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Überraschende VW-Beschlüsse

Audi Neckarsulm: Özdemir fordert Zukunftsplan – Werk bekommt Zeit bis 2027

Nach der Einigung auf den VW-Sparplan drängen Ministerpräsident Cem Özdemir, Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut, Oberbürgermeister Steffen Hertwig und der Betriebsrat auf eine langfristige Perspektive für das Audi-Werk in Neckarsulm. Eine Schließung ist vorerst vom Tisch – bis Ende Juni 2027 soll ein wettbewerbsfähiges Produktionskonzept entstehen.
Luftaufnahme großer Industriekomplex mit begrünten Dächern, im Hintergrund Fluss und Stadt.

Das Audi-Werk in Neckarsulm erhält mehr Zeit für ein Zukunftskonzept: Bis Ende Juni 2027 soll ein wettbewerbsfähiges Produktionsmodell entwickelt werden. Eine Schließung ist damit vorerst abgewendet, die langfristige Perspektive des Standorts bleibt jedoch offen.

dpa/Arnulf Hettrich)

Stuttgart/Neckarsulm.   Der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) mahnt nach der Einigung auf den Sparplan bei Volkswagen konkrete Vorschläge für den Audi-Standort in Neckarsulm an. Özdemir sagte in Stuttgart, entscheidend sei, dass es für den Standort weiterhin eine Perspektive gebe und keine Schließung vereinbart worden sei. „Ich erwarte jetzt vom VW-Vorstand, dem Aufsichtsrat und der Audi-Führung, dass sie das verbleibende Zeitfenster nutzen und Neckarsulm eine echte industrielle Perspektive geben, mit Produkten und Investitionen, die über das Jahr 2034 hinausreichen.“

Im Sinne der Sozialpartnerschaft werde es Zugeständnisse auf beiden Seiten geben müssen. Özdemir betonte die Wichtigkeit der Zusammenarbeit von Management, Betriebsrat und Gewerkschaft in Krisenzeiten. „Gemeinsam brauchen wir einen Zukunftsplan für den Standort. Ich bin zuversichtlich, dass dies gelingen kann.“ Der Standort Neckarsulm habe aus Sicht der Landesregierung eine Zukunft.

Überraschende Einigung auf den Sparplan

Der VW-Aufsichtsrat hatte sich am Donnerstagabend überraschend auf einen Sparplan geeinigt. Die Konzernproduktion soll auf neun Millionen Fahrzeuge im Jahr sinken, zudem sollen weltweit 50.000 weitere Stellen wegfallen.

Neben dem Audi-Werk in Neckarsulm stehen auch die VW-Standorte Emden, Zwickau und Hannover unter Druck. Für die vier Werke könne derzeit keine wettbewerbsfähige Folgebelegung mit Beginn zwischen 2031 und 2034 gewährleistet werden. Als Grund nennt der Konzern eine Überkapazität von rund 500.000 Fahrzeugen in Europa. Für diese Werke würden „parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft“.

Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sagte, das letzte Wort über die Zukunft des Standorts Neckarsulm sei noch nicht gesprochen. „Der Standort braucht konkrete Produkte, Investitionen und eine industrielle Perspektive über das Jahr 2034 hinaus.“ Neckarsulm verfüge über eine hoch qualifizierte Belegschaft, eine moderne und flexible Produktion sowie herausragende Kompetenzen bei künstlicher Intelligenz und Digitalisierung.

Oberbürgermeister sieht gestiegene Chancen

Nach der Einigung im VW-Aufsichtsrat sehen auch der Neckarsulmer Oberbürgermeister Steffen Hertwig (SPD) und der Betriebsrat gestiegene Chancen für den Standort der VW-Tochter Audi. Die Schließung sei vorerst abgewendet, sagte Hertwig. Der Betriebsratsvorsitzende Alexander Reinhart wertete die Beschlüsse als Vermeidung einer weiteren Eskalation und als Grundlage für anstehende Gespräche.

„Der Standort erhält bis zum 30. Juni 2027 Zeit, ein nachhaltiges und wettbewerbsfähiges Produktionskonzept zu entwickeln“, so Hertwig. Damit bestehe die Möglichkeit, auch künftig Fahrzeuge in Neckarsulm zu bauen. Zugleich gebe es noch keine endgültige Sicherheit für die Zukunft des Standorts.

„Der gestrige Beschluss ist deshalb kein Grund, sich zurückzulehnen. Er ist vielmehr ein klarer Auftrag, jetzt gemeinsam zu handeln. Wir müssen diese Chance nutzen und alles dafür tun, die Perspektive für den Standort zu schaffen und dauerhaft zu sichern“, betonte Hertwig.

Betriebsrat: „Wichtiges Signal für unsere Belegschaft“

Auch der Betriebsrat sieht ein „wichtiges Signal“ für die Belegschaft darin, „dass mit dem gestrigen Gesamtbeschluss keine Schließung des Werks Neckarsulm verbunden ist“. Die Arbeitnehmerseite werde sich intensiv daran beteiligen, konkrete Zukunftspläne für alle vier betroffenen Werke zu entwickeln.

Damit richtet sich der Blick nun auf die kommenden Gespräche über eine langfristige Perspektive für Neckarsulm. Bis Mitte 2027 soll ein wettbewerbsfähiges Produktionskonzept entstehen. Ob der Standort damit auch über das Jahr 2034 hinaus dauerhaft abgesichert werden kann, ist weiterhin offen. (dpa)

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