboren 1949, Vizepräsidentin von 2001 bis 2006; Sabine Kurtz, CDU, geboren 1961, Vizepräsidentin von 2018 bis 2021 und später Staatssekretärin; Wolfgang Reinhart, CDU, stellvertretender Präsident in der 17. Wahlperiode; sowie Daniel Born, SPD, geboren 1975, Vizepräsident von 2021 bis zu seinem Rücktritt 2025.