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Cloud-Dienstleistungen

Rolf Schumann: „Wir brauchen einen Buy-European-Ansatz“

Die Stimmen für die digitale Unabhängigkeit Europas werden lauter. Für Rolf Schumann von Schwarz Digits muss die digitale Souveränität der Maßstab für die öffentliche Beschaffung von Cloud-Dienstleistungen sein. Die EU hat mit einer neuen Initiative bereits Instrumente entwickelt.
Zwei Männer in Anzügen lächeln, Hintergrund mit Schriftzug "schwarz digits".

Die Chefs von Schwarz Digits, Christian Müller (links) und Rolf Schumann positionieren sich als europäische Alternative zu US‑Hyperscalern wie Amazon Web Services, Microsoft Azure oder Google Cloud.

Schwarz Digits)

Stuttgart. Die EU-Kommission hat Cloud-Dienstleistungen im Gesamtwert von rund 180 Millionen Euro vergeben. Unter den vier Anbietern, die den Zuschlag erhielten, war auch Stackit, die Cloud-Plattform von Schwarz Digits in Heilbronn. Im Rahmen einer EU-weiten Ausschreibung von GovTech Deutschland wurde der Cloud-Provider von Schwarz Digits außerdem für die „Deutschlandplattform“ und die Gesundheitsplattform Medicus ausgewählt. Der Rahmenvertrag über ein Volumen von bis zu 250 Millionen Euro sichert Behörden auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene den Zugang zu hochskalierbaren Infrastruktur- und KI-Leistungen.

Ziel ist, die digitale Unabhängigkeit Europas

Die IT-Tochter der Schwarz-Gruppe unterhält nach eigenem Bekunden mit 600 globalen und europäischen Partnern ein Netzwerk. Ziel ist, die digitale Unabhängigkeit Europas mit souveränen europäischen Lösungen zu stärken und Alternativen zu außereuropäischen Anbietern zu schaffen.

„Digitale Souveränität ist die Voraussetzung für die Überlebensfähigkeit und die Zukunft der europäischen Wirtschaft“, sagt Christian Müller, Co-CEO von Schwarz Digits. Um globalen Herausforderungen zu begegnen, brauche es starke europäische Lösungen. Sein Geschäftsführer-Kollege Rolf Schumann fordert von der Politik einen „Buy European“-Ansatz: „Maßstab für die Beschaffung müsse die digitale Souveränität sein“, sagte er dem Handelsblatt. Es stelle sich die Frage, „wer kontrolliert Daten, Systeme und Betrieb – und welches Recht greift?“ Schumann fordert, dass der Staat als Ankerkunde auftreten müsse, um europäische Anbieter zu stärken.

In diese Richtung zielt auch das „Paket zur technologischen Souveränität Europas“, das die EU-Kommission vorgelegt hat. Damit will sie Europa bei Halbleitern, künstlicher Intelligenz (KI), Cloud und Open Source unabhängiger machen – besonders von den USA und China. Die EU baut auf eigene Infrastruktur, damit niemand europäische Systeme aus dem Ausland abschalten oder Daten einsehen kann. Kern des Pakets ist der Cloud and AI Development Act (CADA), der bei der IT-Beschaffung ab sofort vier Vertrauensstufen für Cloud-Anbieter definiert. Sie kategorisieren Cloud-Anbieter nach ihrem Grad der europäischen digitalen Souveränität und bestimmen, welche Daten auf welcher Stufe verarbeitet werden dürfen.

Für sensible Daten (Behörden, Polizei) ist mindestens Cloud-Stufe 2 erforderlich. Dies bedeutet: US-Anbieter wie Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud, die zusammen über 70 Prozent des EU-Cloud-Markts kontrollieren, sind faktisch von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen. Ab Level 3, etwa Polizeianwendungen wird stark auf verwendete Komponenten aus Nicht-EU-Ländern abgestellt. Level 4 – für Hochsicherheitsbereiche – ist dann nur noch für EU-Anbieter reserviert.

Ziel der EU ist es, dass Auftraggeber prüfen, ob Cloud-Anbieter aus der EU stammen. Sensible Daten müssen in der EU bleiben und dürfen nicht außerhalb der EU für das Training von KI-Systemen verwendet werden. Auftraggeber müssen dann garantieren, dass Serverstandorte in Europa liegen und keine Datenübertragung in Drittländer erfolgt.

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