Themen des Artikels

Um Themen abonnieren und Artikel speichern zu können, benötigen Sie ein Staatsanzeiger-Abonnement.Meine Account-Präferenzen

Ex-Staatsrätin

Gisela Erler für deutsch-französische Arbeit geehrt

Gisela Erler bekommt an einem Nachmittag zwei Orden überreicht - für ihre Verdienste um die deutsch-französische Zusammenarbeit.
Ältere Frau und älterer Mann lachend in einer Gruppe sitzend.

Gut gelaunt genießen: Die beiden Politikrentner Gisela Erler und Winfried Kretschmann.

Michael Schwarz)

Stuttgart. Es war wie immer. Ex-Verkehrsminister Winfried Hermann kam mit dem Rad, Ex-Ministerpräsident Winfried Kretschmann in Schuhen der Marke Bär. Nur die noch amtierende Theresa Schopper fehlte zunächst: Die Bauministerin dachte, dass die Party eine halbe Stunde später beginnt. Der Anlass für das Wiedersehen des halben ehemaligen Kabinetts im Stuttgarter Institut français: Gisela Erler (alle Grüne), von 2011 bis 2021 Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung, bekam am Mittwoch einen Orden für ihre Verdienste um die deutsch-französische Zusammenarbeit. Überreicht vom Konsul, der nun gehen muss: Der Karrierediplomat G aël de Maisonneuv e verlässt Baden-Württemberg, wo er seit seiner Ankunft vor fast vier Jahren viel bewegt hat.

Erler spart, weil sie keine Französin ist

Erler gehört nun dem erlauchten Kreis der „Chevaliers dans l’Ordre national du Mérite“ an, den der General de Gaulle 1964 geschaffen hat und den derzeit rund 174.000 Menschen tragen. Franzosen werden dafür mit etwa 45 bis 60 Euro zur Kasse gegeben, wozu noch Verwaltungsgebühren kommen. Erler bekam ihn umsonst.

In ihrer Laudatio hob Brigitte Klinkert, die für die Partei von Präsident Emmanuel Macron in der Pariser Nationalversammlung sitzt und aus Colmar stammt, hervor, dass sich Erler stets für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit eingesetzt habe. Baden-Württemberg habe insbesondere in der Corona-Pandemie dem Elsass sehr geholfen. Sie habe in ihrer damaligen Funktion als Präsidentin des Regionalparlaments am 20. März 2020 eine Mail an die Landesregierung geschrieben; wenige Stunden später hatte sie eine Liste der Krankenhäuser in der Hand, die noch Betten für elsässische Patienten bereitstellen könnten.

„Ich komme mir allmählich vor wie ein russischer General“

Als Erler anschließend auch noch von Klinkert die Ehrenmedaille der Nationalversammlung verliehen bekam, scherzte sie: „Ich komme mir allmählich vor wie ein russischer General.“ Anschließend würdigte sie die deutsch-französische Zusammenarbeit. Städtepartnerschaften und Bürgerdialoge seien das „Wurzelgeflecht“ eines demokratischen Europas. Zugleich warnte sie vor einem „langsamen und stetigen Auseinanderdriften“ beider Länder und kritisierte eine wachsende politische „Gleichgültigkeit“. Grenzregionen litten weiterhin unter Bürokratie, nationalen Zuständigkeiten und fehlendem politischen Ehrgeiz. Ihr Appell: Die Freundschaft müsse „gepflegt, weiterentwickelt“ und immer wieder neu mit Leben gefüllt werden. Hoffnung setzt Erler ausgerechnet auf die aktuellen Krisen: Sie könnten Deutschland, Frankreich und Europa zwingen, sich „mehr und besser und ehrlich zu koordinieren“.

Nutzen Sie die Vorteile unseres

Premium-Abos. Lesen Sie alle Artikel aus Print und Online für

0 € 4 Wochen / danach 219 € jährlich Nachrichten aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung in Baden-Württemberg Jetzt abonnieren

Lesen Sie auch