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Stuttgart 21: Planungsfehler und eine veraltete Technik sorgen für längere Bauzeit

Auf diesen Gleisen in Stuttgart wird frühestens in fünf Jahren ein planmäßiger Zug fahren.
dpa/imagebroker)Wie sieht der neue Zeitplan für die Fertigstellung vonStuttgart 21 aus?
Bekannt ist bisher, dass die offizielle Eröffnung auf Dezember 2031 verschoben wird. Ob es vorher schon eine teilweise Inbetriebnahme geben soll, ist bislang nicht bekannt. Aber angesichts der planerischen und technischen Probleme, über die verschiedene Medien berichtet hatten, erscheint das eher unwahrscheinlich.
Welche Gründe werden für die langfristige Verschiebung des Eröffnungstermins genannt?
Zwar wurde in den vergangenen Wochen vor allem der Digitale Bahnknoten als Hauptgrund für die weiteren Verzögerungen genannt. Denn dessen Umsetzung gilt wegen der Größe des Vorhabens als extrem kompliziert, wurde in dieser Dimension bislang noch nirgends umgesetzt. Doch scheint es auch an zahlreichen anderen Stellen des Großprojektes massive Probleme zu geben.
Teilnehmer der Verkehrsausschusssitzung im Bundestag berichteten laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung davon, dass die DB mitgeteilt habe, dass Planungen nicht den „nötigen Reifegrad“ besessen hätten und offenbar schon gebaut wurde, bevor die Planungen abgeschlossen waren. Das gilt etwa für Kabel, die für die digitale Zugleittechnik angeblich kilometerweise falsch verlegt wurden.
Hinzu kommt wohl auch Pfusch am Bau. In Medienberichten war schon vor Wochen die Rede davon gewesen, dass die Fliesen auf den Bahnsteigen zum Teil wieder herausgerissen werden mussten, weil der Estrich darunter Mängel aufgewiesen habe.
Zudem soll die Bahn nicht rechtzeitig auf gesetzliche Änderungen für die Notstromversorgung von öffentlicher Infrastruktur reagiert haben. Nun muss offenbar umgeplant und nachgerüstet werden, weil die Bahn für das bisherige Konzept keine Genehmigung bekommen hat. Und das schon seit 2013 fertige Technikgebäude für den neuen Tiefbahnhof gilt inzwischen als veraltet und nicht mehr bedarfsgerecht. Auch dort muss umgeplant und Technik ausgetauscht werden. Auch das trägt dazu bei, dass die DB erst 2031 fertig werden will oder kann.
Wie hoch werden die zusätzlichen Kosten geschätzt?
Von der Deutschen Bahn gibt es auch dazu bislang keine Aussagen. Auch Bahnchefin Evelyn Palla soll sich dazu im Verkehrsausschuss am Mittwoch nicht geäußert haben. Der SWR hatte allerdings schon Mitte Juni von drei Milliarden an zusätzlichen Kosten gesprochen ohne eine Quelle zu nennen. Das Bahnprojekt könnte damit mehr als elf Milliarden Euro kosten. Bei Vertragsunterzeichnung 2009 waren es noch 4,5 Milliarden Euro.
Wie fallen die Reaktionen auf die erneute Verschiebung aus?
Vom Grünen-Verkehrsexperten und Nürtinger Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel kam nach der Verkehrsausschusssitzung deutliche Kritik. Die Bahn stecke noch immer in der Problemanalyse und suche nach Lösungen. Das zeige, wie „grottenschlecht“ die Planungen und deren Umsetzungen gewesen seien. Und auch am Zeitplan zweifelt Gastel: „Ich würde mich wundern, wenn die Inbetriebnahme 2031/2032 tatsächlich funktionieren würde.“
Die Verkehrsministerin und S-21-Befürworterin Nicole Razavi fordert von der Bahn, die Auswirkungen für die Fahrgäste zu minimieren. „Vor allem der umständliche ‚Fernwanderweg‘ zu den Bahnsteigen muss so schnell wie möglich ein Ende finden“, sagte die CDU-Politikerin.
Die Gegner des Projekts, die für die Erhaltung des Kopfbahnhofs kämpfen, forderten Palla auf, sich nicht zu einer neuen Terminfestlegung „treiben zu lassen“. Palla und die Bahn müssten jetzt den Fokus auf die Sanierung der Gleise im Kopfbahnhof legen, wenn diese noch fünf Jahre länger als geplant genutzt werden müssten. Der sei inzwischen so abgenutzt, dass es immer häufiger zu Ausfällen und Verspätungen komme und die Sicherheit der Bahnreisenden nicht mehr gewährleistet werden könne.
Mit Material von dpa