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Fan-Krawalle in Mannheim: Hagel fordert Aufarbeitung, Kritik von Fans

Beim Pokalspiel zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern kam es zu Ausschreitungen.
IMAGO/Bennet Long)Mannheim. Zunächst liest sich der Bericht der Mannheimer Polizei ganz harmlos. Vor dem DFB-Pokalderby zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern sei alles „überwiegend störungsfrei“ abgelaufen, auch der Fanmarsch von rund 2000 Lautern-Fans verlief „ohne nennenswerte Störungen“.
Im Stadion sah es aber dann anders aus. Bereits das ganze Spiel über zündeten beide Fanlager immer wieder Pyrotechnik, zum Ende der regulären Spielzeit eskalierte die Situation: Als einige Mannheimer Fans den Platz stürmten, schritt die Polizei ein. Sie drängte die Fans unter anderem mit dem Einsatz von Pfefferspray zurück in den Block und wurde dabei selbst mit Pyrotechnik und Raketen beschossen.
85 Menschen werden verletzt
Laut Polizeibericht mussten 85 Personen medizinisch betreut werden, auch 35 Polizistinnen und Polizisten wurden verletzt. Dass Kaiserslautern das Spiel in der Verlängerung mit 1:0 gewann, geriet völlig in den Hintergrund. „Wir wollen Emotionen, aber keine Gewalt“, sagte Kaiserslauterns Geschäftsführer Thomas Hengen nach Abpfiff. „Das war zu viel.“
Deutlich äußerte sich auch Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) . „Diese Bilder gehen gar nicht. Wer unsere Fußballplätze in Schlachtfelder verwandelt, der ist kein Fußballfan“, sagte er dem SWR. Diese „Typen“, so Hagel, seien Kriminelle, „und so werden sie von uns auch behandelt“. Gleichzeitig bedankte sich der Innenminister bei der Polizei in Mannheim. Sie habe hochprofessionell gehandelt, „hatte ein funktionierendes Sicherheitskonzept und hat meine ganze Rückendeckung“.
Fan-Dachverband sieht „Klärungsbedarf“
Deutlich kritischer äußerte sich der Mannheimer Fan-Dachverband „PRO Waldhof“. Der Verband verurteilt auf seiner Website die “ Würfe von Gegenständen auf das Spielfeld, den Gebrauch von Böllern und von Pyrotechnik als Wurfgeschoss sowie das Betreten des Innenraums“. Gleichzeitig sah der Dachverband aber „Klärungsbedarf“ hinsichtlich des Polizeieinsatzes.
Er kritisierte unter anderem, dass Pfefferspray „wahllos in die Menge“ gesprüht worden sei und Polizisten auf die Tribüne vorgedrungen seien. „Bei allen erfolgten Grenzüberschreitungen durch Fans ist diese Vorgehensweise durch nichts zu rechtfertigen und hat Menschen in Gefahr gebracht“, schreibt PRO Waldhof. „Eine deeskalierende Strategie hätte die Lage weiter beruhigt und einen schnellen Wiederanstoß ermöglicht.“ Die Mannheimer Fanvertretung wolle mit dem Verein in den Dialog gehen, um das Spiel aufzuarbeiten.
Eine Aufarbeitung fordert auch die Gewerkschaft der Polizei Baden-Württemberg. „Straftaten müssen verfolgt und individuell sanktioniert werden“, sagt deren stellvertretender Landesvorsitzender Ulf Dieter in einer Pressemitteilung. Gleichzeitig dürfe aber die große Mehrheit der friedlichen Fußballfans nicht unter Generalverdacht gestellt werden.
Hagel setzt auf die Stadionallianzen
Manuel Hagel hat eine Aufarbeitung des Spiels in Mannheim bereits angekündigt. Er sieht dabei die Vereine „mit im Boot“. Sie seien unter anderem verantwortlich für Eingangskontrollen – „Und ich erwarte auch hochprofessionelles Sicherheitspersonal in den Stadien.“
Man werde in Baden-Württemberg weiterhin auf die Stadionallianzen setzen, ein bundesweit einzigartiges Modell. Darin arbeiten Polizei, Fanvertreter, Vereine und Städte zusammen. Laut Innenministerium habe das Gewalt und Einsatzkosten bei Fußballspielen verringert. Außerdem gebe es dadurch weniger Verletzte. „Spiele wie in Mannheim machen nur ein Prozent der Fußballspiele bei uns im Land aus“, sagte Hagel dem SWR. „Dieses eine Prozent geht nicht, aber in der Regel sind die Stadionbesuche in Baden-Württemberg sicher.“