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Angriffe auf kritische Infrastruktur: So will das Land sich schützen

In Reutlingen brannte Anfang Juni ein Umspannwerk. Es war einer von vielen Angriffen auf kritische Infrastruktur in Deutschland.
IMAGO/Eibner-Pressefoto/Dimitri Drofit)Stuttgart. Es vergeht derzeit kaum ein Tag, an dem keine Nachricht über Schäden an kritischer Infrastruktur durch das Land geht. Zuletzt brannte es in der Nacht auf Montag in einem Umspannwerk in Berlin, an einem Werk bei Görlitz entdeckte die Polizei am Wochenende mehrere Sprengsätze. Immer mehr Politiker fordern deshalb mehr Schutz für Versorgungsanlagen. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) hat sich zuletzt geäußert.
Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte Özdemir, die Länder müssten den Schutz ihrer Energieanlagen deutlich verstärken. „Wir sind verletzlich. Das wissen unsere Gegner“, sagte der Ministerpräsident . Angriffe auf besonders empfindliche Punkte könnten darauf abzielen, die Bevölkerung zu verunsichern. „Es ist wichtig, dass wir uns nicht verunsichern lassen. Zugleich müssen wir unsere sicherheitsrelevante Infrastruktur besser schützen.“ Ob das mit Videoüberwachung oder mit Zäunen geschehe, sei nicht entscheidend. Es gehe um Tempo: „All das muss jetzt mit Hochdruck gemacht werden.“
Özdemir: „Wir sind verletzlich. Das wissen unsere Gegner.“
Erste Ankündigungen dazu gibt es bereits. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will unter anderem den Luftraum über „strategisch wichtigen Städten“ besser vor Drohnen schützen lassen. Dafür sollen neue, schnell verlegbare Einheiten entstehen. Zu diesen Städten soll auch Stuttgart gehören. Zudem will der Bund den Unternehmen der kritischen Infrastruktur mehr Möglichkeiten geben, Drohnen selbst aktiv abzuwehren.
Das baden-württembergische Innenministerium befürwortet diese Vorhaben grundsätzlich. Nur die Betreiber hätten „besondere Kenntnisse ihrer Anlagen, kritischer Betriebsprozesse und objektspezifischer Gefährdungen“. Es brauche aber eine gemeinsame gesetzliche Lösung für den Bund, gerade weil es Betreiber von kritischer Infrastruktur gebe, die bundesweit tätig seien.
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Die EnBW als größter Energieversorger Baden-Württembergs blickt etwas anders auf die Lage. Zwar hält man zusätzliche Schutzmaßnahmen nach eigener Aussage ebenfalls für notwendig. Das Unternehmen weist aber darauf hin, dass eindeutig geklärt werden müsse, wem welche Aufgaben zukämen und wer dafür bezahle. „Aus EnBW-Sicht sollte die Drohnenabwehr eine hoheitliche staatliche Aufgabe bleiben“, teilt der Energieversorger auf Anfrage mit.
Wenn die Betreiber selbst in Prävention und Detektion investierten, solle es Möglichkeiten geben, die Gelder über Entgelte und Gebühren wieder einzuholen. Denn klar ist: Zusätzliche Schutzmaßnahmen sind möglich, dürften aber teuer werden. Der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands für den Schutz Kritischer Infrastrukturen, Hans-Walter Borries, ging gegenüber dem RBB zuletzt von einer „Vervier- bis Versechsfachung der Kosten“ aus.
Nachholbedarf sieht die EnBW beispielsweise bei den Transparenzregelungen. Das deutsche Stromnetz ist auch deshalb so anfällig für Angriffe, weil der Großteil der Leitungen oberirdisch liegt. Zudem ist der Verlauf des etwa 38.000 Kilometer langen Übertragungsnetzes mit seinen rund 300 Umspannwerken öffentlich einsehbar. Wenn die Versorger ihr Netz ausbauen, müssen sie außerdem verpflichtend offenlegen, wo die Leitungen verlaufen.
Hagel will sensible Informationen schützen
Innenminister Manuel Hagel hat bereits Anfang Juli angekündigt , das ändern zu wollen. Er wolle dafür sorgen, dass sensible Informationen bei den Kartendiensten verpixelt werden müssen. Außerdem solle nicht mehr jeder bei den Verwaltungen sensible Daten erfragen dürfen, um sie dann „überallhin weiterzuverbreiten“, sagte er damals im Landtag.
Netzbetreiber, Politik und Experten sagen aber auch klar, dass es selbst bei verbesserten Schutzmaßnahmen keine hundertprozentige Sicherheit geben könne. Entscheidend sei daher auch, dass das Netz nach Angriffen nicht zusammenbricht. Die öffentlichen Stromnetze funktionieren deshalb nach dem sogenannten N-1-Prinzip: Wenn eine wesentliche Komponente der Versorgung, also beispielsweise eine Leitung oder ein Kraftwerk, ausfällt, fangen andere Elemente das auf.
Die Sicherheitslage bleibt angespannt, da sind sich alle Beteiligten einig. Laut einem Bericht von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung zählt das BKA in diesem Jahr bereits mehr als 160 mutmaßliche Sabotageakte. Baden-Württemberg war beispielsweise im Juni betroffen, als ein Umspannwerk in Reutlingen brannte. Daran erinnerte Ministerpräsident Özdemir gegenüber dem RND: „ Wir sind da zwar einigermaßen glimpflich davongekommen. Aber wir sind als Länder gut beraten, das Thema hoch zu priorisieren und möglichst eng zusammenzuarbeiten.“
BOS-Tag 2026
Der BOS-Tag des Staatsanzeigers steht in diesem Jahr unter dem Motto „Kritische Infrastruktur schützen“. Unter anderem spricht Bernd Calaminus, Leiter Business Resilience bei der EnBW. Er zeigt, wie Unternehmen Krisen- und Notfallstrukturen vorbereiten und welche Bedeutung abgestimmte Abläufe zwischen Versorgern und Behörden haben. Die Veranstaltung findet am 19. November im Landratsamt Rastatt statt. Eine Teilnahme ist vor Ort sowie online möglich. Programm und Anmeldung finden Sie online hier .